Was den Mercedes EQS von der S-Klasse unterscheidet

22.09.2021
Mercedes holt sich nun auch an der Ladesäule die Deutungshoheit für automobilen Luxus zurück. Denn mit dem neuen EQS elektrifizieren die Schwaben endlich eine Premiumlimousine, die jeden Tesla in den Schatten stellen könnte.
Das beste Elektroauto der Welt? Auch beim EQS hat Mercedes hohe Ansprüche. Foto: Mercedes-Benz AG/dpa-mag
Das beste Elektroauto der Welt? Auch beim EQS hat Mercedes hohe Ansprüche. Foto: Mercedes-Benz AG/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - Umgebaute Kompakte und halbherzig zusammenkonstruierte SUVs - bislang war Mercedes auf dem Pfad der E-Mobilität eher zögerlich unterwegs. Doch wenn der EQS im Spätherbst zu Preisen von über 100.000 Euro an den Start geht, will der nicht weniger sein als das beste Elektroauto der Welt. Der neue Schwabe steht damit auch in der Tradition der S-Klasse, die Mercedes deshalb gleich zu seinem Taufpaten gemacht hat.

Basis für die gehobene Limousine ist die erste dezidierte Elektro-Plattform von Mercedes. Eigens um den Akku herum entwickelt ermöglicht sie die Integration der mit 107,8 kWh bislang größten Batterie in einem gängigen Elektroauto und fürstliche Platzverhältnisse. Der Radstand lang, die Überhänge kurz: So bietet der EQS im Fond mehr Fußraum als die gestreckte S-Klasse. Und weil sich Mercedes für ein Fließheck mit Klappe bis ins Dach entschieden hat, ist das Ladevolumen konkurrenzlos: 610 bis 1170 Liter fasst der Kofferraum.

Typische S-Klasse-Preise, neuartige Form

Als Antrieb dienen im vorläufigen Top-Modell EQS 580 4matic für geschätzte 130.000 Euro zwei Motoren mit zusammen 385 kW/524 PS, die bis zu 855 Nm auf alle vier Räder bringen. Für etwa 110.000 Euro gibt es einen EQS 450 mit 245 kW/333 PS und Hinterradantrieb. Erst später wird ein Basismodell mit kleinerem Akku kommen, mit dem der Preis knapp unter 100.000 Euro fallen dürfte.

Verpackt ist das Ganze in einer ausgesprochen futuristischen Form, die mit den gängigen Konventionen in der Luxusklasse bricht. So ziert den Bug jetzt ein sogenanntes Black Panel. Zudem ist der EQS in einem einzigen Bogen gezeichnet, der allerdings durch die optionale zweifarbige Lackierung optisch wieder etwas aufgehoben wird. Innen hat sich ebenfalls Einiges getan. Wer durch die automatisch aufschwingenden Türen tritt, blickt nun auf einen Hyperscreen, der sich quer durchs ganze Cockpit spannt. Zudem schafft die Beleuchtung ein nahezu spacetaugliches Ambiente.

Fahren wie in einer Raumkapsel

Genauso erinnert das Fahren im EQS an die Fortbewegung in einer Raumkapsel. Noch einmal zwei Klassen leiser als die ohnehin schon stillen Stromer und sehr komfortabel abgestimmt, glaubt man durch die Landschaft zu schweben. Der Gedanke an die Reichweite gerät da schnell in den Hintergrund. Darf er auch ruhig. Denn mit einem WLTP-Wert von bestenfalls 780 und real immer über 500 Kilometern wird der Ladestand tatsächlich zur Nebensache. Und wenn der Akku dann doch mal zur Neige geht, lädt der EQS mit bis zu 200 kW. Unter optimalen Bedingungen fließt deshalb in zehn Minuten der Strom für 300 Kilometern. Das kommt dem konventionellen Tankstopps dann schon ziemlich nahe.

Zwar ist das Fahrgefühl ähnlich abgehoben wie in der S-Klasse, und es gibt die gleichen Sicherheits- und Assistenzsysteme bis hin zum ersten Autopiloten, der unter bestimmten Bedingungen alleinverantwortlich das Steuer übernimmt. Doch bietet der EQS zwei entscheidende neue Eindrücke: So müssen die Fahrer lernen, dass 250 km/h in der Oberklasse nicht mehr das Maß der Dinge sind und sich mit 210 Sachen begnügen. Und sie dürfen erleben, dass selbst ein Auto von 2,5 Tonnen und fünf Metern sportlich und handlich sein kann. Denn mit der Kraftentfaltung der E-Motoren und einer konkurrenzlosen Hinterachslenkung fühlt sich die Großlimousine bisweilen an wie ein übermotorisierter Kompakter.

Fazit: Das aktuell beste Elektroauto der Welt?

Stattlicher Auftritt, souveräne Fahrleistungen und beachtliche Reichweite - selbst wenn der EQS bei Materialauswahl und Komfortaustattung nicht ganz an die S-Klasse herankommt, dürfte er aktuell tatsächlich das beste Elektroauto in der Oberklasse sein. Und wem das Design zu progressiv und die Bildschirmlandschaft zu bunt ist, kann ja weiter die S-Klasse kaufen. Die ist genauso neu und fährt mit Plug-in-Antrieb ja ebenfalls elektrisch - zumindest die ersten 100 Kilometer.

Datenblatt: Mercedes EQS 580 4matic

Motor und Antrieb: Elektroantrieb mit zwei Motoren
Max. Leistung: 385 kW/524 PS
Max. Drehmoment: 855 Nm
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Eingang-Getriebe
Maße und Gewichte
Länge: 5216 mm
Breite: 1926 mm
Höhe: 1512 mm
Radstand: 3210 mm
Leergewicht: 2585 kg
Zuladung: 550 kg
Kofferraumvolumen: 610-1770 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,2 s
Durchschnittsverbrauch: 18,3 kWh/100 km
Reichweite: 780 km
Batteriekapazität: 107,8 kWh
CO2-Emission: 0 g/km
Kraftstoff: Strom
Schadstoffklasse: k.A.
Effizienzklasse: A+
Kosten:
Grundpreis des EQS: ca. 98.000 Euro
Preis des EQS 580 4matic: ca. 130.000 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Zehn Airbags, ESP, Spurhalte- und Abstandsregelung
Komfort: Klimaautomatik, Digitale Instrumente, Sitzheizung

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:210810-99-789090/17


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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