Lästige Krabbeltiere: Kopfläuse sind kein Grund zur Panik

17.02.2016
Läuse bekommen vor allem Acht- bis Zwölfjährige. Die Tierchen sind zwar lästig, aber nicht gesundheitsgefährdend. Und mit mangelnder Hygiene, wie oft vermutet, ein Befall nichts zu tun. Deshalb: Nicht hysterisch werden und zusehen, dass man die Biester wieder loswird.
So sieht sie aus: Die meisten Menschen assoziieren Läuse mit Schmutz und ungewaschenen Haaren. Dabei hat Kopflaus-Befall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Foto: Deutsche Pediculosis Gesellschaft e.V.
So sieht sie aus: Die meisten Menschen assoziieren Läuse mit Schmutz und ungewaschenen Haaren. Dabei hat Kopflaus-Befall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Foto: Deutsche Pediculosis Gesellschaft e.V.

Hannover (dpa/tmn) - Die meisten Menschen ekeln sich vor Läusen. Sie assoziieren die kleinen Tierchen mit Schmuddeligkeit und ungewaschenen Haaren. Dabei hat Kopflaus-Befall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.

Nach Angaben der Deutschen Pediculosis Gesellschaft sind am häufigsten Acht- bis Zwölfjährige betroffen. Erwachsene scheinen nur selten von den blutsaugenden Insekten heimgesucht zu werden. «Läusebefall ist eindeutig eine Kinderkrankheit», sagt Jan Krüger, Vorsitzender der Pediculosis Gesellschaft.

Auch wenn sie weder springen noch fliegen können, sind sie relativ schnelle Krabbler. Kurz die Köpfe zusammenstecken oder sich umarmen reicht. «Vorbeugende Maßnahmen, die vor Läusen schützen, gibt es nicht», sagt Michael Forßbohm, Läuseexperte beim Gesundheitsamt Wiesbaden. «Nur Glatzenträger und Einsiedler können sich sicher fühlen.» Die beste Prävention sei, schnell zu handeln, wenn es in einer Kita oder einer Schule zu einem Ausbruch kommt. Eltern müssen Erzieher und Lehrer umgehend informieren, wenn sie Läuse bemerken.

Nicht immer machen sich die Blutsauger sofort durch Jucken bemerkbar. Gerade Kinder, die zum ersten Mal betroffen sind, spüren die Reaktion auf die Bisse erst nach ein bis zwei Wochen. «In dieser Zeit werden die meisten Läuse übertragen», erklärt Forßbohm. Um Läuse aufzuspüren, verwendet man nach dem Waschen am besten eine Pflegespülung. Darin können sich die Läuse nicht mehr bewegen. Mit einem feinen Kamm kämmt man Strähne für Strähne und streicht den Kamm auf einem Tuch aus - dort landen dann auch die Läuse.

Um die lästigen Tierchen schnell wieder loszuwerden, raten das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu einer Kombination aus zwei Methoden: Läusemittel und Auskämmen. Zunächst sollte man die Haare mit einem Läuseshampoo oder einem Läusespray aus der Apotheke behandeln. Wenn man sich dabei streng an die Vorgaben der Gebrauchsanweisung hält, werden in der Regel schon bei der ersten Anwendung alle Läuse auf dem Kopf getötet.

Die Kinder können daher am nächsten Tag wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen. Allerdings überleben die Läuseeier, die in den Haaren festkleben, die erste Prozedur. «Deswegen ist es zwingend erforderlich, die Behandlung nach acht bis zehn Tagen zu wiederholen, wenn die Larven geschlüpft sind», erklärt Forßbohm. Zusätzlich sollten die Haare viermal - jeweils im Abstand von vier Tagen - nass mit Pflegespülung und einem Läusekamm gekämmt werden.

Bei der Wahl des richtigen Läusemittels empfiehlt Forßbohm, sich in der Apotheke beraten zu lassen. Nicht jeder verträgt die klassischen chemischen Mittel, die Insektizide enthalten. Als Alternative gibt es seit einigen Jahren auch Läusemittel auf Silikonöl-Basis. Sie wirken, indem sie in die Atemöffnungen der Läuse eindringen und sie so ersticken. Wie Prof. Hermann Feldmeier vom Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Charité Berlin erklärt, ist die Wirksamkeit dieser Mittel erwiesen. «Sie können bedenkenlos wiederholt angewendet werden.»

Putzorgien, die häufig auf die Entdeckung von Läusen folgen, hält Forßbohm für unnötig: «Läuse können maximal 55 Stunden außerhalb des Wirtes überleben. Eine Übertragung über die Luft ist nicht möglich und eine Übertragung über Bettwäsche, Kuscheltiere oder Kleidung ist unwahrscheinlich.» Grundsätzlich gebe es keinen Grund für Hysterie. Denn die Krabbler sind zwar lästig, aber nicht gesundheitsgefährdend.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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