Bahn will weiterfahren: Kulanzregeln für Ticket-Umtausch

13.03.2020
Millionen Pendler, Urlauber und Geschäftsleute nutzen täglich Züge. Geht das auch in Zeiten des Coronavirus? Das Angebot soll bleiben, auch wenn die Bundesregierung zum Verzicht auf Reisen rät.
Andreas Scheuer (CSU),Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, spricht neben Richard Lutz, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn, zum Umgang der Bahn mit der Coronavirus-Krise. Foto: Michael Kappeler/dpa
Andreas Scheuer (CSU),Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, spricht neben Richard Lutz, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn, zum Umgang der Bahn mit der Coronavirus-Krise. Foto: Michael Kappeler/dpa

Berlin (dpa) - Der Nah- und Fernverkehr der Bahn in ganz Deutschland soll trotz anderer Beeinträchtigungen wegen der Coronaviruskrise vorerst weiterlaufen.

«Wir schränken von unserer Seite aus den Betrieb nicht ein», sagte Bahnchef Richard Lutz am Freitag in Berlin. Für Kunden, die eine Reise lieber nicht antreten wollen, greifen ab kommender Woche neue Kulanzregeln zum Ticket-Umtausch. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) rief die Fahrgäste dazu auf, private Reisen zu überdenken und Stoßzeiten mit sehr vollen Zügen möglichst zu meiden.

Lutz sagte, allen Eisenbahnern sei es wichtig, auch in schwierigen Zeiten den Betrieb aufrechtzuerhalten - «so lange wie möglich und so gut wie möglich». Dies sei Teil der Daseinsvorsorge für die Mobilität der Menschen und die Versorgung der Wirtschaft. Nach Zuwächsen im Fernverkehr noch im Januar gebe es nun «deutlich weniger Fahrgäste». Zum Schutz für Reisende und Mitarbeiter sei die Reinigungsfrequenz der Züge deutlich erhöht worden. «Wir stellen penibel sicher, dass wir genügend Seife und Desinfektionsmittel» haben, sagte Lutz mit Blick auf Züge und Bahnhöfe. Für mögliche Verdachtsfälle auf das neue Coronavirus würden auch Atemschutzmasken vorgehalten.

Scheuer sagte, die Bürger sollten private Bahnreisen «auf das wirklich absolut Notwendige beschränken». Er appellierte zudem daran, möglichst nur in Zeiten zu fahren, in denen es keine Überlappung mit Geschäftsreisenden gebe, um die Hauptverkehrszeiten zu entzerren.

Die Bahn will ab Anfang kommender Woche eine neue Kulanzregelung für Kunden in Kraft setzen, die gebuchte Reisen nicht antreten wollen. Es sei wichtig, damit ein Zeichen zur Beruhigung zu senden, sagte Lutz. Demnach können Tickets in Reisegutscheine im selben Wert umgewandelt werden. Dies gilt für Super-Sparpreise und Sparpreise für Reisen bis einschließlich 30. April. Kunden mit einem Flexpreis-Ticket können unabhängig davon ihre Fahrkarte kostenlos stornieren. Wer wegen des Coronavirus eine Reise innerhalb Deutschlands verschieben will, kann sein gebuchtes Ticket bis 30. Juni flexibel nutzen. Bei Sparpreisen werde dafür die Zugbindung aufgehoben, erläuterte die Bahn.

Im grenzüberschreitenden Verkehr etwa nach Österreich oder Italien, könne es wegen dortiger Vorgaben zu Einschränkungen kommen, machte Lutz deutlich. Im Güterverkehr, der überwiegend auf Bestellungen von Kunden laufe, gingen die Mengen zurück. Güterzüge sollen aber auch bei weniger Auslastung oder mit weniger Wagen fahren, um die Versorgung der Wirtschaft nicht zu verknappen. Im Personenverkehr zählt die Bahn täglich rund sieben Millionen Fahrgäste in mehr als 24.000 Zügen.

Mitteilung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Autos fahren an einer Luftmessstation in Wiesbaden vorbei. Foto: Silas Stein Dicke Luft - ist der Diesel wirklich Schuld? In der Debatte um Fahrverbote geht es immer nur um Dieselautos. Doch sind sie wirklich die Wurzel allen Übels? Kritiker äußern Zweifel - was sagen die Fakten?
Aktuell steigen Kunden besser immer hinten rechts ins Taxi ein. Foto: Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn So fahren Sie sicherer beim Carsharing und im Taxi Wer in Corona-Zeiten auf den öffentlichen Nahverkehr verzichten will und kein eigenes Auto hat, greift vielleicht zu Carsharing oder ruft sich ein Taxi. Was ist da jetzt zu beachten?
Neue psychoaktive Substanzen werden als legale Rauschmittel verkauft. Doch sie gefährden die Gesundheit und können im Straßenverkehr zu tödlichen Unfällen führen. Foto: Christoph Schmidt Experten warnen vor Legal Highs im Straßenverkehr Alkohol und Drogen werden insbesondere am Steuer zur tödlichen Gefahr. Das gilt auch für sogenannte neue psychoaktive Substanzen: Sie werden etwa im Internet als legale Rauschmittel verkauft, sind aber alles andere als harmlos.
An der Frage scheiden sich die Geister: Sollten Senioren das Auto ab einem gewissen Alter ganz stehen lassen? Foto: Felix Kästle/dpa Autofahren im Alter: Was spricht dagegen - was dafür? Einen Unfall kann jeder verursachen - aber gerade Ältere tragen häufig die Hauptschuld, wenn sie an einem Unfall beteiligt sind. Ist Autofahren ab einem gewissen Alter überhaupt noch vertretbar?