Value Investing für Anfänger – wie lässt sich ein solche Strategie umsetzen?

17.04.2019
Wer sich für den Aktienhandel interessiert, kann dabei auf ganz unterschiedliche Ansätze und Strategien zurückgreifen. Eine bekannte Strategie ist dabei das Value Investing, welches unter anderem Börsenlegenden wie Warren Buffett und Charlie Munger betreiben.
Value Investing - wie geht das eigentlich?
@ StockSnap (CC0-Lizenz) / pixabay.com
Value Investing - wie geht das eigentlich? @ StockSnap (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Hierbei geht es darum, nur in Unternehmen zu investieren, die dauerhaft genug Unternehmenswert schaffen, um profitabel zu sein. Darüber hinaus wird der Unternehmenswert mit dem aktuellen Börsenkurs der betreffenden Aktie verglichen, um zu schauen, ob die Aktie gerade günstig zu haben ist. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, was Anfänger zur Value-Investing-Strategie wissen sollten und wie der Start gelingt.

Der erste Schritt: Ein passendes Aktiendepot
Bevor es an den Aktienhandel gehen kann, ist es wichtig, zunächst ein leistungsfähiges Depot zu finden. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich Testberichte und Vergleiche genauer anzuschauen, um am Ende den passenden Anbieter zu finden. Folgende Kriterien sind dabei wichtig:

-      Geringe Fixgebühren

-      Ein passendes Gebührenmodell für Transaktionen (abgestimmt auf den eigenen Handelsstil)

-      Möglichst viele Assets und Handelsplätze im Handelsangebot

-      Intuitive Plattform mit guter Nutzerfreundlichkeit

-      Möglichst viele Limits und Indikatoren

Wer diesen ersten Schritt erfolgreich vollzogen hat, kann mit der Umsetzung der eigenen Aktienstrategie beginnen.

Value Investing - die Basics
Das Value Investing ist eine Strategie, die sich den fundamentalen Kennzahlen eines Unternehmens zuwendet und aus diesen den Unternehmenswert ableitet. Hierzu gibt es unterschiedliche Ansätze:

1.    Value Investing nach Benjamin Graham

Benjamin Graham gilt in gewisser Weise als geistiger Vater des Value Investing. Er hat stets nach Unternehmen gesucht, deren Unternehmenswert (kurzfristige Vermögenswerte abzüglich Verbindlichkeiten = Net Current Asset Value (NCAV)) höher lag als der aktuelle Börsenkurs. Nach seiner Theorie tendiert der Börsenkurs mittel- bis langfristig immer in die Richtung des wahren Unternehmenswerts (innerer Wert). Später verfeinerte er seine Theorie und legte einen maximalen Kaufpreis für Aktien fest:

Zusätzlich war Graham auch stets wichtig, eine Sicherheitsmarge einzukalkulieren, falls er falsch lag. Heute ist es nicht einfach, Aktien zu finden, die derart unterbewertet sind, dass sie Grahams Kriterien erfüllen. Zu seiner Zeit in den 1920er Jahren und nach der großen Depression konnte er damit jedoch große Erfolge erzielen.

2.    Value Investing nach Warren Buffett
Warren Buffet dürfte sogar Anlegern ein Begriff sein, die sich bisher kaum mit Aktien beschäftigt haben. Zusammen mit seinem Partner Charlie Munger hat er Grahams Ansatz dahingehend weiterentwickelt, dass es nicht mehr allein um unterbewertete Unternehmen geht. Viel wichtiger ist es laut dem Ansatz, hervorragende Unternehmen zu einem fairen Preis zu erwerben. Dabei werden neben Kennzahlen wie dem NCAV dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) auch qualitative Aspekte herangezogen:

-      Ist das Geschäftsmodell langfristig tragfähig?

-      Verfügt das Management über die richtige Einstellung und Fähigkeit?

Als Hautkennzahl zieht Buffet deshalb die sogenannten Owner Earnings heran, die folgendermaßen berechnet werden:

Nettogewinn + Abschreibungen, Amortisation und andere Non-Cash-Positionen - durchschnittliche Investitionen +/- weiteres Working Capital

Laut Buffett ist es also wichtig, sich stets den intrinsischen Wert eines Unternehmens anzuschauen. Dabei handelt es um den abgezinsten Wert des Geldes, der während der Lebensdauer eines Unternehmens aus diesem herausgezogen werden kann.

Wie lässt sich das Value Investing als Einsteiger umsetzen?

Der beste Ansatz zur Umsetzung einer Value-Strategie besteht darin, sich vorher die Trennung zwischen Aktienkurs (Preis) und dem wahren Unternehmenswert (Wert) klar zu machen.

Schon Buffett sagte: "Price is what you pay, Value is what you get."

Unternehmen können an der Börse also sowohl überbewertet (Aktienkurs liegt höher als der Unternehmenswert) als auch unterbewertet (Aktienkurs liegt unter dem Unternehmenswert) sein. Somit unterscheiden sich Unternehmen eigentlich nicht von anderen Produkten, die ebenfalls zu teuer oder zu günstig angeboten werden können. Bei Unternehmen kommt jedoch noch eine weitere und entscheidende Komponente hinzu:

Wie gut ist ein Unternehmen in der Lage, zukünftig stabile Gewinne zu erwirtschaften?

Der Job des Anlegers ist nun, herauszufinden, wie hoch der Unternehmenswert und das Ertragspotenzial ausfallen und ob sich auf dieser Basis der Kauf einer Aktie lohnt.

Ohne Fundamentalanalyse geht es nicht

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, sich mit der Fundamentalanalyse vertraut zu machen. Dabei handelt es sich um die Analyse der Unternehmensdaten, die sich in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung ablesen lassen. Für eine wirkliche Unternehmensbewertung sind vor allem folgende Kennzahlen wichtig:

1.    Kapitalrendite

Die Kapitalrendite eines Unternehmens gibt an, wie viel Prozent Gewinn mit dem eingesetzten Kapital erwirtschaftet wurde. Hier besonders interessant:

-      Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapital

-      Gesamtkapitalrendite = Gewinn / Gesamtkapital

Diese beiden Größen lassen aus den Werten in der Bilanz ablesen und somit einfach berechnen. Sie geben einem Anleger einen Überblick darüber, ob das Unternehmen mit dem genutzten Kapital tatsächlich eine gute Rendite erzielt. Was ein guter Wert in diesem Zusammenhang ist, lässt sich pauschal nicht sagen, jedoch können Anleger hier zumindest davon ausgehen, dass Eigenkapitalrenditen von unter 8% langfristig eher schwierig sind.

2.    Verschuldung

Die Schulden sind ebenfalls ein Kriterium, welches Anleger im Vorhinein beachten sollten. Hierbei ist vor allem eine Kennzahl wichtig:

-      Verschuldungsgrad = Langfristige Schulden / Eigenkapital

Unternehmen ohne Schulden oder mit nur einem geringen Verschuldungsgrad (unter 0,5) haben zum einen geringeres Ausfallrisiko. Ihnen steht das Wasser also nicht bis zum Hals. Darüber hinaus werden ihre künftigen Gewinne nicht durch hohe Rückzahlungen von Schulden belastet, so dass die Ertragssituation in der Zukunft besser ausfällt.

3.    Free Cashflow

Der Free Cashflow beschreibt das Geld, was tatsächlich für Investitionen, den Schuldendienst sowie zur Zahlung von Dividenden zur Verfügung steht. Ist der Free Cashflow negativ, muss sich ein Unternehmen für solche Ausgaben neues Fremdkapital liehen und später noch mehr Zinsen zahlen. Das Unternehmen kann nämlich bilanziell trotzdem Gewinn erwirtschaften, indem zum Beispiel stille Reserven aufgelöst werden. Wie der Free Cash Flow ermittelt wird, lässt sich hier erfahren. Viele Finanzportale geben den Free Cashflow einzelner Unternehmen jedoch auch an, so dass Anleger einfach nachschauen müssen.

Neben diesen Kennzahlen existieren noch viele weitere interessante Betrachtungsmöglichkeiten. Dazu gehören der Liquiditätsgrad, das Inventar-Umsatz-Verhältnis, die Eigenkapitalquote und auch der Cash je Aktie. Sollte ein Unternehmen auf Basis der gewählten Kennzahlen interessant sein, kann in einem zweiten Schritt der innere Wert mittels DCF-Verfahren oder die Owner Earnings ermittelt werden. 

Value Investing ist ein erprobter Ansatz

Das Value Investing gehört unter den Aktienstrategien zu den bisher erfolgreichsten Ansätzen. Warren Buffet und Charlie Munger sowie auch Walter Schloss und viele andere haben bewiesen, dass es funktionieren kann. Wer in diesen Bereich einsteigen möchte, sollte sich vorher entsprechend weiterbilden und niemals blind auf Zahlen vertrauen. Es kommt am Ende auch immer auf den Gesamteindruck an, dessen Bewertung sich jedoch vor allem durch Erfahrung verbessert.

 


Verfasser: Redaktion

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