Wohnmobil-Vielfalt: Vom Mini-Camper zum Luxusliner

25.05.2021
Wohnmobile boomen. Viele reizt es, die eigene kleine Wohnung auf vier Rädern mit in die Ferien zu nehmen. Doch vom umgebauten Kastenwagen bis zum Luxusliner gibt es viele Typen - kennen Sie alle?
Oft erweitert ein Aufstelldach das Platzangebot beim Campingbus - zum Beispiel für eine Schlafgelegenheit. Foto: Thomas Kliem/Tüv Nord/dpa-tmn
Oft erweitert ein Aufstelldach das Platzangebot beim Campingbus - zum Beispiel für eine Schlafgelegenheit. Foto: Thomas Kliem/Tüv Nord/dpa-tmn

Essen/Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Dahin fahren, wo es einem gefällt und die eigene Wohnung ist quasi huckepack dabei. Das mögen viele am Wohnmobil, ganz besonders in Coronazeiten. «Reisemobile haben einen großen Extra-Schub bekommen», sagt Daniel Rätz vom Caravaning Industrie Verband (CIVD).

Ein Plus von rund 45 Prozent bei den Neuzulassungen verzeichnet der Branchenverband für 2020 im Vergleich zum Vorjahr. «Die Fahrzeuge passen perfekt in die Zeit. Sie sind unterwegs, aber nur mit dem engsten Kreis und können den Andrang am Hotelbuffet oder im Flugzeug meiden», sagt Rätz, der Pressereferent des CIVD ist.

Das wollen Sie auch mal ausprobieren? Dann steht am Anfang die Frage, was für ein Wohnmobil-Modell Sie ausleihen oder kaufen wollen. Die Auswahl ist riesig: Vom kleinen Wägelchen mit Notschlafplatz fürs nächste Festival bis hin zum Rockstar-Luxusbus mit Spa-Bereich und eigener Autogarage.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten Wohnmobile: «Ausgebaute Modelle und aufgebaute Modelle», erklärt Daniel Rätz. Bei den ausgebauten Modellen greifen Hersteller auf bestehende Fahrzeuge zurück und verändern die Außenstruktur meist nur minimal.

Die Spanne der Grundmodelle für ausgebaute Wohnmobile reicht von kleinen Vans bis zu großen Transportern. Wohnmobilhersteller und andere Anbieter bieten je nach Modell und Preisklasse die entsprechende Inneneinrichtung für den Campingbedarf an.

Bei den aufgebauten Modellen dient in der Regel nur das Fahrgestell mit oder ohne Führerhaus als Basis für einen individuellen Wohnaufbau der jeweiligen Herstellerfirma.

Die zwei Wohnmobil-Arten lassen sich aber noch weiter in Typen aufgliedern:

- Minicamper: Dazu zählt der Tüv Nord ganz kleine, zum Freizeitfahrzeug ausgebaute Autos, etwa für den Kurztrip oder den Festival-Besuch. Diese sind oftmals unter fünf Meter lang. Manche fallen auf durch schlaue Detaillösungen wie etwa einem modulartigen Aufbau mit Optionen zum Schlafen, Sitzen oder Kochen.

Man kann den kleinen Wohnraum auch durch ein Heck- oder Vorzelt erweitern. Im Internet finden sich Beispiele für Ausbausätze für Basisfahrzeuge wie etwa VW Caddy, Citroën Berlingo oder Opel Combo.

Zu den Vorteilen zählt der Tüv Nord gutes Handling, denn solche kleinen Vans oder Lieferwagen fahren sich meist wie normale Pkw. Ein geringer Unterhalt und akzeptabler Spritverbrauch sind weitere Pluspunkte. Die kompakten Ausmaße machen sich auch bei den Kosten für Fähren, Maut oder Campingplätze bezahlt.

- Campervans und Campingbusse: Hier startet für den CIVD das klassische Campingmobil. Zu diesen größeren Modellen zählen dann Basisfahrzeuge wie Vans und Kleinbusse. Etwa der klassische «Bulli» von VW. Der ist auch heute noch als Multivan im Programm und bildet ein typisches Grundmodell für Campingbusse.

Auch Citroën Spacetourer, Mercedes V-Klasse oder Renault Trafic Combi sind Beispiele. Die von Wohnmobilherstellern ausgebauten Versionen verfügen oft über Drehsitze vorn. «Durch Drehung können Fahrer- und Beifahrersitz mit dem Essbereich zu einer Sitzgruppe zusammengeschlossen werden», so Daniel Rätz den Vorteil.

Dazu kommen meist eine Kochgelegenheit sowie Schlafmöglichkeiten für teils vier Personen. Diese finden sich nicht selten in einem Aufstelldach oder auf einer umgebauten Rücksitzbank. Vorteil ist die hohe Alltagstauglichkeit wegen noch kompakter Ausmaße und guter Motorisierung bei mäßigem Spritverbrauch.

Negativ fällt dem Tüv Nord die zuweilen hohe Preisgestaltung einiger Modelle auf. Verzichten muss man zumeist auf einen Toilettenraum an Bord. Dann kann ein sogenanntes Kassetten-WC zum Einsatz kommen, also eine kompakte Chemietoilette mit herausnehmbarem Fäkalientank.

- Kastenwagen: Die Basis bilden Transporter und leichte Nutzfahrzeuge, die sonst etwa Post oder Kleinmöbel ausfahren. Typisch etwa sind der Sprinter von Mercedes, Iveco Daily oder Fiat Ducato. Viele Hersteller bieten Umbauten auf Basis solcher Modelle an. Da finden sich je nach Ausführung Quer- oder Einzelbetten im Heck, Küchenblocks mit Kühlschrank und je nach Modell Toilette und Dusche.

Die Innenhöhe lässt normales Stehen in der Regel zu. Auch hier können Aufstelldächer die Nutzfläche erweitern. Die Länge liegt oft zwischen 5,40 und 6,40 Metern, das zulässige Gesamtgewicht meist bei unter 3,5 Tonnen, so der Tüv Nord. So können die Modelle mit dem Führerschein Klasse B gefahren werden.

«Auch hier bleibt das ganze Fahrzeug bestehen, mit Ausnahme etwa von eingebauten Fenstern oder Hubdächern», sagt Daniel Rätz.

- Alkovenmodelle: Sie markieren den Einstieg in die Art der aufgebauten Fahrzeuge. Die Gattung ist einfach zu erkennen. Namensgeber ist der nasenartig aufgesetzte Schlafraum über dem Fahrerhaus, der Alkoven. Die Basis bilden hier Nutzfahrzeuge, auf denen die Wohnmobilanbieter dann eigene Aufbauten anfertigen.

«Teilweise sind auch hier Fahrer- und Beifahrersitz dreh- und integrierbar, oftmals aber ist das Fahrerhaus durch feststehende Sitze und bei älteren Modellen durch eine Rückwand vom Wohnbereich getrennt», sagt Rätz. Dann bleibt das Transportergefühl ein Stück weit bestehen.

Viele Schränke, ein großer Küchenbereich und eine geräumige Nasszelle sind typisch für Alkoven-Mobile. Positiv vermerkt der Tüv Nord, dass viel Platz für bis zu sechs Personen ist und die Variante insgesamt auf einen sehr guten Mix aus Preis und Leistung kommt.

Die schon beachtliche Größe schränkt aber die Alltagstauglichkeit ein. Der höhere Aufbau etwa kann bei einigen Durchfahrten zu Problemen führen. Wird das zulässige Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen überschritten, ist eine sogenannte Auflastung erforderlich. Dazu reicht dann aber der Führerschein der Klasse B nicht mehr aus.

- Teilintegrierte: Das Fahrerhaus des Basisfahrzeugs bleibt hier zwar klar erkennbar. «Ein ganz wesentliches Merkmal ist aber, dass die Vordersitze sich nach hinten drehen lassen und eine Einheit mit dem Wohnraum entsteht», sagt Rätz.

Die originalen Vordertüren bleiben zwar noch erhalten. Doch der hintere vom Campinghersteller gefertigte Wohnaufbau wird nahezu nahtlos angesetzt. In der Regel sind diese Modelle zwischen 6 und 7,50 Meter lang. Solche Ausmaße erfordern erhöhte Achtsamkeit im Straßenverkehr.

Und es gibt starke preisliche Unterschiede, die von Faktoren wie Basisfahrzeug, Aufbauhersteller und Ausstattung abhängen. Oft werde aber versucht, so zu bauen, dass trotz ausreichender Zuladung die 3,5-Tonnengrenze nicht überschritten wird, so der Tüv Nord.

- Vollintegrierte: Wie der Name sagt, ist das Basisfahrzeug komplett in den Wohnaufbau integriert. «In der Regel nutzt der Wohnmobilhersteller hier nur noch Motor und Fahrgestell des Autoherstellers und produziert den Aufbau ansonsten komplett eigenständig», sagt Rätz. Also fehlt das ursprüngliche Fahrerhaus, es gibt eine große Panoramafrontscheibe und man steigt oft auch durch den Eingang des Wohnbereichs an der Seite zu.

Der Kaufpreis sei höher als der für die meisten Reisemobile, so der Tüv Nord. Wegen der gehobenen Ausstattung, des großen Raumangebots und der wertigen Verarbeitung spreche man auch von der Königsklasse. Da die Mobile aber meist über der 3,5 Tonnen-Grenze liegen, können sie von Einschränkungen wie etwa Überholverboten, Tempolimits und höherer Maut betroffen sein. Vielfach sei auch der Führerschein Klasse C1 nötig, so die Experten.

- Liner: Dieser Typus ist noch luxuriöser als ein Vollintegrierter. Nicht selten erreichen sie die Größe eines Reisebusses und verfügen über Auszüge in den Seitenwänden, um den Wohnraum auf Wohnungsniveau zu heben. Jegliche Luxusausstattung bis hin zum Spa-Wellnessbereich ist denkbar. Manche haben sogar eine integrierte Minigarage, die einem Pkw zum Mitnehmen Platz bietet.

Dass Liner in der Regel auf Reisebussen oder Lkw aufbauen und nicht auf Transportern oder leichten Nutzfahrzeugen, habe seinen Preis, sagt Daniel Rätz. Mehrere Hunderttausend Euro für so eine rollende Luxus-Suite im XXL-Format sind keine Seltenheit.

- Exoten: Darunter listet der Tüv Nord etwa Fernreisemobile, die oftmals über Allradantrieb für expeditionsähnliche Fahrten verfügen. Auch sie sind sehr teuer. Viel günstiger seien dagegen abnehmbare Wohnkabinen, die sich auf die Ladefläche von Pick-ups montieren lassen.

© dpa-infocom, dpa:210521-99-693087/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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