«Soziale Roboter» könnten Einsamkeit lindern

10.11.2020
Können «soziale Roboter» dazu beitragen, das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft und Lebensqualität zu erfüllen? Im Prinzip ja, sagen Forscher. Sie nennen vier Typen, die besonders geeignet wären.
Laut Forschern können «soziale Roboter» dazu beitragen, Einsamkeit und Isolation zu überwinden. Foto: Carsten Rehder/dpa
Laut Forschern können «soziale Roboter» dazu beitragen, Einsamkeit und Isolation zu überwinden. Foto: Carsten Rehder/dpa

Stuttgart (dpa) - Mit menschlicher Wärme können Roboter nicht dienen - aber aus Sicht der Universität Hohenheim können Androiden dazu beitragen, Einsamkeit und Isolation zu überwinden.

Gemeinsam mit Forschern aus den Niederlanden, aus Schweden und aus der Türkei hat die Forscherin Marah Blaurock von der Universität Hohenheim einen Katalog mit vier Konzepten sozialer Roboter untersucht, die psychisch labile Menschen in einsamen Stunden unterstützen könnten. In einer Mitteilung der Universität vom Montag werden die Kategorien Unterhalter, sozialer Wegbereiter, Mentor und Freund genannt.

Lebensqualität und Wohlbefinden verbessern

Die Forscher wollten eigenen Angaben zufolge herausfinden, ob und wie robotergestützte Helfer dazu beitragen können, menschliche Lebensqualität und Wohlbefinden zu verbessern. Gerade in der aktuellen Corona-Pandemie müsse man davon ausgehen, dass viele Menschen unter Vereinsamung leiden. «Der Einsatz von sozialen Robotern kann diese negativen Folgen möglicherweise verhindern oder zumindest minimieren», heißt es von der Uni Hohenheim.

Während der «Unterhalter-Roboter» der Zerstreuung diene und während Isolationsperioden vor allem ältere Erwachsenen und Kindern unterstütze, sei der «soziale Wegbegleiter» geeignet, über einen Bildschirm soziale Kontakte zu Freunden und Familie aufzubauen. Ein sogenannter Mentor-Roboter könne indes Aufgaben übernehmen, die der körperlichen Fitness dienen. Mit seiner Hilfe blieben ältere Menschen länger mobil und unabhängig. «Das gesamte Spektrum des Wohlbefindens wird jedoch wahrscheinlich nur von dem komplexesten Roboter-Typ, dem Freund, abgedeckt», schreiben die Wissenschaftler.

Soziale Isolation abmildern

Dieser vierte Typus könnte dem Menschen mit Fürsorge und emotionalem Trost dienen und dessen empfundene soziale Isolation abmildern. Während die beiden Typen «Unterhalter» und «sozialer Wegbereiter» im Prinzip schon marktfähig sind und von Unternehmen angeboten werden, muss der Mensch noch auf den «Mentor» und den «Freund» warten, wie Blaurock sagte. Diese beiden Typen müssten über eine starke psychische Intelligenz verfügen, die sich noch nicht problemlos in die Praxis umsetzen lasse. «Langfristig gesehen wird es aber auch diese Typen geben», fügte die Forscherin hinzu.

Gleichwohl gebe es aber auch Befürchtungen, «dass soziale Roboter die Pflegekräfte ersetzen könnten und sich dadurch die Einsamkeit noch verstärken würde», geben die Wissenschaftler zu bedenken.

© dpa-infocom, dpa:201109-99-271970/5

Universität Hohenheim


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Immer weniger Deutsche haben einen erholsamen Schlafen, meinen Experten. Vielen mache die Anspannung im Alltag zu Schaffen. Foto: Friso Gentsch Die gähnende Bevölkerung - Schlafmangel wird zum Problem 7 Stunden und 15 Minuten verbringen die Deutschen am Tag durchschnittlich mit Schlafen. Doch tief und erholsam schlummern immer weniger, vermuten Experten. Der Druck der 24-Stunden-Gesellschaft ist unter anderem Schuld.
Klaus Heinzmann nahm an der Langzeitstudie «Gesundheit zum Mitmachen» teil. Dabei entwickelte er ein Bewusstsein für die tägliche Bewegung. Foto: Sina Schuldt/dpa 25 Jahre Feldversuch: Bewegung hält jung Vor 25 Jahren fing alles an: Forscher der Karlsruher Universität begannen mit einer einmaligen Langzeitstudie zu Gesundheit und Bewegung. Viermal werteten sie die Ergebnisse über die Jahre aus. Jetzt kommt der fünfte Aufschlag - und manch neue Erkenntnis.
Psychiater Manfred Spitzer ist sich sicher: Einsame Menschen erkranken häufiger als an andere an Krebs, Depressionen oder Demenz. Foto: Julian Stratenschulte Manfred Spitzer über die Krankheit Einsamkeit Aus Sicht des Ulmer Psychiaters Manfred Spitzer ist Einsamkeit ein Megatrend, der nicht unterschätzt werden darf. In seinem neuen Buch will der Hirnforscher belegen: Einsamkeit ist eine Krankheit - noch dazu ansteckend und sogar tödlich.
Wegen der Corona-Pandemie könnten mehr Menschen einen Waschzwang entwickeln. Beim 20-jährigen Jonas, der schon länger unter der Krankheit leidet, erschwert die neue Situation eine Therapie. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa Corona-Krise könnte bei mehr Menschen Waschzwang auslösen Ausgiebiges Händewaschen, Abstand wahren: Was vor der Corona-Krise teils als zwanghaft angesehen wurde, ist nun Status quo. Experten befürchten eine Zunahme an Zwangserkrankten. Einer von ihnen ist der 20-jährige Jonas.