Preisniveau für Gas bleibt relativ hoch

16.10.2019
Nach den angekündigten Preissteigerungen beim Strom deuten sich nun auch bei den Gaspreise anhaltend hohe Endverbraucherpreise an - obwohl Gas im Großhandel günstiger geworden ist. Ein Grund sind steigende Netzkosten.
Die Entgelte für die Gasnetze werden im kommenden Jahr leicht steigen und stehen damit einer Entlastung der Gaskunden im Wege. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Illustration
Die Entgelte für die Gasnetze werden im kommenden Jahr leicht steigen und stehen damit einer Entlastung der Gaskunden im Wege. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Illustration

Heidelberg (dpa) - Die Gasverbraucher in Deutschland haben trotz zuletzt sinkender Importpreise keine Entlastungen bei ihrer Gasrechnung zu erwarten.

Die Entgelte für die Gasnetze werden im kommenden Jahr im bundesweiten Durchschnitt um ungefähr drei Prozent steigen, teilten die Internet-Portale Check24 und Verivox jetzt in München und Heidelberg mit.

Sie wirken damit möglichen Preissenkungen entgegen. Die Netzentgelte machen rund ein Viertel des Gaspreises aus; im Schnitt ungefähr 377 Euro im nächsten Jahr bei einem Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden.

Dabei gibt es allerdings laut Verivox starke regionale Unterschiede von plus zwölf Prozent in Hamburg bis zu minus vier Prozent im Saarland. Bei Check24 sehen die regionalen Zahlen etwas anders aus; die Experten rechnen in einigen Bundesländern mit Rückgängen von maximal ein Prozent. Beide Internet-Portale arbeiten mit vorläufigen Daten der großen Verteilnetzbetreiber; einen kompletten Überblick für das nächste Jahr gibt es noch nicht. Im Bundesdurchschnitt würde die Erhöhung ungefähr 11 Euro betragen.

Die höchsten Netzgebühren zahlen mit 511 Euro pro Jahr die Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern, die niedrigsten mit 294 Euro die Gaskunden in Berlin. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass ein Leitungsnetz in einem dünn besiedelten Flächenland je Nutzer mehr Kosten verursacht als in einer dicht besiedelten Großstadt.

Der Gaspreis ist für die Endverbraucher nach jahrelangem Rückgang seit dem vergangenen Herbst wieder gestiegen, im wesentlichen wegen internationaler Entwicklungen. Doch der Trend auf dem europäischen Gasmarkt hat schon wieder gedreht. Seit Jahresbeginn sind die Import- und die Großhandelspreise kräftig gefallen, um rund ein Drittel.

Die Endkunden haben davon bislang kaum oder gar nicht profitiert. «Das Gaspreisniveau in dieser Heizperiode wird hoch bleiben», sagte Valerian Vogel von Verivox. «Kaum ein örtlicher Gasversorger hat bisher Preissenkungen angekündigt.» Nach den bisherigen Erfahrungen dauere es über ein Jahr, bis sich gesunkene Großhandelspreise deutlich auf das Preisniveau für private Verbraucher auswirke.

Die Experten von Check24 halten sogar Preiserhöhungen für möglich. «Die steigenden Nutzungsentgelte lassen darauf schließen, dass die Gaspreise im kommenden Jahr steigen werden», sagte Geschäftsführer Lasse Schmid.

Verbraucherpreisindex Gas (Verivox)

Mitteilung Check24


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Angaben der Preisportale lassen erkennen: Heizöl und Gas werden in diesem Winter teurer. Foto: Patrick Pleul Preisportale sagen höhere Heizkosten voraus In den vergangenen Jahren wurden die Haushalte bei den Heizkosten entlastet. Nun dreht sich der Trend: Heizöl und Gas werden wieder teurer.
Die Verbraucherpreise steigen etwas an. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Steigende Verbraucherpreise: Was das bedeutet Die Verbraucherpreise in Deutschland ziehen auf niedrigem Niveau wieder an. Ökonomen finden das gut. Allerdings hat die steigende Inflation auch Schattenseiten.
Wer einen neuen Stromanbieter sucht, sollte auf die Bedingungen achten. Die sind mitunter wichtiger als der Preis. Foto: Franziska Gabbert So finden Sie einen neuen Stromanbieter Seinem Stromanbieter treu zu bleiben, kann teuer sein. Dabei ist die Suche nach einer preisgünstigen Alternative nicht schwer. Der billigste Anbieter muss dabei aber nicht automatisch auch der beste Anbieter sein.
Laut Verivox haben seit Jahresbeginn zwei Drittel der Stromversorger die Preise um durchschnittlich 5 Prozent erhöht. Foto: Marcus Brandt Strom ist so teuer wie nie Die Strompreise kennen derzeit nur eine Richtung: aufwärts. Kaum ein Versorger, der nicht an der Preisschraube gedreht hat. Von der Strombörse kommen aber gegenläufige Signale.