Schlechter Einfluss? Umgang wird nicht eingeschränkt

19.06.2019
Sorgerechtsstreitigkeiten sind oftmals erbitterte Kämpfe. Richter müssen in diesen Situationen herausfinden, was für das Kindswohl am zuträglichsten ist. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat in einem aktuellen Fall entschieden.
Das Gericht hat entschieden: Hat ein Elternteil das Gefühl, dass der Ex-Partner das Kind negativ beeinflusst, rechtfertigt das keine Einschränkung des Sorgerechts. Foto: Rolf Vennenbernd
Das Gericht hat entschieden: Hat ein Elternteil das Gefühl, dass der Ex-Partner das Kind negativ beeinflusst, rechtfertigt das keine Einschränkung des Sorgerechts. Foto: Rolf Vennenbernd

Berlin (dpa/tmn) - Hat ein Elternteil das Gefühl, dass der Ex-Partner das Kind negativ beeinflusst, rechtfertigt das keine Einschränkung des Sorgerechts.

Das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (Az.: 8 UF 53/17). Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hin.

Im konkreten Fall hatten die geschiedenen Eltern das Sorgerecht aufgeteilt. Ein Kind lebte bei der Mutter, eins beim Vater. Das beim Vater lebende Kind lehnte allerdings den Kontakt zur Mutter ab. Das bei der Mutter lebende Kind besuchte alle zwei Wochen am Wochenende den Vater und verbrachte die Hälfte der Ferien bei ihm. Auf Antrag der Mutter schränkte das Amtsgericht den Ferienumgang ein. Es befürchtete einen schlechten Einfluss des Vaters auf das Kind. Dagegen beschwerte sich der Vater.

Das Oberlandesgericht gab ihm Recht und setzte die alte Umgangsregelung wieder ein. Es lägen keine triftigen, das Kindeswohl nachhaltig betreffenden Gründe vor. Gerichte könnten in solchen Fällen den streitenden Eltern lediglich Auflagen erteilen. Etwa, dass Fragen des Umgangs nur über das Jugendamt zu besprechen sind und nicht mit den Kindern.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auch in den Ferien besteht Umgangsrecht. Foto: Markus Scholz/dpa Umgangsrecht gilt auch in der Ferienzeit Nach einer Trennung muss der regelmäßige Umgang mit dem Kind für beide Elternteile möglich sein. Nicht nur an den Wochenenden, wie jetzt das Oberlandesgericht Schleswig entschieden hat.
Eine starre Lösung, wann sich ein Scheidungskind wann bei welchem Elternteil aufhalten soll, ist nicht in jedem Fall die erste Wahl. Foto: Rainer Jensen Wie getrennte Eltern eine gerechte Feiertagsregelung finden Ostern, Pfingsten, Weihnachten und dann die Ferien: Nach der Trennung streiten sich Eltern oft jahrelang darüber, wo ihre Kinder ihre freien Tage verbringen. Wie findet man da eine friedliche Lösung?
Bezugspersonen eines Kindes können ein Recht auf Umgang bekommen, auch wenn sie mit ihm nur entfernt verwandt sind. Foto: Andreas Gebert Familienrecht: Umgangsrecht für ferne Verwandte Meist sind es Väter oder Großeltern, die ein Umgangsrecht vor Gericht erwirken wollen. Doch auch entfernte Verwandte sind mit so einem Gesuch nicht immer chancenlos. Das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle.
Die Mutter darf ihr Kind sehen. Denn es verbietet sich, das Umgangsrecht allein aufgrund einer abstrakten Gefahreneinschätzung einzuschränken. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Mutter nimmt Droge: Umgangsrecht nicht pauschal beschränkbar Das Wohl des Kindes steht immer Vordergrund. So auch bei der Entscheidung, ob das Umgangsrecht eines Elternteils eingeschränkt werden soll. Doch was heißt das konkret, wenn ein Elternteil Drogen konsumiert?