Mieter stirbt arm: Gläubiger kann Nachlasspfleger fordern

25.05.2016
Verstirbt ein Mieter, der Schulden bei seinem Wohnungsgeber hinterlässt, so kann dieser seine Ansprüche geltend machen. Hierzu darf er einen Nachlasspfleger beantragen, entschied das Gericht.
Ein Vermieter kann einen Nachlasspfleger bestellen, wenn sein verarmter Mieter verstorben ist und noch Schulden offen sind. Foto: Andrea Warnecke
Ein Vermieter kann einen Nachlasspfleger bestellen, wenn sein verarmter Mieter verstorben ist und noch Schulden offen sind. Foto: Andrea Warnecke

Zweibrücken/Berlin (dpa/tmn) - Ein Gläubiger kann einen Nachlasspfleger beantragen, auch wenn der Nachlass unter Umständen nicht ausreicht, um diesen zu bezahlen.

Das gilt insbesondere, wenn ein Gläubiger seine Ansprüche geltend machen will - also beispielsweise ein Vermieter die Wohnung eines alleinlebenden, vermögenslosen Mannes räumen lassen will. Darauf macht die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) aufmerksam und verweist auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Zweibrücken.

Im verhandelten Fall verstarb ein alleinstehender Mann in seiner Wohnung. Die Erben des Mannes waren nicht bekannt. Der Vermieter stand vor dem Problem, dass der Verstorbene vermögenslos war und auch keine weiteren Einkünfte neben seiner Rente hatte. Nach dem Tod des Mieters wollte er die Wohnung räumen lassen und rückständige Mieten geltend machen. Deshalb bestellte er einen Nachlasspfleger. Doch das Nachlassgericht lehnte seinen Antrag ab und argumentierte, es sei kein hinreichendes Nachlassvermögen vorhanden.

Zu Unrecht, entschieden die Richter des Oberlandesgerichts (Az.: 8 W 48/15) und gaben dem Antrag des Vermieters statt: Denn es käme nicht darauf an, ob der Nachlass hinreichende Werte aufweist, um den Nachlasspfleger zu bezahlen. Vielmehr sehe das Gesetz zwingend die Anordnung einer Nachlasspflegschaft vor, wenn ein Gläubiger seine Ansprüche geltend machen will. Im konkreten Fall habe der Vermieter ein hinreichendes Rechtsschutzbedürfnis. Das OLG wies das Nachlassgericht an, einen geeigneten Nachlasspfleger zu bestellen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ein Vermieter kann einen Nachlasspfleger bestellen, wenn sein verarmter Mieter verstorben ist und noch Schulden offen sind. Foto: Andrea Warnecke Mieter stirbt arm: Nachlasspfleger fordern Verstirbt ein Mieter, der Schulden bei seinem Wohnungsgeber hinterlässt, so kann dieser seine Ansprüche geltend machen. Hierzu darf er einen Nachlasspfleger beantragen, entschied das Gericht.
Eine Steuerbefreiung gibt es für Immobilien-Erben meist nur, wenn sie das Wohneigentum als Lebensmittelpunkt nutzen. Foto: Schierenbeck/Wenda Erbe muss Immobilie für Steuerbefreiung selbst nutzen Wer Immobilien erbt, muss dafür in der Regel Erbschaftssteuer zahlen. Eine Ausnahme: Der Erbe nutzt die Immobilie selbst. In diesen Fällen wird häufig eine Steuerbefreiung gewährt. Die Regel sind aber streng.
Wer seinen Stromanbieter wechselt, kann viel Geld sparen - bei Preiserhöhungen gilt ein Sonderkündigungsrecht. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn Wechsel des Stromanbieters ist meist noch möglich Ob die Strompreise 2020 steigen, liegt im Ermessen der Netzbetreiber. Doch viele Anbieter haben bereits angekündigt, die Erhöhung der EEG-Umlage weiterzugeben. Noch können viele Kunden reagieren.
Ziehen Kinder innerhalb von sechs Monaten selbst in die geerbte Immobilie ein, entfällt die Erbschaftssteuer. Foto: Hans Wiedl So bleibt das Immobilienerbe steuerfrei Erst wenn ein Erbe den geltenden Freibetrag überschreitet, wird Erbschaftssteuer fällig. Kinder etwa können bis zu 400.000 Euro steuerfrei erben. Eine Immobilie ist häufig aber mehr wert. Was dann gilt, hat der Bundesfinanzhof in einem aktuellen Urteil geklärt.