Unfall oder Versicherungsbetrug: Reichen die Indizien?

17.09.2021
Bei einem Überholvorgang soll ein anderes Auto über die volle Breite beschädigt worden sein. Die Umstände lassen die Versicherung aber skeptisch werden. Lag gar ein versuchter Versicherungsbetrug vor?
Dann hat's gescheppert: Einen Blechschaden wünscht sich eigentlich keiner. Aber manchmal sprechen Indizien für einen fingierten Unfall, um die Versicherung zu betrügen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Dann hat's gescheppert: Einen Blechschaden wünscht sich eigentlich keiner. Aber manchmal sprechen Indizien für einen fingierten Unfall, um die Versicherung zu betrügen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Offenburg (dpa/tmn) - Den Vorwurf eines fingierten Unfalls muss eine Versicherung beweisen. Dafür reicht eine Häufung von Anzeichen aus, dass manipuliert wurde. Ein für das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit genüge. So zumindest ein Urteil des Landgerichts Offenburg (Az.: 2 O 285/18),über das die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) berichtet.

Unfall beim Ausweichen vor dem Gegenverkehr?

In dem Fall ging es um einen Streifschaden über die komplette Seite eines Mercedes-Coupés. Der Kläger behauptete, dass ein anderes Auto von hinten kommend mehrere Autos überholte. Dann wäre der Fahrer plötzlich, als er auf Höhe des Mercedes war, nach rechts gefahren, um dem Gegenverkehr auszuweichen. So soll es zum Schaden gekommen sein. Der gegnerische Fahrer gab am Unfallort gegenüber der Polizei sofort seine Schuld zu. Dessen Versicherung aber wurde skeptisch und verweigerte die Zahlung. Die Sache ging vor Gericht.

Wie wird das Gericht die Indizien werten?

Das wies die Klage ab. Die Versicherung konnte Indizien vorbringen, die den Nachweis eines fingierten Unfalls erbrachten. Dazu gehörte: Der Kläger rechnete auf fiktiver Gutachtenbasis ab und meldete den Schaden über die gesamte Länge an. Das entsprechende Auto hatte er erst vier Monate zuvor gekauft. Doch stellte ein Sachverständiger fest, dass der Schaden nicht allen vom Auto des Beklagten stammen konnte, zumindest nicht durch einen einmaligen Berührungsvorgang.

Zudem waren beide Parteien bereits früher mehrfach in Unfälle verwickelt. Neutrale Zeugen fehlten. Auch zeigte die mündliche Verhandlung, dass sich beide «vom Sehen her» kannten.

© dpa-infocom, dpa:210916-99-245972/2

Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wie viel die Autoversicherung kostet, hängt vom Wohnsitz des Halters ab. Der ist maßgeblich für die Regionalklasse, in die man eingestuft wird. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Kfz-Versicherung wird für viele Autofahrer günstiger Wo es häufiger kracht, ist die Versicherung für das Auto meist teurer. Von den neuen Regionalklassen profitieren Autofahrer im Norden und Osten. Ein Bundesland schneidet besonders schlecht ab.
Zertreten und zerrupft: Manche Fahrradversicherungen kommen auch für Vandalismusschäden auf. Foto: Caroline Seidel/dpa/dpa-tmn/Archiv Welche Fahrradversicherung zahlt was? Mit der zunehmenden Verbreitung teurer E-Bikes rücken spezielle Fahrradversicherungen in den Blick, die teils auch Akkuschäden abdecken. Aber auch schon Hausratversicherungen bieten einiges.
Das freut den Autofahrer: Oft bringen ein Versicherungswechsel oder eine neue Einstufung beim bisherigen Anbieter günstigere Konditionen. Foto: Christin Klose Sparen bei der Kfz-Versicherung Einmal im Jahr sollten Autofahrer ihre Kfz-Versicherung überprüfen. Denn oft lassen sich die Versicherungen optimieren und somit Kosten sparen - auf was sollten Autofahrer dann achten?
Rundum gut geschützt: Während die Kfz-Haftpflicht für alle Autohalter obligatorisch ist, sind Teil- und Vollkaskoversicherung freiwillig. Wichtig für die Beitragsbemessung aller drei Arten ist die Typklasse. Foto: Robert Guenther/dpa-tmn Jedes vierte Auto bekommt neue Typklasse in der Versicherung Die Versicherungswirtschaft errechnet jährlich neue Typklassen für die Autoversicherungen. Die spielen für die Beitragshöhe eine wichtige Rolle. Für elf Millionen Autofahrer ändert sie sich jetzt.