Wildunfallgefahr steigt im Herbst

02.10.2019
Fast 270 000 Mal ist im vergangenen Jahr ein Fahrzeug mit einem Wildtier kollidiert. Das zeigen Zahlen der Versicherer. Im Oktober nimmt das Risiko zu. Was Autofahrer wissen sollten.
Achtung, Wildwechsel: Im Herbst sollten Autofahrer besonders auf Landstraßen aufmerksam unterwegs sein. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Achtung, Wildwechsel: Im Herbst sollten Autofahrer besonders auf Landstraßen aufmerksam unterwegs sein. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen. Autofahrer sollten also derzeit besonders auf Landstraßen aufmerksam unterwegs sein. Vor allem, wenn diese durch Wälder und entlang von Wiesen führen.

Die Tiere sind häufig während der Dämmerung unterwegs - gefährlich seien etwa die Morgenstunden zwischen 06.00 und 08.00 Uhr, erklärt der Deutsche Jagdverband. Von Oktober bis Dezember und April bis Mai ist das Risiko am höchsten. Das zeigen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Zum Jahresende hin komme es etwa zu vielen Unfällen mit Hirschen.

2018 haben die Autoversicherer um die 268 000 Wildunfälle registriert, 7000 weniger als im Vorjahr. Der Jagdverband spricht von mehr als 230 000 Kollisionen pro Jahr. Auswertungen des Tierfund-Katasters des Jagdverbandes durch Wissenschaftler der Uni Kiel zeigen: Der Oktober ist der Monat, in dem im Vergleich die meisten Rehe, Hirsche und Wildschweine sterben.

Das ist ein Ergebnis der Analyse von 19 800 zwischen September 2017 und August 2019 gemeldeten Wildtierunfällen. Im Tierfund-Kataster, auf den man via App oder Webseite zugreifen kann, können Nutzer Wildunfälle nach einheitlichem Standard ortsgenau melden.

Fünf Tonnen Kraft bei Crash mit Hirsch

Nicht für die Tiere kann ein Zusammenstoß schlimme Folgen haben. Rammt das Auto mit 60 Stundenkilometern einen Rothirsch, wirkt eine Kraft von fünf Tonnen auf die Karosserie, erklären der Automobil-Club Verkehr (ACV) und der Jagdverband. Sie haben eine Kampagne gestartet, um Wildunfälle zu vermeiden.

Der wichtigste Tipp lautet dennoch: Nicht waghalsig ausweichen, wenn plötzlich ein Tier auf der Straße auftaucht. Ein Zusammenstoß sei meist nicht so gefährlich wie eine Kollision mit dem Gegenverkehr oder einem Straßenbaum, erklärt der Tüv Rheinland. Stark bremsen und das Lenkrad festhalten ist also die korrekte Reaktion.

Generell gilt: Lieber etwas langsamer fahren, ausreichend Abstand halten und den Straßenrand im Blick haben. Steht in der Ferne ein Reh oder ein Wildschwein in Fahrbahnnähe, bremsen Autofahrer idealerweise ab und hupen. Fernlicht dagegen verschreckt die Tiere.

Tier nach Unfall nicht anfassen

Kommt es zu einem Zusammenstoß, ruft man nach dem Sichern der Unfallstelle die Polizei. Die Beamten geben dem Forstamt Bescheid und dokumentieren das Geschehen, erläutert der Tüv Rheinland. Der Förster oder Jagdpächter kümmert sich um das Tier. Selbst sollte man es nicht anfassen. Der GDV rät, Fotos vom Unfallort, dem Tier und den Schäden am Fahrzeug zu machen. Man sollte sich vom Föster oder der Polizei eine Wildunfallbescheinigung ausstellen lassen.

Kasko-Versicherungen regulieren grundsätzlich durch Haarwild verursachte Schäden. Dazu zählen etwa Rehe, Wildschweine und Hasen. Auf die Schadenfreiheitsklasse wirkt sich ein regulierter Wildunfall nach GDV-Angaben nicht aus.

Webseite wildunfall-vermeiden.de

Tierunfall-Kataster

GDV-Mitteilung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wildunfälle passieren vor allem in der Dämmerung. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa Nach Wildunfällen: Fotos vom Schaden am Auto nicht vergessen Im Herbst kann es häufiger zu Wildunfällen kommen. Autofahrer sind dann geschockt und vergessen schnell, die Situation mit einem Foto festzuhalten. Doch das ist fatal. Denn die Versicherung kann dann die Kosten-Übernahme ablehnen.
Auf bestimmte Leistungen der Kfz-Versicherungen sollten Autofahrer achten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Was muss die Kfz-Versicherung mindestens bieten Wer eine neue Autoversicherung abschließen möchte, kommt um einen persönlichen Preis-Leistungsvergleich nicht herum. Es gibt aber allgemeine Rahmenbedingungen, die gegeben sein sollten.
Zu spät: Wer einen Wildunfall nicht verhindern konnte, sollte als erstes die Unfallstelle absichern und dann die Polizei informieren. Foto: Wolfgang Kumm/dpa/dpa-tmn Sichern und dokumentieren: Richtig handeln nach Wildunfällen Wenn Unfälle mit Tieren passieren, ist die Unsicherheit groß: Einfach wegfahren, das Reh zum Tierarzt bringen oder doch die Polizei rufen? Dabei ist ein überlegtes Vorgehen sehr wichtig, um nicht Ärger mit der Versicherung zu bekommen.
In guten Händen wohl behütet: Doch welchen Versicherungsschutz brauchen Autofahrer, damit ihr vierrädriger Begleiter so gut abgesichert ist? Foto: Robert Günther/dpa-tmn Ein Versicherungs-ABC für Autofahrer Versicherer gibt es unzählige, und alle haben andere Konditionen und Preise. Welche sind für Autofahrer aber sinnvoll? Und wie sollte man sich bei einem Unfall ihnen gegenüber verhalten?