Eine Testfahrt im Audi RS6 Avant

27.11.2019
Von wegen brave Familienkutsche: Wer den Audi A6 Avant als RS-Modell bestellt, bekommt einen Supersportwagen in Gestalt einer Kombi-Karosse - und muss sich daher vor niemandem rechtfertigen. Doch spätestens an der Tankstelle fliegt die Tarnung auf.
Ausgestattet mit einem V8-Turbo, Allradlenkung und quattro-Antrieb lässt sich der Audi RS6 Avant den Unterschied zum Sportwagen kaum anmerken. Foto: Audi AG/dpa-mag
Ausgestattet mit einem V8-Turbo, Allradlenkung und quattro-Antrieb lässt sich der Audi RS6 Avant den Unterschied zum Sportwagen kaum anmerken. Foto: Audi AG/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - Audi beweist ein Herz für sportliche Familienväter oder Firmenfahrer. Denn für all jene, die Platz brauchen und brav auftreten müssen, aber eigentlich lieber einen Supersportwagen fahren würden, bauen die Bayern jetzt wieder einen RS6 Avant.

Praktiker mit starker Performance

441 kW/600 PS stark und schnell wie ein Porsche 911, kommt der RS6 Avant noch im Dezember in die Autohäuser und kostet mindestens 117.500 Euro. Dafür gibt es einen genau fünf Meter langen Kombi der gehobenen Mittelklasse, der im Alltag tadellos seinen Dienst tut. Ja, das Leder ist vielleicht ein bisschen zu fein für Kisten und Kübel. Aber wer will, der kann bei aufrechter Rückbank 565 und bei umgelegter Lehne bis zu 1680 Liter hinter die elektrisch aufschwingende Klappe laden. Der Platz in der zweiten Reihe reicht bequem auch für Kinder weit jenseits des Grundschulalters. Und den Fahrer umgarnt der A6 Avant mit einer edlen Ausstattung voll digitaler Displays samt zwei großen Touchscreens und Assistenzsystemen, die auch Langstrecken zu einer leichten Übung machen.

Mit seinem vier Liter großen V8-Turbo entwickelt der RS6 Qualitäten, die weit über einen normalen Kombi hinausgehen. Wie der Urahn RS2, den Audi vor 25 Jahren als extraschnellen Sport-Kombi herausbrachte, liefert auch der 600 PS starke RS6 eine außergewöhnliche Performance. Denn mit seinen bis zu 800 Nm beschleunigt er beim Kavalierstart in 3,6 Sekunden auf Tempo 100. Und während die anderen A6-Ausgaben auf 250 km/h limitiert sind, hat der RS6 im besten Fall Auslauf bis 305 km/h.

Erkennbares Kraftpotenzial

Seine Form und sein Format hindern den RS6 nicht daran, sich während der Fahrt wie ein Sportwagen zu verhalten. Natürlich gibt es leichtere und handlichere Autos für die Kurvenhatz. Doch mit Allradlenkung und quattro-Antrieb, mit Fahrwerken, die wahlweise mit Luft oder Stahl federn, aber immer für eine enge Bindung zwischen Auto und Asphalt sorgen, mit griffigen Bremsen und einer präzisen Lenkung sind die zwei Tonnen und fünf Meter Länge kaum zu spüren.

Ein Spitzensportler, der sich als braver Kombi ausgibt - ganz so radikal wie damals beim RS2 wird das Designkonzept heute nicht mehr umgesetzt. Denn während der A6 angepasst, ja fast schon langweilig auftritt, leistet sich der RS6 durchaus etwas Extravaganz: Der Kühlergrill ist weit aufgerissen und giert förmlich nach Luft für den großen Motor. Die Kotflügel sind prall gefüllt und das mit dicken Endrohren und einer Chromschwinge verzierte Heck zeigt den übrigen Verkehrsteilnehmern, mit wem sie es in Wahrheit zu tun haben.

Sound und Durst eines Sportlers

Auch der Sound des Achtzylinders lässt kaum verkennen, welche Kraft in dem Kombi steckt. Selbst wenn er lange nicht so geräuschvoll die Straße passiert wie etwa ein E 63 von Mercedes-AMG, übertönt der RS6 doch jeden anderen Avant. Würde man ihn nur hören und nicht sehen, man könnte ihn leicht mit dem R8 verwechseln.

Spätestens an der Tankstelle fliegt die Tarnung als Alltagsauto völlig auf. Denn auch die Zylinderabschaltung und der Mild-Hybrid mit einem 48-Volt-Generator für ein bisschen Anschub beim Start und vor allem mehr Rekuperation können den Durst des Kraftwerks kaum zügeln. Schon im Normzyklus verbraucht der RS6 Avant 11,5 Liter (CO2-Ausstoß 263 g/km) und liegt damit über den meisten Sportwagen seines Kalibers. Da bezahlt man den Preis für den Mehrwert, den ein ausgewachsener Kombi gegenüber einem handlichen Coupé bietet.

Fazit: Faszination mit einem Hauch von Vernunft

Natürlich geht es beim RS6 mehr um die Faszination am schnellen Fahren als um vernünftige Mobilität. Und niemand nimmt dem Audi ab, er sei lediglich ein praktischer Kombi. Doch als Supersportwagen mit ausgewachsener Rückbank und großem Stauraum bietet der Athlet unter den Avants dennoch einen gewissen Vorteil und wird so eben doch eine Alternative für das klassische Hochleistungscoupé.

Datenblatt: Audi RS6 Avant

Motor und Antrieb V8-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 3996 ccm
Max. Leistung: 441 kW/600 PS bei 6000 bis 6250 U/min
Max. Drehmoment: 800 Nm bei 2050 bis 4500 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Achtgang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 4995 mm
Breite: 1951 mm
Höhe: 1487 mm
Radstand: 2930 mm
Leergewicht: 2075 kg
Zuladung: 665 kg
Kofferraumvolumen: 3565-1680 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 305 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,6 s
Durchschnittsverbrauch: 11,5 Liter/100 km
Reichweite: 630 km
CO2-Emission: 263 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Schadstoffklasse: EU6d
Effizienzklasse: F
Kosten:
Basispreis der Modellreihe (Audi A6 Avant 35 TDI) 50.000 Euro
Grundpreis des Audi RS6 Avant: 117.500 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer pro Jahr: 416 Euro
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Front-, Seiten- und Vorhangairbags, LED-Scheinwerfer, automatische Abstandsregelung, Allradantrieb
Komfort: Klimaautomatik, Zentralverriegelung, Lederausstattung
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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