Bundesamt warnt vor Wurstwaren der Firma Wilke

04.10.2019
Behörden raten dringend davon ab, Wurstwaren des Herstellers Wilke zu verzehren. Sie könnten mit lebensgefährlichen Bakterien belastet sein. Ein Identitätskennzeichen gibt Aufschluss darüber, welche Produkte betroffen sind.
Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren musste der Hersteller die Produktion stoppen. foodwatch kritisiert das Krisenmanagement von Behörden und Firma. Foto: Uwe Zucchi/dpa
Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren musste der Hersteller die Produktion stoppen. foodwatch kritisiert das Krisenmanagement von Behörden und Firma. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Berlin (dpa) - Nach zwei Todesfällen in Südhessen hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auch für Niedersachsen und Bremen vor Wurstwaren der Firma Wilke gewarnt.

Grund für die Warnung sei, dass es einen «möglichen Zusammenhang von Produkten der Firma Wilke mit einem lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch» gibt, teilte das Bundesamt über das Portal www.lebensmittelwarnung.de mit. Die betroffene Produktion der Firma hat das Identitätskennzeichen «DE EV 203 EG». Die Wurstwaren seien auch in loser Form via Wursttheken verkauft worden, hieß es. Die Warnung wurde für 15 Bundesländer ausgesprochen, nur für Mecklenburg-Vorpommern besteht demnach derzeit keine Warnung.

Nachweis von Listerien

Betroffen seien alle Produkte des in Twistetal-Berndorf im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg ansässigen Fleisch- und Wurstherstellers Wilke. In mehreren Fällen seien in Wurstprodukten Listerien nachgewiesen worden. Listerien sind Bakterien, die zu Durchfall und Fieber führen können. Für Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem können sie lebensgefährlich sein.

Zwei Todesfälle in Südhessen stünden nach Angaben eines Sprechers des Landkreises Waldeck-Frankenberg laut Gutachten mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,6 Prozent im Zusammenhang mit Wilke-Produkten. Es gebe zudem 37 weitere Krankheitsfälle, die möglicherweise mit den Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Die Behörden haben inzwischen die Produktion des Wurstherstellers in Nordhessen vorläufig geschlossen.

Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft den Behörden und dem nordhessischen Wurstproduzenten «schwere Versäumnisse» vor. Es sei inakzeptabel, dass noch immer keinerlei Angaben zu den Verkaufsstellen der zurückgerufenen Produkte gemacht worden seien, erklärte die Organisation. Auch gebe es bislang keine Liste der betroffenen Produkte. In Waren der nordhessischen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH waren wiederholt Listerien-Keime nachgewiesen worden.

Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Kassel wegen
fahrlässiger Tötung. Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte eine
Sprecherin. Dieser richte sich aber noch nicht gegen eine konkrete
Person.

Herkunft der Produkte schwer nachvollziehbar

«Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Herkunft der Produkte nicht sicher nachvollziehen», kritisierte foodwatch. So habe Wilke offenbar auch für Handelsmarken produziert. Daher reiche es nicht, ausschließlich Wilke als Hersteller der zurückgerufenen Produkte sowie das Identitätskennzeichen der Waren zu benennen.

Behörden hatten zuvor erklärt, eine solche Rückruf-Liste sei nicht nötig, da alle Produkte von Wilke als solche deklariert seien. Waren unter anderen Markennamen seien nicht bekannt. Das Unternehmen selbst hatte in einer Mitteilung vom Mittwoch (2. Oktober) alle Waren mit der Kennzeichnung «DE EV 203 EG» zurückgerufen. Es erklärte aber auch, dass Produkte in loser Form an Fleischtheken und Küchen in Krankenhäusern und Kantinen geliefert wurden. Laut Behörden wurden Wilke-Produkte über alle Bundesländer verteilt und auch weltweit ausgeliefert.

In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben. Man sei «aufgrund der Daten des Robert Koch-Instituts zu dem Schluss gekommen, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Verzehr von Wurstprodukten besteht», sagte Hartmut Wecker, Sprecher des Kreises Waldeck-Frankenberg. Der Kreis hatte den Betrieb am Dienstag geschlossen. Laut Wecker habe man schnell reagiert: «Da ist nicht lange abgewartet worden.»

Neue Hinweise auf die Keimquelle

Die Behörden erhofften sich am Freitag neue Hinweise auf die Keimquelle. Man warte auf den Bericht der Arbeitsgruppe, die den betroffenen Betrieb untersucht habe, sagte Wecker. In Wilke-Produkten waren mehrfach Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Personen mit schwachem Immunsystem lebensgefährlich sein. Es gibt 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Diese Zahl habe sich auch nach einem Aufruf der Verbraucherorganisation foodwatch an mögliche weitere Betroffene nicht erhöht, hieß es vom Kreis.

Das Unternehmen Wilke Wurstwaren geht nach eigenen Angaben auf eine Dorfmetzgerei vor mehr als 80 Jahren zurück. Die Firma beschäftigt nach Zahlen auf seiner Homepage rund 200 Mitarbeiter und exportiert Waren weltweit.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auch Ikea erhielt Ware des Wurstherstellers Wilke. Der Möbelkonzern hat den Verkauf aller Produkte des Herstellers nun gestoppt. Foto: Stephanie Pilick/dpa Ikea stoppt Verkauf von Wilke-Wurst Noch immer ist unklar, welche Betriebe genau mit Wurst des nordhessischen Herstellers beliefert wurden. Behörden veröffentlichen bisher keine Listen dazu. Doch es werden weitere Namen bekannt.
Nur jedes zehnte kontrollierte Krankenhaus oder Heim habe bei der Essensversorgung bewusst auf Risiko-Lebensmittel verzichtet, heißt es im Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Foto: Hans-Jürgen Wiedl Unnötige Risiken beim Essen in Kliniken und Heimen Mettwurst im Heim, Räucherfisch in der Klinik? Was Bewohnern und Patienten gut schmecken mag, treibt Lebensmittelkontrolleuren wegen erhöhter Keimgefahr Sorgenfalten auf die Stirn. Sie finden, dass Kliniken und Heime solche Lebensmittel-Risiken vermeiden sollten.
Der Fipronil-Skandal verdarb vielen Verbrauchern den Appetit auf ein Frühstücksei. Foto: Martin Gerten/dpa Viel Lärm ums Ei: Vom Umgang mit Lebensmittel-Skandalen Schon bei Thomas Mann hatte das Frühstücksei hohen Symbolgehalt. Kein Wunder, dass der Fipronil-Skandal tief an der deutschen Seele rührt. Und dann gibt es ein Viertel der Gesellschaft, dem das Ei genauso wurst ist wie jeder andere Lebensmittelskandal. Wie passt das zusammen?
Von heute an überschreiten 3- bis 18-Jährige die empfohlene Jahresmenge an Zucker. Denn sie sollten höchstens zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr durch freie Zucker aufnehmen. Nach Daten von 2016 waren es aber 16,3 Prozent. Foto: Jens Kalaene Foodwatch erklärt den Montag zum «Kinder-Überzuckerungstag» Im Kampf für eine gesündere Ernährung haben Experten auch zu viel Zucker aus Süßspeisen und Getränken ins Visier genommen. Verbraucherschützer warnen: Kinder haben die empfohlene Jahresmenge bereits heute verzehrt.