Bei Parkrempler keine Regresspflicht gegenüber Versicherung

11.01.2019
Der Parkplatz ist voll mit Autos und man hat Mühe aus der Parklücke herauszukommen. Da ist ein Rempler an einem anderen Fahrzeug schnell geschehen. Spielt es dann für die Versicherung eine Rolle, ob man den Unfall bemerkt hat oder nicht?
Beim Ausparken gestreift? Kann die Versicherung in diesem Fall Regress vom Verursacher verlangen? Foto: Arno Burgi
Beim Ausparken gestreift? Kann die Versicherung in diesem Fall Regress vom Verursacher verlangen? Foto: Arno Burgi

Berlin (dpa/tmn) - Bei Unfallflucht kann die Versicherung den von ihr beim Gegner ersetzten Schaden vom Verursacher zurückfordern. Doch diese Regresspflicht kann unter bestimmten Umständen entfallen.

Das ist der Fall, wenn der Verursacher den Unfall nicht bemerkt hat oder die Versicherung in jedem Fall hätte zahlen müssen. Also auch dann, wenn der Unfall bemerkt worden wäre.

Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Berlin: Beim Ausparken beschädigte eine Frau mit ihrem Auto ein anderes Fahrzeug. Den dort entstandenen Schaden ersetzte ihre Versicherung, forderte aber Regress. Denn die Autofahrerin hätte aufgrund der Unfallflucht ihre Pflicht verletzt. Diese wiederum argumentierte, den Unfall nicht bemerkt zu haben. Und selbst wenn, hätte die Versicherung den Schaden ebenfalls begleichen müssen.

Vor Gericht bekam die Frau Recht. Ob sie den Unfall beim Ausparken bemerkt hatte, darauf komme es nicht an. Denn auch dann hätte die Versicherung zahlen müssen. Zudem müsse die Möglichkeit einer Unfallflucht wegen Fahruntüchtigkeit ausscheiden. Denn Parkunfälle seien nicht «alkohol- und/oder betäubungsmitteltypisch» (Az.: 119 C 3173/17). Über das Urteil berichtet die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Eine Reifenprofil-Check ist kinderleicht. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Technische Mängel am Auto: Was Fahrer beachten müssen Kennen sie den Zustand ihres Autos wirklich? Vor dem Amtsgericht Winsen muss sich derzeit ein Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Er soll mit abgefahrenen Reifen unterwegs gewesen sein. Autofahrer sollten also immer wieder ein Blick aufs Fahrzeug werfen.
In guten Händen wohl behütet: Doch welchen Versicherungsschutz brauchen Autofahrer, damit ihr vierrädriger Begleiter so gut abgesichert ist? Foto: Robert Günther/dpa-tmn Ein Versicherungs-ABC für Autofahrer Versicherer gibt es unzählige, und alle haben andere Konditionen und Preise. Welche sind für Autofahrer aber sinnvoll? Und wie sollte man sich bei einem Unfall ihnen gegenüber verhalten?
Carsharing funktioniert nicht nur über ein Unternehmen. Man kann so etwas auch privat organisieren, sollte das aber genau prüfen. Foto: Rolf Vennenbernd Privates Carsharing: Mit der Autoversicherung klären Wer sein Auto über ein ehrenamtliches Carsharing-Modell auch anderen Fahrern zur Verfügung stellen will, muss das rechtzeitig mit seiner Kfz-Haftplichtversicherung klären. Doch was gilt für die Vollkasko - übernimmt sie nach einem Unfall eines anderen Fahrers alle Schäden?
Geregelte Übergabe: Auch beim Verleihen unter Freunden sollten feste Vereinbarungen getroffen werden. Foto: Christin Klose Was beim Verleihen des Autos zu beachten ist Wenn aus «Kann ich mir mal eben dein Auto leihen?» mehr als ein Freundschaftsdienst wird, kann das vor allem für den Halter ärgerlich werden. Ein Vertrag vorab soll für mehr Klarheit und Fairness sorgen, wenn es etwa zum Unfall kommt.