EU-Verbot für Mentholzigaretten tritt in Kraft

19.05.2020
Nikotinmenge, Filter, Zusatzstoffe - bei Tabakzigaretten gibt es viele Unterschiede. Eine Variante wird nun wegfallen: die Zigarette mit Mentholgeschmack.
Vom 20. Mai an sind EU weit alle Zigaretten mit charakteristischen Aromen verboten. Sie könnten zu einem erhöhten Tabakkonsum verleiten. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Vom 20. Mai an sind EU weit alle Zigaretten mit charakteristischen Aromen verboten. Sie könnten zu einem erhöhten Tabakkonsum verleiten. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Brüssel (dpa) - Die Mentholzigarette steht in der EU kurz vor ihrem endgültigen Aus. Von kommenden Mittwoch (20. Mai) an sind in den EU-Staaten ausnahmslos alle Zigaretten mit charakteristischen Aromen verboten, weil sie den Tabakgeschmack überdecken und so zur Förderung des Tabakkonsums beitragen.

Dann endet eine vierjährige Übergangsphase für Produkte mit einem höheren Marktanteil als drei Prozent. Die Regelung ist Teil der EU-Tabakrichtlinie, die 2014 nach mühsamen Verhandlungen verabschiedet wurden und 2016 in Kraft traten.

Seitdem müssen auch zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigarettenschachteln und Drehtabakverpackungen für Schockbilder und aufklärende Warnhinweise reserviert sein. Die Regeln sollten die Raucherquote von Jugendlichen senken und «Fälle der vorzeitigen Sterblichkeit» reduzieren. Derzeit führt die EU-Kommission eine Studie zur Anwendung der Tabakrichtlinie aus.

Kurz vor Inkrafttreten bestätigte der Europäische Gerichtshof die verschärften Regeln. Die Luxemburger Richter lehnten Anfang Mai 2016 Klagen von Polen und mehrerer Tabakunternehmen ab. Mit Blick auf die Aromen wiesen sie darauf hin, dass Produkte wie Mentholzigaretten mit «angenehmem Aroma» das Rauchen gerade für Einsteiger attraktiver machen sollten. Die EU-Gesetzgeber seien daher befugt gewesen, zur Eindämmung des Tabakkonsums diese Produkte zu verbieten.

Was ist so schlimm an Menthol-Zigaretten? «Das größte Problem an
dem Menthol ist, dass es eine kühlende und schmerzlindernde, leicht
betäubende Wirkung hat», sagt Katrin Schaller von der Stabsstelle
Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in
Heidelberg. Dies führe dazu, dass der normalerweise kratzige Rauch
leichter zu inhalieren sei. Das mache Mentholzigaretten vor allem für
Rauch-Neulinge attraktiv.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben
weltweit jährlich acht Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen von
Zigarettenkonsum. Aus gesundheitspolitischer Sicht sei das EU-Verbot
also zu begrüßen, sagt Schaller.

Überblick über Tabak-Regulierung in der EU


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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