Was bewirkt eigentlich Adblue?

08.09.2020
Dieselfahrer tanken nur Diesel? Klar, aber manche brauchen noch etwas anderes. Wer einen Selbstzünder mit sogenanntem SCR-Kat fährt, musst von Zeit zu Zeit auch noch Adblue nachtanken. Was ist das?
AdBlue ist eine Mischung aus Wasser und synthetischem Harnstoff, die bei Dieselfahrzeugen mit SCR-Kat in den Abgasstrang eingespritzt wird. Dies dient dazu, Stickoxide in Wasserdampf und Stickstoff umzuwandeln. Foto: Marijan Murat/dpa
AdBlue ist eine Mischung aus Wasser und synthetischem Harnstoff, die bei Dieselfahrzeugen mit SCR-Kat in den Abgasstrang eingespritzt wird. Dies dient dazu, Stickoxide in Wasserdampf und Stickstoff umzuwandeln. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart (dpa/tmn) - Um die Stickoxid-Messwerte (NOx) zu senken, hat sich mittlerweile auch bei Diesel-Pkw ein Verfahren bewährt, das es im Nutzfahrzeugbereich schon seit Jahren gibt: die selektive katalytische Reduktion (SCR).

Die heißt so, weil bei diesem Verfahren mit Hilfe eines Katalysators gezielt nur die Stickoxide in den Abgasen eines Fahrzeugs reduziert werden, erläutert Dekra.

Dazu braucht man einen Zusatzstoff mit dem Markennamen AdBlue. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Bezeichnung?

Chemische Reaktion für saubereres Abgas

AdBlue ist eine Mischung aus 67,5 Prozent Wasser und 32,5 Prozent synthetischem Harnstoff, die von einem separaten Tank aus kontinuierlich in den Abgasstrang eingespritzt und vom Hydrolysekatalysator chemisch zersetzt wird, erläutert Dekra-Experte Erik Pellmann. Im Abgasstrang reagiert die Flüssigkeit dann innerhalb von Sekundenbruchteilen mit den Stickoxiden der motorischen Verbrennung und wandelt diese Emissionen in harmlosen Wasserdampf und Stickstoff um.

Der Zusatzstoff darf nicht in den Dieseltank gelangen

«AdBlue ist kein Kraftstoffzusatz und darf sich keinesfalls mit dem Diesel vermengen», warnt Pellmann. Hierfür gibt es einen separaten Tank mit eigenem Einfüllstutzen in der Reserveradmulde, neben dem Dieselstutzen oder im Motorraum. Die Tankgröße variiert je nach Automodell etwa zwischen 10 und fast 40 Litern.

Der Verbrauch liegt bei etwa drei bis fünf Prozent des Kraftstoffverbrauchs. Je nach Abstimmung des Abgassystems, des Hubraums und des Fahrstils ist ein Nachfüllen etwa alle 5000 bis 15.000 Kilometer erforderlich. Mitunter reicht der Tankinhalt aber auch deutlich länger.

Ein Warnhinweis informiert in verschiedenen Intervallen über den zur Neige gehenden Vorrat. Stellt der Sensor einen leeren Tank fest, kann der Motor - allerdings auch erst nach mehreren Vorwarnungen - nicht mehr gestartet werden. Dafür sorgt die Software der Motorsteuerung. Zum Nachfüllen ist kein Werkstattbesuch erforderlich, mit Hilfe eines speziellen Einfüllschlauchs kann man das auch selbst machen.

© dpa-infocom, dpa:200907-99-465364/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auch bei Biokraftstoffen gibt es noch Optimierungspotenzial. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa So sollen Kraftstoffe klimaneutral werden Alle reden über die E-Mobilität. Doch so wichtig ihr Durchbruch für eine bessere CO2-Bilanz ist: Herkömmlicher Sprit hat noch große Öko-Reserven. Forscher entwickeln klimaschonendere Lösungen für Autos, Schiffe, Flugzeuge.
Durch Abgasskandale bekam der Diesel ein Schmutzfink-Image. Synthetischer Öko-Sprit könnte der Antriebstechnik zu einem «neuen Frühling» verhelfen. Foto: Markus Scholz «Neuer Frühling» für den Schmutzfink? Zoff um den Diesel Ginge es nach Umweltschützern, wäre er wohl ein Kandidat für das «Unwort des Jahres». Doch ganz so einfach ist es mit dem Motor, den Rudolf Diesel vor 125 Jahren erfand, nicht. Die Antriebsart ist arg in der Defensive, aber auch fest im Verkehrssystem verankert. Noch.
Lebenselixier für Autos: Die Anforderungen an die Kraftstoffe sind genormt. Foto: Andrea Warnecke Zaubertrank oder wertlos: Was leisten Premium-Kraftstoffe? Durch Additive in teureren Premiumkraftstoffen versprechen die Hersteller mehr Leistung, weniger Verbrauch oder ein längeres Motorleben. Doch was bringen solche Kraftstoffe wirklich?
Autofahrer sollten nur Super E10 tanken, wenn ihr Fahrzeug dafür freigegeben wurde. Andernfalls riskieren sie Schäden an der Kraftstoffpumpe oder Einspritzanlage. Foto: picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa Wer darf eigentlich E10 Benzin tanken? Schon seit Jahren gibt es an den Tankstellen eigene Zapfsäulen mit E10-Benzin. Was war das gleich nochmal? Und kann jedes Auto E10-Sprit problemlos tanken?