Günstig und sauber: Angebot an Elektroautos wächst

17.05.2016
Nehmen die E-Autos nun doch noch Fahrt auf? Während Politik und Industrie jetzt mit einer Kaufprämie locken, wächst parallel das Angebot an Einstiegsmodellen. Ein Überblick.
Elektrische Seele: Sein 81,4 kW/110 PS starker E-Motor soll den Kia Soul EV mit einer Akkuladung bis zu 212 Kilometer weit tragen. Foto: Kia
Elektrische Seele: Sein 81,4 kW/110 PS starker E-Motor soll den Kia Soul EV mit einer Akkuladung bis zu 212 Kilometer weit tragen. Foto: Kia

Berlin (dpa/tmn) - Die Hoffnungen auf ein rasantes Wachstum bei den Elektroautos ruhen neben dem von Staat und Industrie finanzierten Zuschuss auch auf einer deutlichen Ausweitung des Fahrzeugangebots - vor allem am unteren Ende des Segments.

Schon bislang war die Auswahl dort vergleichsweise groß. Auch wer nicht auf Leichtkraftfahrzeuge von Kleinserienherstellern oder Zweirad-Zwitter wie den Renault Twizy umsteigen will, kann aus knapp einem Dutzend Fahrzeugen wählen. In den bürgerlichen Fahrzeugklassen bieten sich neben den baugleichen Modellen Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero an: Renault Zoe, Nissan Leaf, VW Up und Golf, Ford Focus, Kia Soul sowie die Mercedes B-Klasse und der BMW i3.

Die Preise bewegen sich zwischen 19 390 Euro für iOn und C-Zero und annähernd 40 000 Euro für B-Klasse, Golf und i3. Die Reichweiten liegen in der Normmessung bei 150 bis 212 Kilometern. In der Praxis ist das meistens ausreichend. Für die Psychologie aber offenbar noch zu wenig. BMW bietet als einziger Hersteller einen Range Extender: einen Benzinmotor, der an Bord Strom für längere Strecken produziert.

Gerade läuft sich eine neue Generation von Stromern warm, die mit mehr Reichweite und niedrigeren Preisen den Durchbruch schaffen will. Vorreiter dieser neuen Welle ist das Model 3 von Tesla, das vor wenigen Wochen in Kalifornien vorgestellt wurde. In den USA 35 000 Dollar teuer und im Format etwa so groß wie ein 3er BMW, soll das erste Volumenmodell des amerikanischen Akku-Pioniers auf bis zu 350 Kilometer Reichweite kommen, verspricht Firmenchef Elon Musk

GM-Chefin Mary Barra hatte kurz vor Musk den Chevrolet Bolt enthüllt. Er kostet Barra zufolge nach Abzug der staatlichen Förderung in den USA nur 30 000 Dollar und soll über 300 Kilometer weit kommen. Er soll im Herbst 2016 auf die Straße rollen, damit deutlich früher als der Tesla, der frühestens Ende 2017 kommt. Der Bolt bildet die Basis für den weitgehend baugleichen Opel Ampera-e, der laut Hersteller Anfang 2017 in den Handel kommen soll. Als Dritter im Bunde bringt sich auch Hyundai in Stellung und kündigt eine rein elektrische Version des Öko-Modells Ioniq an, die noch in diesem Jahr verkauft werden soll.

BMW stellt für den Sommer eine neue Batteriegeneration im i3 in Aussicht und verspricht mit dann 33 kWh Kapazität eine um 50 Prozent vergrößerte Reichweite. Auf dem Prüfstand soll sie von 190 auf 300 und im Alltag auf immerhin mehr als 200 Kilometer steigen, teilt der Hersteller mit. Daimler will zum Jahresende den Smart erneut mit Elektroantrieb bringen und dann wieder die Preisführerschaft übernehmen. Und wenn VW im Herbst den Golf auffrischt, dann soll der E-Golf einen besseren Akku bekommen.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will VW einen eigenen Elektrobaukasten analog zum Modularen Querbaukasten der Golf-Familie entwickeln und daraus E-Fahrzeuge konstruieren. Sie sollen bei Preis und Reichweite mit konventionellen Verbrennern konkurrieren können, kündigt Dzemal Sjenar an. Er leitet den Aufbau der Designstudien in Wolfsburg und hat Anfang des Jahres mit dem Budd-e schon einmal gezeigt, wohin die Reise für so ein Elektroauto gehen könnte.

Und auch Prestige-Projekte wie der Porsche Mission E, ein elektrisches SUV-Coupé von Audi als Gegner für den Tesla Model X und der nur noch als Elektroauto vorgesehene Nachfolger für den VW Phaeton sind weiterhin fest eingeplant. Das bestätigen die Hersteller in Stuttgart, Ingolstadt und Wolfsburg. Außerdem hat BMW zwischen i3 und i8 ein drittes Modell angekündigt. Auch Mercedes will bis zum Ende des Jahrzehnts ein dezidiertes Elektroauto mit rund 500 Kilometern Reichweite anbieten.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Neuwagen in Europa verbrauchen einer Studie zufolge immer noch mehr Sprit als die Hersteller angegeben. Foto: Christophe Gateau/dpa Auto verbraucht mehr als angegeben - Was können Kunden tun? Wenn der Wagen mehr Sprit schluckt als vom Hersteller angegeben, ist das für Kunden ärgerlich. Das ist keine Seltenheit, wie eine Studie zeigt. Was können Verbraucher tun?
Zwischen dem von Herstellern angegebenen Kraftstoffverbrauch und den von europäischen Kunden festgestellten Verbrauch klafft eine große Lücke. Das ist das Resultat einer Umweltstudie. Foto: Jan Woitas Auch drastisch höherer CO2-Ausstoß bei vielen Autos Mit ihren entscheidenden Hinweisen auf fragwürdige Stickoxid-Werte gelang der Umweltorganisation ICCT 2015 ein Coup. Die VW-Abgas-Affäre wäre ohne sie wohl nicht so schnell aufgeflogen. Jetzt könnte sich eine neue Dimension abzeichnen.
An der Vernetzung der Fahrzeuge untereinander sowie an der Kommunikation mit der Umgebung muss noch gearbeitet werden, um autonomes Fahren auf den Weg zu bringen. Foto: Arne Dedert/dpa Dieselkrise und Kartellverdacht - was kommt danach? Können die Autobauer nach einem turbulenten 2017 im kommenden Jahr nach vorn schauen? Sicher ist: Der Diesel treibt die Branche mit drohenden Fahrverboten und Milliardenkosten weiter um - inklusive Kartellvorwürfen. Aber das Fahrzeug von morgen nimmt Gestalt an.
Beim Umtausch eines Euro-4- oder Euro-5-Diesels sind Prämien bis zu 10.000 Euro möglich. Im Einzelfall kann es sich aber auch lohnen, das Auto vor einem Neukauf zu verkaufen. Foto: Hendrik Schmidt Was Autofahrer zu den Dieselprämien wissen müssen Bis zu 10.000 Euro Umtauschprämie für den alten Diesel? Klingt zunächst nach viel Geld. Doch Dieselbesitzer müssen genau nachrechnen, ob sich solche Prämien für sie lohnen.