Wie Senioren ein Hausnotrufsystem steuerlich nutzen können

06.01.2021
Die Kosten für ein Hausnotrufsystem können steuerlich geltend gemacht werden. Das gilt laut einem Urteil des Sächsischen Finanzgerichts auch dann, wenn man noch in seinem eigenen Haushalt lebt.
Ein Hausnotrufsystem sorgt im Notfall für schnelle Hilfe. Senioren können die Kosten steuerlich absetzen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB
Ein Hausnotrufsystem sorgt im Notfall für schnelle Hilfe. Senioren können die Kosten steuerlich absetzen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB

Berlin/Leipzig (dpa/tmn) - Senioren, die ein Hausnotrufsystem nutzen, um im Ernstfall schnell Hilfe zu bekommen, können die Kosten dafür in ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen. Das gilt jedenfalls dann, wenn sie in einer betreuten Wohnanlage leben.

«Umstritten ist die Rechtslage, wenn Senioren allein im eigenen Haushalt wohnen», erläutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Das Sächsische Finanzgericht allerdings hat jetzt in einem Urteil klargestellt, dass auch in diesen Fällen die Kosten eines Notrufsystems als haushaltsnahe Dienstleistung abgezogen werden dürfen (Az.: 2 K 323/20).

Anlass des Urteils war der Streit einer Rentnerin mit ihrem Finanzamt. Die Klägerin lebte allein in ihrem eigenen Haushalt und nutzte ein Hausnotrufsystem. Dabei hatte sie das Paket «Standard» mit Gerätebereitstellung und 24-Stunden-Service-Zentrale gebucht, um sich im Notfall per Knopfdruck an die Service-Zentrale wenden zu können.

Die Klägerin setzte die Ausgaben dafür in der Einkommensteuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistung an. Weil die Dienstleistung der Notrufzentrale aber nicht im Haushalt der Rentnerin erfolge, strich das Finanzamt den Steuerabzug.

Letztes Wort spricht noch der Bundesfinanzhof

Das Sächsische Finanzgericht gab hingegen der Seniorin recht und erkannte - wie bei haushaltsnahen Dienstleistungen gesetzlich vorgesehen - 20 Prozent der Kosten des Hausnotrufsystems als haushaltsnahe Dienstleistung steuermindernd an. Da üblicherweise Haushaltsangehörige im Bedarfsfall Hilfe holen, ersetze das Notrufsystem bei Alleinlebenden die Überwachung im Haushalt, entschied das Gericht.

Das letzte Wort dazu hat allerdings der Bundesfinanzhof, denn das Finanzamt hat Beschwerde eingelegt (Az.: VI B 94/20). «Betroffene können sich dennoch auf das gut begründete Urteil des Sächsischen Finanzgerichts berufen und Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen, wenn das Finanzamt die Kosten für den Hausnotruf nicht akzeptiert», rät Klocke. Zugleich sollte das Ruhen des Verfahrens beantragt werden. Dann bleibt der eigene Steuerfall bis zur Entscheidung des Bundesfinanzhofs offen.

© dpa-infocom, dpa:210105-99-904590/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer aus gesundheitlichen Gründen umziehen muss, kann die Kosten als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen. Foto: Christin Klose Steuererleichterungen bei Umzug wegen Krankheit Ein Umzug kann ins Geld gehen. Doch es gibt eine gute Nachricht: Unter bestimmten Voraussetzungen mindern die Kosten die Steuerlast. Das gilt zum Beispiel, wenn der Umzug aus gesundheitlichen Gründen erfolgt.
Der Bundesfinanzhof stellt klar: Die Rufbereitschaft in einer Seniorenanlage hat eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung. Die Kosten sind steuerlich zu berücksichtigen. Foto: Britta Pedersen Notrufsystem gilt als haushaltsnahe Dienstleistung Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen können die Steuerlast mindern. Dabei erkennt das Finanzamt nicht nur die Kosten für Putzhilfen oder Babysitter an. Abzugsfähig sind weit mehr Ausgaben.
Die Corona-Krise bringt Baufinanzierungen durcheinander: Wer wegen der Pandemie in Geldnot geraten ist, darf seine Kreditraten für drei Monate aussetzen. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Immobilienfinanzierung in der Corona-Krise neu planen Die Corona-Pandemie bringt die Finanzen vieler Menschen durcheinander. Wer einen Kredit für sein Eigenheim aufgenommen hat, kann Schwierigkeiten bekommen, die Raten zu zahlen. Was also tun?
Immobilienkredite sind meist keine Frage des Alters: Viele Kreditinstitute haben hier keine Obergrenze festgelegt. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Große Spanne bei Kreditzinsen für Ältere Die eigene Immobilie erst kurz vor der Rente - warum nicht? Das Alter ist bei der Kreditvergabe jedenfalls in aller Regel keine Hürde, wie ein Vergleich zeigt. Doch die Preisunterschiede sind groß.