So können Sie das Licht am Fahrrad verbessern

18.02.2020
Heulende Felgendynamos und flackernde Birnchen sind passé. Besseres Licht am Fahrrad bringt größere Sicherheit. Was ist heute Stand der Lichttechnik und an welches Licht kann nachgerüstet werden?
Pflicht zum Licht: Eine Lichtanlage müssen alle Radler parat haben, wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen wollen. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Pflicht zum Licht: Eine Lichtanlage müssen alle Radler parat haben, wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen wollen. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Runterbeugen, drücken und «Zump» - von leisem Heulen begleitet leuchtet Ihnen fortan ein gelblich flackernder Lichtschein den Weg durch die Dunkelheit. Kennen Sie als Radler, oder? Doch die typischen Seitendynamos und Glühlicht haben ausgedient - wie geht Licht am Fahrrad heute besser?

«Stand der Technik bei der Fahrradbeleuchtung sind LEDs, die sehr hell und weit leuchten», sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE). Grundsätzlich unterscheide man zwischen einer batterie- oder akkubetriebenen Ansteckbeleuchtung, etwa für Mountainbikes, oder einer nabenbetriebenen Dynamo-Beleuchtung, wie sie zum Beispiel bei Trekkingrädern ab Werk verbaut ist.

Ganz einfach kann es schon ab etwa zehn Euro leuchten

«Wer gar bisher kein Licht am Fahrrad hat, kann mit einer Ansteckbeleuchtung, die aus Frontscheinwerfer und Rücklicht besteht, problemlos Abhilfe schaffen», sagt Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). «Die Leuchten werden mit einem Gummiband an Lenker oder Sattelstütze befestigt oder in einen Halter gesteckt, der am Rad angeschraubt bleibt». Ein solches Leuchten-Set bekomme man beim Discounter bereits ab etwa zehn Euro.

Unbedingt aber achten sollte man beim Kauf auf das verpflichtende Prüfzeichen für Fahrradbeleuchtungen. Es besteht aus einer Wellenlinie, dem Großbuchstaben «K» und einer Nummer. «Ausschließlich Leuchten mit diesem Prüfzeichen sind nach der StVZO zugelassen», sagt Sebastian Böhm von der Zeitschrift «Aktiv Radfahren».

Billiges Licht sei auf jeden Fall besser als gar keines, sind sich die befragten Experten einig. Sie raten aber dennoch ebenfalls unisono dazu, etwas mehr anzulegen. Zwar sei die Lichtquelle per se dank Prüfzeichen immer tauglich, an der Verarbeitung oder der Ansteckfunktion mangele es bei billigen Angeboten aber schon einmal.

Besser etwas mehr in die Beleuchtung investieren

Ein ordentliches Set bekomme man schon für etwa 40 Euro. Sören Heinze verweist zudem darauf, dass man für diese Preis Leuchten bekomme, die per Akku, nicht per Batterie gespeist werden, und die man an jedem USB-Anschluss aufladen könne. «Wenn man unerwartet etwas länger unterwegs ist, kann so zur Not auch mal mit einer mitgeführten Powerbank nachgeladen werden.»

Man kann indes auch zu viel des Guten tun in Sachen Licht. Etwa wenn man Outdoor-Lampen für Mountainbikes unsachgemäß einsetzt. Diese Scheinwerfer verfügen über eine enorme Leuchtkraft. «Outdoor-Lampen haben im Straßenverkehr nichts zu suchen», sagt Sebastian Böhm. Eine Blendung des Gegenverkehrs sei kaum zu verhindern. Auch straßenzugelassene Scheinwerfer können den Gegenverkehr oder Fußgänger bereits blenden, wenn sie falsch ausgerichtet sind. Böhms Faustregel lautet daher: «Der hellste Punkt des Scheinwerfers sollte etwa zehn Meter vor dem Vorderrad auf dem Boden leuchten».

Nabendynamos sind mittlerweile Standard

Etwas aufwendiger als die Erstausrüstung etwa mit einer Ansteckbeleuchtung ist die Nachrüstung oder Nachbesserung eines bereits ab Werk mit Licht ausgestatteten Rades. Heute sind Nabendynamos Standard. Angst vor höherem Kraftaufwand wie früher beim Seitendynamo am Reifen muss heute keiner mehr haben. «Der Nabendynamo sitzt, der Name sagt es schon, in der Nabe des Rades und dreht sich berührungsfrei, so dass tatsächlich so gut wie kein wahrnehmbarer, zusätzlicher Widerstand entsteht», sagt Roland Huhn.

Einen plötzlichen Lichtausfall, wie er bei der akku- oder batteriebetriebenen Beleuchtung nicht ausgeschlossen ist, gibt es beim Nabendynamo nicht. Das macht es möglich, auch am Tag mit Licht zu fahren. «Ich bin ein absoluter Verfechter des Fahrens mit Licht auch am Tag», sagt Sebastian Böhm. «Was bei Autos und Motorrädern wegen der höheren Sicherheit längst Standard ist, sollte unbedingt auch für Fahrräder gelten».

Brems- und Fernlicht wie beim Auto

Es gibt heute Scheinwerfer mit integriertem Tagfahr- und sogar Fernlicht, sowie Rückleuchten mit Bremslichtfunktion, zählt Sören Heinze auf. Zusatzfunktionen, die auch Sebastian Böhm empfiehlt. Eine Elektronik erkennt, wenn das Fahrrad langsamer wird, dann speist ein Energiespeicher zusätzliche LED und das Rücklicht leuchtet heller. Ab etwa 17 Euro müsse man für ein solches Rücklicht rechnen, teure High-End-Modelle mit Akku kosten auch schon mal um 100 Euro.

Bei den Frontleuchten fällt die Preisspanne deutlich größer aus. «Wir haben kürzlich einen Lichttest durchgeführt, da reichte die Preisspanne von 14 bis 280 Euro. Bereits ab 20 Euro aber gibt es gute Lampen, der Testsieger lag bei 42 Euro.» Mehr brauche der Normalfahrer eigentlich nicht, lautet Sebastian Böhms Urteil.

Der nachträgliche Einbau respektive der Austausch von Leuchten und gegebenenfalls des Dynamos erfordere doch einige handwerkliche Kenntnisse. So mache es Sinn, das Ganze einem Fachmann zu überlassen, rät Huhn. «Fahrradhändler bieten einen Pauschalpreis etwa um 100 Euro an, der dann den Nabendynamo, den Scheinwerfer und das Rücklicht sowie den Einbau beinhaltet», sagt Roland Huhn. Sein zusätzlicher Rat: «Der Einbau des Dynamos in die Felge lohnt sich nur bei teuren Laufrädern.» Ansonsten sei der Austausch der kompletten Felge gegen eine mit Nabendynamo häufig sogar günstiger.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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