Pariser Fashion Week: Ein Spektakel der Extravaganzen

26.09.2018
Models, die übers Wasser laufen. Eine singende Jane Birkin. Der Eiffelturm als Kulisee. Und Stars ohne Ende. Paris fährt zu Beginn der Modewoche ganz groß auf.
Kreation mit Papagei: Gucci auf der Pariser Fashion Week. Foto: Fashionpps/ZUMA
Kreation mit Papagei: Gucci auf der Pariser Fashion Week. Foto: Fashionpps/ZUMA

Paris (dpa) - Es ist, als ob die Pariser Fashion Week allen zeigen will, wer hier der Boss ist, wer die spektakulärsten Shows hat, die ausgefallenste Mode, die meisten Stars. Diesmal ist sogar Gucci präsent, eines der angesagtesten Labels überhaupt.

Die italienische Modemarke ist normalerweise fester Bestandteil der Mailänder Fashion Week, doch Chefdesigner Alessandro Michele wurde seiner Heimat ausnahmsweise untreu und läutete am Montagabend die Pariser Modewoche ein, die noch bis zum kommenden Dienstag die Kollektionen für den Frühjahr/Sommer 2019 zeigt.

Vor dem berühmten Pariser Nachtclub Le Palace, wo die Show stattfindet, müssen Polizisten die schreienden Fans in Schach halten, die sich einen Blick auf die illustre Gästeliste erhoffen: Jared Leto, Faye Dunaway und der südkoreanische Popsänger Kai hatten sich angekündigt.

Zu seinem typischen, etwas schrägen 70er-Jahre-Design mischt Michele diesmal reichlich Disco-Elemente und liegt damit nicht selten am Rande des schlechten Geschmacks. Doch genau das macht seinen Stil so erfolgreich. Kleider aus Lurex, metallische Anzüge, Fransen, Federn, glitzernder Strass-Schmuck und Micky-Maus-Handtaschen schießen mutwillig übers Ziel hinaus.

Männer in Lederunterhosen und Badeanzügen, Frauen in samtenen Jogginganzügen und Cowboyhüten setzen sich außerdem mutig über Genderfragen hinweg. Das Spektakel der Extravaganzen wird zwischendurch nur kurz durch eine überraschende Gesangseinlage von Jane Birkin unterbrochen, die sich in der Mitte des Saales erhebt und mit zerbrechlicher Stimme «Baby Alone In Babylone» singt.

Dior-Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri hat sich diesmal vom Tanz als «befreienden Akt» inspirieren lassen und mit der israelischen Choreographin Sharon Eyal zusammengearbeitet. Auf der Bühne, die extra für die Show auf dem Hippodrome de Longchamp errichtet wurde, bewegen sich die Tänzer unter einem Blütenregen ekstatisch um die Models herum. Hautenge Bodys, feine Tüllröcke und Plisseestoffe präsentiert Chiuri in den verschiedensten Hautfarben. Die groben Cargohosen und Batikmotive geben der sonst überaus zarten Kollektion eine gewisse kantige Note.

Und auch der darauffolgende Tag, an dem traditionell eher aufstrebende Jungdesigner wie Marine Serre oder Koché ihre Werke zeigen, nimmt mit der Show von Saint Laurent einen fulminanten Abschluss. Die französische Luxusmarke hat wieder einmal den Platz unter dem Trocadero in Beschlag genommen und in einen Spiegelsee verwandelt, an dem entlang zehn künstliche weiße Palmen stehen.

Kate Moss, Matt Dillon, Nicole Richie und Lindsay Lohan quetschen sich in die überfüllte erste Reihe, als um Punkt acht der Eiffelturm gegenüber zu glitzern beginnt. Die Farbe Schwarz, wie immer allgegenwärtig in den Kollektionen von Saint Laurent, wird diesmal durch ein paar Farbtupfer ergänzt. Zu sehen bei der tiefroten Jacke, die von der neuen Botschafterin des Hauses, Kaia Gerber, getragen wird, die vor den Augen ihrer stolzen Mutter Cindy Crawford spritzend durchs seichte Wasser läuft.

Doch damit ist der Höhepunkt der Fashion Week längst nicht erreicht. Die Modewelt wartet nun gespannt auf den Freitagabend, an dem Stardesigner Hedi Slimane seine erste Kollektion für Celine zeigen wird.

Website der Schauen mit dem Kalender


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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