Vor einer Kreditumschuldung einen Kassensturz machen

16.01.2019
Sind die Zinsen niedrig, wird Verbrauchern oft zum Umschulden geraten. Dabei löst ein neuer Kredit einen alten ab. Ob Verbraucher damit tatsächlich viel Geld sparen, hängt vom Einzelfall ab.
Kerstin Föller ist Kreditexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Foto: Karin Gerdes/Verbraucherzentrale Hamburg
Kerstin Föller ist Kreditexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Foto: Karin Gerdes/Verbraucherzentrale Hamburg

Hamburg (dpa/tmn) - Bei einer Umschuldung wird ein neuer Kredit zu anderen Konditionen aufgenommen, um einen alten abzulösen. Der Vorteil: Man kann seine Schulden schneller begleichen. Was Verbraucher dabei beachten müssen, erklärt Kerstin Föller, Kreditexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Wann und für welche Kredite lohnt sich eine Umschuldung?

Kerstin Föller: Grundsätzlich lohnt sich eine Umschuldung immer für Kredite, die deutlich über dem aktuellen Zinsniveau liegen. Bei einem Dispokredit kann man überlegen, diesen in einen Ratenkredit umzuwandeln, da die Zinsen des Dispos im Normalfall deutlich höher sind als bei einem Ratenkredit. Einen Immobilienkredit kann man dagegen nur umschulden, wenn die Zinsbindung gerade abgelaufen ist.

Was muss man beachten?

Föller: Erstmal muss man prüfen, ob man überhaupt umschulden kann. Einen Ratenkredit kann man zwar generell umschulden, gegebenenfalls muss aber eine geringe Vorfälligkeitsentschädigung von maximal einem Prozent der Restschuld gezahlt werden.

Bei Immobiliarkrediten ist sie deutlich höher. Da muss man schauen, ob es sich unter dem Strich überhaupt lohnt. Außerdem sollte man nicht unbedingt aus einem variablen in einen festen Kredit gehen, wenn man den Kredit in einem Jahr oder weniger abzahlen kann.

Wichtig ist auch, sich keine Restschuldversicherung andrehen zu lassen, wenn man diese nicht unbedingt braucht. Es kann nämlich sein, dass man diese noch hat. Sinnvoll ist auf jeden Fall, alles durchzurechnen. Für ein Prozent Unterschied lohnt eine Umschuldung in der Regel die Mühe nicht. Viele Banken weisen außerdem Rahmenkonditionen mit einer Zinssatzspanne aus. Man sollte sich also genau erkundigen, welchen Zinssatz man bekommt. Hat man verschiedene Kredite wie Dispo, Kreditkarte und Ratenkauf, kann es zur Vereinfachung sinnvoll sein, alles zusammenzufassen, aber natürlich sollte man dabei auf Null-Prozent-Finanzierungen verzichten.

Wie geht man konkret vor?

Föller: Der erste Schritt ist der eigene Kassensturz. Letztlich hängt es davon ab, was man sich als Rate leisten kann. Je länger die Laufzeit ist, desto höher ist der Zinssatz. Man sollte also schauen: Was brauche ich, und was kann ich mir leisten? Wenn man diese Zahlen hat, kann man sie im Netz in einen Vergleichsrechner eingeben. Bietet eine Bank bessere Konditionen an, sollte man diese auch beauftragen, die Umschuldung direkt mit der alten Bank zu regeln. Das ist gängig und auch insofern gut, weil das alte Darlehen damit automatisch in der Schufa als bezahlt vermerkt wird.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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