Chanel präsentiert Mode auf den Dächern von Paris

01.10.2019
Graue Dächer aus Zink so weit das Auge reicht: Chanel präsentiert seine Show bei der Fashion Week an einem ungewöhnlichen Ort. Es ist eine Präsentation ganz ohne Karl Lagerfeld. Doch auch rund sieben Monate nach seinem Tod ist der Modeschöpfer noch in aller Munde.
Models tragen Kreationen von Chanel die im Rahmen der Ready To Wear Frühjahr-Sommer 2020 Kollektion bei der Fashion Week in Paris vorgestellt wird. Foto: Francois Mori/AP/dpa
Models tragen Kreationen von Chanel die im Rahmen der Ready To Wear Frühjahr-Sommer 2020 Kollektion bei der Fashion Week in Paris vorgestellt wird. Foto: Francois Mori/AP/dpa

Paris (dpa) - Am letzten Tag der Fashion Week in Paris lässt Chanel seine Models über die Dächer von Frankreichs Hauptstadt laufen. Die Zuschauer der Show erwartete jetzt ein überraschend nüchternes Bild.

Unter der Kuppel des Grand Palais schauten sie auf die für Paris typischen grauen Dächer aus Zink. Es fehlte das Spektakuläre. Es war als wollte sich Chanel nach dem Tod von Karl Lagerfeld am 19. Februar besinnen und auf seine Ursprünge berufen. Denn die liegen ohne Zweifel in Paris.

Klassische Pariserin

Über die Dächer spazierte eine klassische Pariserin wie sie im Buche steht: Sie trägt kleine schwarze Hüte, maritime Streifen und knöchelfreie Hosen. Lagerfelds Nachfolgerin Virginie Viard verjüngte den Chanel-Look, indem sie die typischen Tweed-Kostüme in knappe Kombishorts verwandelte und insgesamt auf kurze Rocklängen setzte.

Auch rund sieben Monate nach seinem Tod, ist der Schatten von Lagerfeld allgegenwärtig. Neben der Fotoausstellung «Lagerfeld. The Chanel Shows» gab es eine erneute Ehrenveranstaltung des am 19. Februar verstorbenen Modeschöpfers. «A Tribute To Karl Lagerfeld: The White Shirt Project» ist eine Sammlung sieben weißer Hemden, designt von Persönlichkeiten wie der Stilikone Carine Roitfeld, Schauspielerin Diane Kruger oder dem Künstler Takashi Murakami. Der Erlös geht an ein medizinisches Forschungsprojekt, das Lagerfeld unterstützt hat.

Modekarussell

Aber das Modekarussell dreht sich natürlich auch ohne den «Kaiser» weiter. Zum Beispiel erleben die 70er-Jahre dank Hedi Slimane gerade ihr großes Revival. Der Kreativdirektor von Celine zeigte einen bourgeoisen Look aus Schluppenblusen, Hippie-Westen, ausgestellten Hosen und femininen Faltenröcken.

Auffallend war diese Saison außerdem das neue Umweltbewusstsein vieler Modehäuser. Courrèges verwendet seit einem Jahr in seinen Kollektionen kein Plastik mehr und überraschte mit neuen, nachhaltigen Materialien aus Algen oder Fischhaut. Die coolen Denim-Looks von Givenchy waren aus upgecycelten Stoffen geschneidert und Stella McCartney zeigte ihre bislang umweltfreundlichste, zu 70 Prozent nachhaltig produzierte Kollektion. Die Botschaft ist deutlich: In Zeiten des Klimawandels ist Umweltbewusstsein auch für große Luxusmarken zu einem wichtigen Verkaufsargument geworden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Genial oder normal? Diese Frage spaltet die Mode-Kritiker von Demna Gvasalia. Foto: Matt Crossick/PA/dpa Radikal normal: Demna Gvasalia von Vetements Demna Gvasalia ist einer der neuen Stars der internationalen Designerszene. Er gilt als Mode-Revolutionär, der scheinbar Banales in seine Mode aufnimmt und damit die Alltagskultur umkrempelt.
Einige der berühmten Kreationen von Yves Saint Laurent. Foto: Sabine Glaubitz Yves Saint Laurent-Museum in Paris eingeweiht Das Yves Saint Laurent-Museum in Paris ist mehr nur als ein Schaufenster für Luxuskreationen. Es erzählt die Geschichte eines der bedeutendsten Modeschöpfer seiner Zeit.
Das Parfüm «Opium» der Marke «Yves Saint Laurent». Foto: Nicolas Armer Es raucht, stinkt, duftet: Wo Parfum-Flakons herkommen Putzmittel? Handtasche? Goldbarren? Viele Parfum-Marken wollen immer ausgefallenere Flakons. Die Industrie, die das Glas macht, muss mithalten.
Der Umwelt zuliebe greifen immer mehr Verbraucher zu Naturkosmetik. Vor allem junge Menschen wollen ressourcenschonende Produkte. Foto: Daniel Karmann Viele junge Menschen setzen auf Naturkosmetik Tu Gutes und rede darüber: Nach diesem Marketing-Motto werben Anbieter von Naturkosmetik mit Nachhaltigkeit und Bio-Qualität - oft durchaus berechtigt. Verbraucherschützer beklagen aber einen Wildwuchs von Gütesiegeln und fordern verbindliche Regeln.