So präsentiert sich der Mercedes-AMG A 45 auf der Strecke

21.08.2019
Als AMG 45 wird der A-Mercedes von einem trendigen Golf-Gegner zu einem Supersportwagen in Kleinformat, der ohne weiteres für ein Geschwindigkeitsrausch sorgt. Doch kann der Kompakte mit Porsche, Ferrari und Co wirklich mithalten?
Die Powerdomes auf der Motorhaube lassen erahnen, dass in dem Mercedes-AMG A 45 bis zu 421 PS stecken. Foto: Daimler AG - Global Communicatio/dpa-infocom
Die Powerdomes auf der Motorhaube lassen erahnen, dass in dem Mercedes-AMG A 45 bis zu 421 PS stecken. Foto: Daimler AG - Global Communicatio/dpa-infocom

Berlin (dpa-infocom) - Die Mercedes A-Klasse lässt die Muskeln spielen. Hat sich der kleinste Mercedes mit seinem Bediensystem MB UX, dem großen Bildschirm und der Sprachsteuerung bislang vor allem als Hightechsammlung auf Rädern einen Namen gemacht, wird er jetzt auch noch zum Spitzensportler.

Denn nach dem Mercedes-AMG A 35 bringt die schnelle Truppe aus Affalterbach im Herbst den A45 in Stellung: Bis zu 310 kW/421 PS katapultieren den Kompakten aus der Golf-Klasse und lassen ihn mit waschechten Sportwagen wie den Porsche 911 in einer Liga fahren. Allerdings dürfte das auch für den Preis gelten. Den will Mercedes zwar noch nicht verraten, doch unter 60.000 Euro wird das neue Top-Modell kaum zu haben sein.

Stärkster Vierzylinder am Markt

Als Gegenleistung gibt es jedoch Kraft pur. Denn wo der AMG 35 noch vergleichsweise lahm und zahm auftritt, drängt sich der 45er in die erste Reihe. Und die Dynamik ist ihm auch anzusehen: Die Motorhaube hat Powerdomes, wie man sie vom C63 kennt, scharf wie Rasiermesser sind überall Spoiler und Luftleitblech montiert, und der Stern prangt im gleichen Panamericana-Grill wie beim Supersportwagen AMG GT.

Doch die A-Klasse ist kein Aufschneider, sondern hat es tatsächlich faustdick unter der Haube. Wo bislang bei den 225 kW/306 PS des A35 Schluss war und das Grundmodell gar mit 70 kW/95 PS auskommen muss, gibt es nun im A45 schon 285 kW/387 PS und im neu eingeführten A45s sogar 310 kW/421 PS. Das macht den von jeweils einem Mitarbeiter per Hand montierten Motor zum stärksten Vierzylinder, der weltweit in Serie produziert wird. Entsprechend imposant sind die Fahrleistungen. Mit maximal 500 Nm beschleunigt der A45s in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und hängt damit sogar einen Porsche 911 ab. Und wer den rechten Fuß stehen lässt, muss sich zwar trotzdem wieder vom Porsche einholen lassen, stürmt dafür aber bis zu 270 km/h den allermeisten anderen Kompakten davon.

Unterschiedliche Fahrprofile auf Knopfdruck

In der Praxis hat der A45 gleich mehrere Gesichter. Während er im Komfortmodus tatsächlich noch so komfortabel ist, dass man damit die Kinder zur Schule fahren kann, wird er mit einem Dreh am schmucken Fahrprofilregler im Lenkrad zu einem Supersportwagen. Spätestens in der Stellung «Sport+» oder «Race» lässt die A-Klasse alle Zurückhaltung weichen. Die neue Doppelkupplung schaltet ihre acht Gänge mit brachialer Härte und dreht bis kurz vor den Begrenzer, das Fahrwerk fängt an zu vibrieren. Dennoch hält sich das ESP merklich zurück und erlaubt ein paar lustvolle Schlenker. Spätestens dann weiß man auch, warum das Lenkrad mehr Grip hat und die serienmäßigen Sportsitze deutlicher tiefer ausgeschnitten sind. Und wer eben noch über die eingebauten Wellness-Programme geschmunzelt hat, freut sich plötzlich über einen Cooldown für den Körper.

Zwar ist die gewaltige Kraft nicht zuletzt dank des Allradantriebs und einer fein zwischen Verantwortung und Vergnügen ausbalancierten Elektronik gut zu beherrschen. Doch weil es Mercedes Profis wie Laien gleichermaßen recht machen will, haben die Schwaben für beide Lager ein elektronisches Gimmick programmiert. Für Routiniers gibt es einen speziellen Drift-Mode, in dem man den Kompakten auch quer um die Kurven treiben kann. Und für alle, die es erst werden wollen, hat Mercedes eine spezielle Trainings-App entwickelt, mit der man auf einer Rennstrecke Runde für Runde schneller wird.

Fazit: Der Asterix der A-Klasse

Als A45 ist die A-Klasse so etwas wie die automobile Entsprechung zu Asterix, dem Gallier, nach einem Schluck Zaubertrank. Denn man darf sich vom kleinen Format nicht täuschen lassen. Mit dem stärksten Vierzylinder der Welt und einem extrem dynamischen Setup ist das kein Kompakter, der sich nur aufbläst. Sondern der A45 ist ein etwas klein geratener Supersportwagen, der mit den Großen auf Augenhöhe fährt.

Datenblatt: Mercedes-AMG A45S

Motor und Antrieb Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 1991 ccm Max.
Leistung: 319 kW/421 PS bei 6750 U/min Max.
Drehmoment: 500 Nm bei 500 - 5250 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplung
Maße und Gewichte
Länge: 4445 mm
Breite: 1850 mm
Höhe: 1412 mm
Radstand: 2729 mm
Leergewicht: 1635 kg
Zuladung: 465 kg
Kofferraumvolumen: 370-1210 Liter
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,9 s
Durchschnittsverbrauch: 8,3 Liter/100 km
Reichweite: 610 km
CO2-Emission: 189 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: EU6dtemp
Energieeffizienzklasse: E
Kosten
Basispreis des Mercedes-AMG A35 AMG: 47.529 Euro
Grundpreis des Mercedes-AMG A 45S: k.A.
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 228 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: Sieben Airbags, LED-Scheinwerfer, Allradantrieb
Komfort: Klimaautomatik, Zentralverriegelung, Sportsitze, MB UX-Beneinsystem
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Stark, schnell, scharf: Mit dem McLaren 570S Spider wird jeder Sommertag zum Spektakel. Foto: McLaren/dpa McLaren 570S Spider im Test: 15 Sekunden bis zur Seligkeit Seit McLaren vor sieben Jahren wieder mit dem Bau von Straßensportwagen begonnen hat, weht buchstäblich ein frischer Wind auf der Überholspur. Jetzt frischt die Brise noch einmal merklich auf. Fahrbahn frei für den offenen McLaren 570S.
Größer, stärker und sparsamer - so soll der Mercedes GLE 450 im Februar in den Handel kommen. Foto: Daimler AG Mercedes GLE im Autotest: Sternzeichen SUV Mercedes ringt um die Krone im SUV Segment und schickt gegen BMW X5, Porsche Cayenne und Audi Q7 den neuen GLE ins Rennen. Der setzt nicht nur auf Luxus und Leistung, sondern auch auf jede Menge smarte Technik und ein eindrucksvolles Fahrwerk.
Der Jaguar XE SV Project 8 hat 600 PS und ist damit das bislang stärkste Straßenauto in der Geschichte der Marke. Foto: Jaguar Land Rover Jaguar XE SV Project 8: Business-Klasse und Boxengasse Verrückt und teuer: Jaguar hat seine brave Mittelklasse-Limousine zum Rennwagen gemacht und dann auch noch eine Straßenzulassung beantragt. Herausgekommen ist der XE SV Project 8. Ein Fahrbericht.
Neues Design, neue Motoren, neues digitales Bediensystem: So geht die Mercedes A-Klasse in die vierte Runde. Foto: Daimler AG Mercedes A-Klasse: Der Golf der Generation Smartphone Gegen sie ist der VW Golf ein Auto von gestern. Denn mit der vierten Generation der Mercedes A-Klasse beginnt zumindest in den Augen der Schwaben beinahe eine neue Auto-Ära. Doch mit dem Fahren hat der Fortschritt nur noch wenig zu tun.