Haftungsfalle beim Dienstwagen-Fahrtenbuch vermeiden

17.07.2019
Die private Nutzung eines Dienstwagens hat Einfluss auf die Höhe der Lohnsteuer, die der Arbeitgeber abführt. Ist das Fahrtenbuch schlecht geführt, muss dieser unter Umständen Steuern nachzahlen. Aber darf er sie dann vom Arbeitnehmer zurückfordern?
Wer ein Fahrtenbuch führt, sollte darin auch alle Fahrten festhalten. Denn gibt es Lücken, kann das Finanzamt bei der Berechnung der Lohnsteuer die Ein-Prozent-Methode anwenden. Foto: Jan Woitas
Wer ein Fahrtenbuch führt, sollte darin auch alle Fahrten festhalten. Denn gibt es Lücken, kann das Finanzamt bei der Berechnung der Lohnsteuer die Ein-Prozent-Methode anwenden. Foto: Jan Woitas

Berlin (dpa/tmn) - Arbeitnehmer, die ihren Dienstwagen auch privat nutzen dürfen, können ein Fahrtenbuch führen, um den Anteil privater und beruflicher Fahrten individuell zu bestimmen. Dieses Fahrtenbuch sollte in jedem Fall ordentlich geführt werden, rät Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Denn wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuer für den privaten Nutzungsvorteil auf Basis des Mitarbeiter-Fahrtenbuches abrechnet, die Aufzeichnungen aber mangelhaft sind und das Finanzamt deshalb später Lohnsteuern nachfordert, so haftet der Mitarbeiter für die Steuern, entscheid das Bundesarbeitsgericht (Az.: 5 AZR 538/17).

Im konkreten Fall führte der Arbeitnehmer auf eigenen Wunsch ein Fahrtenbuch. Das Finanzamt bemängelte dieses allerdings später und rechnete den privaten Nutzungsvorteil nach der pauschalen Ein-Prozent-Methode ab, was zu einer höheren Lohnsteuer führte. Der Arbeitgeber führte die nachzuzahlende Lohnsteuer an das Finanzamt ab, verrechnete sie aber mit einem Abfindungsanspruch des Arbeitnehmers.

Die Klage des Mitarbeiters gegen diese Verrechnung blieb erfolglos, denn die ordnungsgemäße Führung des Fahrtenbuches obliegt allein der Verantwortung des Arbeitnehmers, so das Urteil. Hat der Arbeitgeber wegen des mangelhaften Fahrtenbuches zu wenig Lohnsteuer einbehalten und an das Finanzamt abgeführt, kann er vom Mitarbeiter die Erstattung sogenannter nachentrichteter Lohnsteuer verlangen.

«Arbeitnehmer, die für den überlassenen Dienstwagen statt der Ein-Prozent- die Fahrtenbuchmethode wählen, sollten sich also vorab kundig machen, welche Bedingungen einzuhalten sind», rät Klocke.

Wichtig ist, dass jede Fahrt zeitnah dokumentiert wird. Abfahrtsort sowie Ziel und Zweck der Fahrt sollten dabei erfasst werden. Das Fahrtenbuch muss außerdem eine geschlossene Form haben - lose Zettelsammlungen werden vom Finanzamt nicht anerkannt.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ein Arbeitnehmer, der seine Mitarbeiterbeteiligung mit Gewinn verkauft, kann die Abgeltungsteuer anwenden. Vorausgesetzt die Beteiligung wurde unabhängig vom Dienstverhältnis erworben. Foto: Armin Weigel Günstiger Steuersatz bei Mitarbeiterbeteiligungen erlaubt Wer eine Mitarbeiterbeteiligung verkauft, muss den Gewinn versteuern. Die Höhe wird jedoch nicht immer gleich berechnet. In einem Fall ließ das Finanzgericht Düsseldorf einen Steuerzahler günstiger davonkommen. Hier die Begründung:
Lassen sich mit dem Jobticket Steuern sparen? - Unter bestimmten Umständen. Foto: Arne Dedert/Symbolbild Steuern sparen beim Jobticket In manchen Firmen spendiert der Chef Pendlern ein sogenanntes Jobticket. Dann fallen unter Umständen aber Steuern an, was die Ersparnis schmälert. Um das zu vermeiden, müssen Beschäftigte einiges beachten.
Wer einen Firmenwagen ausschließlich für berufliche Zwecke nutzt, sollte das dem Finanzamt belegen können. Foto: Jan Woitas Bei Firmenwagen Verbot von Privatfahrten dokumentieren Für Firmeninhaber, die auch Geschäftsführer ihrer Firma sind, gelten besondere Regeln. So müssen sie etwa nachweisen, dass sie einen Firmenwagen nur beruflich nutzen. Andernfalls zahlen sie zusätzliche Steuern.
Unfälle auf dem Weg zur Arbeit können unter bestimmten Bedingungen steuerlich geltend gemacht werden. Maßgeblich bei der Berechnung ist das Alter des Autos. Foto: Arno Burgi Unfallkosten steuerlich geltend machen Der hektische Berufsverkehr führt oft zu Unfällen. Was viele nicht wissen: Wird das Auto auf dem Weg zur Arbeit beschädigt, beteiligt sich das Finanzamt in bestimmten Fällen an den Kosten. Die Höhe des Steuervorteils hängt vom Alter des Fahrzeugs ab.