Darf ich in der Mittagpause Alkohol trinken?

28.01.2019
Ist Alkoholkonsum in der Mittagspause erlaubt? Wenn ja, darf es dann auch mal ein Schlückchen mehr sein? Wie verhalte ich mich, wenn der Arbeitger dazu keine klaren Regeln vorgibt? Eine Fachanwältin für Arbeitsrecht gibt Tipps.
Sich ein Bier in der Mittagspause zu gönnen, ist kein Problem: Ein gesetzliches Verbot gibt es nicht - jedenfalls nicht für den durchschnittlichen Schreibtischtäter. Foto: Andrea Warnecke
Sich ein Bier in der Mittagspause zu gönnen, ist kein Problem: Ein gesetzliches Verbot gibt es nicht - jedenfalls nicht für den durchschnittlichen Schreibtischtäter. Foto: Andrea Warnecke

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - In Frankreich gehört es zum guten Ton: das Glas Wein in der Mittagspause. In Süddeutschland gibt es noch den ein oder anderen, dem das Weizen in der Mittagspause heilig ist. Doch darf ich mir als Angestellter eigentlich ein Gläschen in der Mittagspause genehmigen?

«Grundsätzlich überhaupt kein Problem», sagt Barbara Reinhard, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. «Für den durchschnittlichen Schreibtischtäter gibt es kein gesetzliches Verbot, zum Beispiel ein Glas Bier zum Mittagessen zu trinken.»

Etwas anderes gilt bei Maschinenführern oder Fahrern im Kraftverkehr. Wenn im Einzelfall nicht schon spezialgesetzliche Vorgaben den Genuss von Alkohol verbieten, gebe es normalerweise von Unternehmensseite klare Anweisungen und Richtlinien, die den Alkoholkonsum auch in der Mittagspause ausschließen, erklärt Reinhard.

Doch auch in Büros gibt es mittlerweile oft Alkoholverbote. Was gilt dann? «Man muss sich die betrieblichen Regelung genau anschauen», sagt Reinhard. Wenn sich das Verbot im Wesentlichen darauf beschränkt, dass nicht am Arbeitsplatz getrunken werden darf, «dann kann ich in der Mittagspause auch mal ein Glas Bier trinken».

Trotzdem gilt: Nicht den Bierhahn aufdrehen. Wer sichtlich betrunken am Arbeitsplatz erscheint, kann deswegen abgemahnt werden. «Ich muss eine Arbeitsleistung nach bestem Leistungsvermögen bringen, das heißt mit Sinn und Verstand», erklärt Reinhard. «Wenn ich etwa als Bankmitarbeiter im Kundenkontakt stehe und mit einer Alkoholfahne im Dienst bin, ist das ein erhebliches Fehlverhalten.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Der Arbeitgeber kann vorschreiben, zu welchen Zeiten Beschäftigte Pausen machen dürfen. Der Betriebsrat hat aber gegebenenfalls ein Mitspracherecht. Foto: Kai Remmers Darf der Arbeitgeber feste Zeiten für Pausen festlegen? Mittagspause nur zwischen 12.00 und 12.30 Uhr, Schichtpause zwischen 01.00 und 03.00 Uhr nachts. Darf der Arbeitgeber bestimmen, wann Pause gemacht wird? Roland Gross, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Leipzig, gibt Antwort.
Urteil: Ordnungsamtmitarbeitern, die als Gegenleistung für Essensrabatte bestimmte Falschparker nicht notieren, kann gekündigt werden. Schon allein das Annehmen des Essensrabattes kann eine Kündigung rechtfertigen. Foto: Jens Büttner Essensrabatt: Im öffentlichen Dienst droht Kündigung Weil ein Ordnungsamt-Mitarbeiter bei einer Imbissbude regelmäßig Rabatt bekam, kündigte ihm sein Arbeitgeber. Dies war jedoch nicht das einzige Vergehen Angestellten - denn er erbrachte dem Imbissbuden-Betreiber auch eine Gegenleistung.
Die Regelungen zur Teilnahme an einem Geschäftsessen stehen meist im Arbeitsvertrag. Foto: Mascha Brichta Muss ich an Abendveranstaltungen teilnehmen? Der Feierabend naht und man freut sich auf die Familie. Doch dann hat der Chef für die Abendstunden einen spontanen Termin mit einem wichtigen Kunden vereinbart. Ist man als Arbeitnehmer dazu verpflichtet, anwesend zu sein?
Der Tod eines geliebten Menschen ist schmerzhaft. Um bei der Beerdigung dabei sein zu können, sind Arbeitnehmer unter Umständen auf die Kulanz ihres Chefs angewiesen. Foto: Robert Günther Muss mein Arbeitgeber mir für eine Beerdigung freigeben? Beisetzungen finden nur selten außerhalb von normalen Arbeitszeiten statt. Gesetzlich stehen Arbeitnehmern freie Tage aber nur in bestimmten Fällen zu. Dabei kommt es auf das Verhältnis des Mitarbeiters zum Verstorbenen an.