Verbraucher erhalten bessere Infos über Lebensversicherungen

04.03.2019
Ist mein Geld für die private Altersvorsorge gut und sicher angelegt? Einmal jährlich informieren Lebensversicherer ihre Kunden über die Entwicklung der Police. Hier gibt es einige Fortschritte.
Einmal im Jahr müssen Lebensversicherungen ihre Kunden über die Entwickulung der Policen informieren. Laut einer Studie erfüllen diese Schreiben meist die Mindestanforderungen. Foto: Armin Weigel
Einmal im Jahr müssen Lebensversicherungen ihre Kunden über die Entwickulung der Policen informieren. Laut einer Studie erfüllen diese Schreiben meist die Mindestanforderungen. Foto: Armin Weigel

Frankfurt/Main (dpa) - Mehr Durchblick bei der privaten Altersvorsorge: Verbraucher erhalten einer Studie zufolge inzwischen mehr und bessere Informationen über die Entwicklung ihrer Lebensversicherung.

Nach einer Untersuchung von Policen Direkt hat die Mehrheit der deutschen Lebensversicherer ihre jährliche Kundeninfo überarbeitet und erfüllt die seit Sommer 2018 geltenden neuen Mindestanforderungen. Erste Erfahrungen von Verbraucherschützern sind ebenfalls positiv.

«Unser erster Eindruck: Es gibt deutliche Verbesserungen», berichtet Sandra Klug, Marktwächterin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Hamburg. «Die Informationen sind übersichtlicher und für Verbraucher leichter herauszufiltern.» Bei einigen Assekuranzen hake es allerdings noch.

So hat ein Lebensversicherungsunternehmen der Verbraucherschützerin zufolge seine Kunden darüber informiert, dass sie für 2018 zunächst keine sogenannte Standmitteilung erhalten. Ein anderes Unternehmen habe die erforderlichen Werte nicht vollständig angegeben.

«Wir haben die Unternehmen angeschrieben und warten auf Erläuterungen», sagte Klug. Ein Grund könnten Probleme bei der Umstellung der Software auf die neuen Vorgaben sein. Die Verbraucherschützer nahmen in einer ersten Analyse die Mitteilungen von etwa 15 der insgesamt 84 Lebensversicherer genauer unter die Lupe.

Nach Einschätzung von Henning Kühl, Chefversicherungsmathematiker bei Policen Direkt, ist der Wildwuchs der Standmitteilungen zwar noch nicht gänzlich beseitigt, «dennoch profitieren Kunden eindeutig von den jetzt oft weitreichenderen Informationen». Nach seinen Angaben erfüllen 60 von 73 untersuchten Lebensversicherern die neuen gesetzlichen Mindestanforderungen vollständig.

Verpflichtend sind Angaben über die Leistung im Todesfall sowie die Summe, die nach unveränderter Fortführung des Vertrages bei dessen Ablauf gezahlt wird. Genannt werden muss auch der Betrag, den Versicherte bei Verzicht auf Zahlung weiterer Beiträge erhalten würden, sowie der aktuelle Rückkaufswert des Vertrages. Kunden, die eine Police neu abgeschlossen haben, müssen zudem über die eingezahlten Beiträge informiert werden. Altkunden können diese auf Anfrage erhalten.

Laut der Studie boten 21 Assekuranzen über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus zusätzliche Informationen. Dadurch könnten Kunden etwa Veränderungen gegenüber dem Vorjahr besser verstehen, sagte Kühl. Policen Direkt kauft bestehende Verträge von Versicherten und führt sie weiter.

Für die Studie wurden die Kunden-Infos zu klassischen kapitalbildenden Lebensversicherungen ausgewertet, bei der im Todesfall oder nach Ablauf des Vertrags die Versicherungssumme ausgezahlt wird.

Vor der Neuregelung mussten die Kunden-Informationen, die häufig zum Jahreswechsel verschickt werden, nur die bislang erreichten Überschüsse enthalten. Verbraucher, die wissen wollten, was ihre Lebensversicherung Wert ist, mussten teilweise bei den Unternehmen nachfragen.

Haben Versicherte den Eindruck, dass das Schreiben ihrer Assekuranz nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht, können sie sich bei der Finanzaufsicht Bafin beschweren. Für die Behörde sind diese Hinweise wichtig, um Erkenntnisse über Mängel zu erhalten. Einzelne Streitfälle kann die Bafin allerdings nicht verbindlich entscheiden. Dies ist Sache der Gerichte.

Verbraucher können sich zudem an die Marktwächter bei den Verbraucherzentralen wenden. «Wir kontaktieren die Versicherung und mahnen sie gegebenenfalls ab», erläutert Klug. «Kunden haben einen individuellen Anspruch auf die Informationen.»

Beschwerden bei der Bafin

Ombudsmann für Versicherungen

Policen Direkt zu Standmitteilungen


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Der Versicherungskonzern Generali will hoch verzinste Lebensversicherungsverträge loswerden. Die Verpflichtungen gegenüber den Kunden sollen nach einem Verkauf aber unverändert bleiben. Foto: Marius Becker Generali will sich von teuren Lebensversicherungen trennen Das Zinstief setzt Lebensversicherungen unter Druck. Manche Unternehmen wollen bestehende Verträge, die noch hoch verzinst sind, daher loswerden. Jetzt zieht der Versicherungsriese Generali die Reißleine.
Lebensversicherern fällt es wegen der Niedrigzinsen zunehmend schwer, an den Kapitalmärkten frühere Garantieversprechen zu erwirtschaften. Viele Policen werden daher an Abwickler verkauft. Foto: Jens Büttner Interne Abwicklung oder Verkauf von Altpolicen? Der Verkauf von Lebensversicherungen an Abwickler sorgt für Kritik. Doch eine interne Lösung muss für Kunden nach Einschätzung von Versicherungsmathematikern nicht unbedingt besser sein. Sorgen bereitet den Experten vor allem ein Thema.
Trotz sinkender Zinsen müssen bestehende Lebensversicherungen bis zum Vertragsablauf weitergeführt werden. Foto: Jens Büttner Was Run-Off-Gesellschaften für Versicherte bedeuten Lebensversicherungen sind ein langfristiges Geschäft. Für viele Versicherungen werden alte Verträge aber angesichts niedriger Zinsen zunehmend zum Problem. Einige Unternehmen verkaufen die alten Verträge jetzt weiter. Was bedeutet das für Kunden?
Ein Riester-Vertrag kann sich als Altersvorsorge in Zeiten niedriger Zinsen lohnen. Denn hier bekommen Sparer wenigstens staatliche Förderung. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn Sie lohnt sich doch - Wer von der Riester-Rente profitiert Die Riester-Rente hat keinen guten Ruf. Doch nüchtern betrachtet lohnt sie sich für viele - finden zumindest die Experten der Stiftung Warentest. Die Voraussetzung: Versicherte wählen den richtigen Vertrag und nutzen die staatliche Förderung voll aus.