Trägt Radlerin ohne Helm Mitschuld am Unfall?

23.10.2020
Der Stadtverkehr ist wuselig - und vor allem für Radfahrer gefährlich. Kommt es zum Unfall mit einem Auto, drohen schwere Verletzungen. Haften Radler mit, wenn sie ohne Helm fahren?
Ein Unfall im Straßenverkehr kann für Radfahrer sehr gefährlich werden. Ein Helm ist daher sinnvoll - eine Helmpflicht für Radler gibt es aber nicht. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/ZB
Ein Unfall im Straßenverkehr kann für Radfahrer sehr gefährlich werden. Ein Helm ist daher sinnvoll - eine Helmpflicht für Radler gibt es aber nicht. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/ZB

Nürnberg (dpa/tmn) - Wer ohne Helm radelt, muss nach einem unverschuldeten Unfall mit einem Auto nicht für erlittene Kopfverletzungen mithaften. Das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg (Az.: 13 U 1187/20),über das der ADAC berichtet.

In der Stadt wollte ein Autofahrer rechts abbiegen und übersah dabei eine Radlerin. Durch den Zusammenstoß stürzte die Frau und zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Sie trug keinen Fahrradhelm. Von der Versicherung des Autofahrers forderte sie Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das wollte diese aber nur anteilig bewilligen.

Die Versicherung war der Meinung, dass die Verletzungen wesentlich glimpflicher ausgefallen wären, wenn ein Helm getragen worden wäre. Das Gericht sah aber die Schuld am Unfall ganz eindeutig beim Autofahrer, die Versicherung musste komplett zahlen. Es setzt demnach erhebliche Fahrlässigkeit voraus, wenn am helllichten Tag an einer Kreuzung eine Radlerin übersehen wird, die geradeaus fährt.

Da es in Deutschland keine Helmpflicht für Radfahrer gibt, ergibt sich aus dem Nichttragen eines Helms auch kein Mitverschulden. Das könnte sich nur aus einem bestehenden allgemeinen Verkehrsbewusstsein in Bezug auf das Helmtragen ergeben. Das ist laut Gericht aber nicht der Fall, weil sehr viele Radler ohne einen Kopfschutz fahren.

© dpa-infocom, dpa:201022-99-38081/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Räder unter Strom: Pedelecs sind Fahrräder, die bis 25 km/h beim Treten elektrisch unterstützen - sie machen den Löwenanteil der verkauften Elektroräder aus. Foto: Gregor Bresser Was Pedelecs von E-Bikes und S-Pedelecs unterscheidet Elektromobilität ist nicht nur bei Autos auf dem Vormarsch - auch Radfahrer können von elektrischer Unterstützung beim Treten profitieren. Kunden sollten jedoch die Unterschiede bei den Modellen kennen.
Roter «Teppich» für Radler: Doch ein eigener Weg ist kein Freibrief. Fahrradfahrer müssen sich im Straßenverkehr an viele Regeln halten. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn/dpa Populäre Irrtümer rund ums Radfahren Betrunken radeln, die Freundin auf dem Gepäckträger mitnehmen und über Kopfhörer Musik hören - ist das erlaubt? Sind viele Gänge besser als wenige, und ein weicher Sattel ist bequem? Ein Überblick dazu, was richtig ist und was nur ein populärer Irrtum.
In einigen Städten sind Elektro-Tretroller in den Verkehr integriert. Foto: Steffen Trumpf Tretroller mit E-Antrieb erobern Europa Sind Tretroller mit E-Antrieb eine Chance auf sauberere Luft und weniger Staus in deutschen Städten? Während sie in Skandinavien längst zum Straßenbild gehören, müssen hier erst noch die nötigen Regeln dafür in Kraft treten. Bamberg könnte den Anfang machen.
Nach Angaben des Verkehrssicherheitsrats wurden zuletzt allein in Nordrhein-Westfalen 150 schwere Unfälle mit E-Scootern gezählt. Foto: Michael Ehresmann/Wiesbaden112/dpa Der Streit um die E-Scooter geht weiter Rücksichtslose Fahrer, missachtete Verkehrsregeln, achtlos abgestellte Fahrzeuge, viele Unfälle, schwere Verletzungen, kaum Nutzen für den Mobilitäts-Mix: Experten sehen E-Scooter zunehmend kritisch.