Betriebsrat bekommt Lesezugriff für Bewerbungssoftware

01.09.2020
Gerade mit digitalen Recruitingtools können viele Infos zu Bewerbern ausgetauscht werden. Darf der Betriebsrat dann mitlesen?
Zum Bewerbungsmanagement nutzen Unternehmen zunehmend enstprechende Software. Auch der Betriebsrat muss dann mitlesen können, zeigt ein Urteil. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Zum Bewerbungsmanagement nutzen Unternehmen zunehmend enstprechende Software. Auch der Betriebsrat muss dann mitlesen können, zeigt ein Urteil. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Köln (dpa/tmn) - Finden Bewerbungsverfahren über ein digitales Tool statt, muss auch der Betriebsrat auf die wesentlichen Funktionen der Software zugreifen können. Das zeigt ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln (Az. 9 TaBV 32/19),auf das der Bund-Verlag verweist.

In dem verhandelten Fall wollte ein Unternehmen eine Stelle neu besetzen und nutzte für den Prozess eine Software. Die ermöglichte es unter anderem, zu jeder Bewerbung Kommentare einzugeben. Der Betriebsrat aber hatte keinen Lesezugriff.

Laut Gericht war das nicht rechtens. Der Arbeitgeber müsse den Betriebsrat umfassend unterrichten und sämtliche Details aller Bewerbungen offenlegen. Auch bei der Nutzung eines Bewerbungstools muss der Betriebsrat von den gegebenen Funktionen profitieren können. Entsprechend sei dem Betriebsrat ein Lesezugriff zu gewähren.

© dpa-infocom, dpa:200901-99-389526/2

Beitrag beim Bund-Verlag

§99 BetrVG


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Arbeitnehmer müssen sich auf Wunsch des Arbeitgebers für die Arbeit im Betriebsrat abmelden. Foto: Frank Rumpenhorst Betriebsräte müssen sich für Ratsarbeit auf Wunsch abmelden Ein Firmenchef kann verlangen, dass sich die Mitarbeiter für die Arbeit im Betriebsrat abmelden. Damit ist ausgeschlossen, dass der Arbeitnehmer ohne Vorwarnung seinen Arbeitsplatz verlässt.
Ob ein Mitarbeiter im Betriebsrat tätig war, wird nur dann im Arbeitszeugnis erwähnt, wenn der Arbeitnehmer selbst dies möchte. Foto: Monique Wüstenhagen Hinweis auf Betriebsratstätigkeit kommt nicht ins Zeugnis Darf eine langjähriges Engagement im Betriebsrat ins Arbeitszeugnis geschrieben werden? Mit dieser Frage hat sich das Landesarbeitsgericht Nürnberg beschäftig.
Werden Betriebsräte für ihre Tätigkeit freigestellt, dürfen sie dadurch keine Nachteile beim Arbeitsentgelt haben. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/dpa-tmn Freigestellte Betriebsräte haben Anspruch auf Schichtzulagen Betriebsräte werden für ihre Tätigkeit oft teilweise oder auch voll von ihrem Job freigestellt. Nachteile beim Arbeitsentgelt dürfen sie dadurch nicht haben.
Ab einer bestimmten Größe muss eine Firma Betriebsräte freistellen. Bei der Mitarbeiterzahl kommt es auch auf die Leiharbeiter an. Foto: Frank Rumpenhorst Freizustellende Betriebsräte: Leiharbeiter zählen mit Erreicht eine Firma eine bestimmte Größe, können Betriebsräte von ihrer beruflichen Tätigkeit freigestellt werden. Doch wann ist diese Größe erreicht? Und zählen auch Leiharbeiter mit? Darüber entschied zuletzt ein Gericht.