Automarken auf zwei Rädern: Die Fahrräder der Fahrzeugbauer

05.04.2016
Autos und Fahrräder: Diese Kombination verträgt sich auf der Straße nicht immer. Für einige Autobauer sind Drahtesel dagegen eine willkommene Ergänzung der eigenen Produktpalette. Ein Einblick in den Markt.
Limitierte Auflage: Vom Rotwild GT S legte die Mercedes-Tochter AMG 100 Stück zu je 9990 Euro auf. Foto: Daimler
Limitierte Auflage: Vom Rotwild GT S legte die Mercedes-Tochter AMG 100 Stück zu je 9990 Euro auf. Foto: Daimler

Stuttgart (dpa/tmn) - Nur Fahrzeuge bauen Autohersteller schon lange nicht mehr. Sie bieten ihren Markenfans in den eigenen Shops vom passenden T-Shirt bis zum Plüschtier, von der Computer-Maus bis zur Sporttasche mal mehr und mal weniger nützliche Produkte an. Sie alle tragen das Emblem der Marke.

Im Kern stehen die Hersteller für Mobilität. So ist es ja eigentlich nur folgerichtig, dass einige auch eigene Fahrräder bauen: Der Weg vom Vierrad zum Zweirad ist da nicht allzu weit. Wer auch ein Fahrrad seiner Lieblings-Automarke fahren will, muss je nach Marke unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Dabei fällt auf: Je mehr deren Autos kosten, desto teurer sind die Räder.

Während bei VW ein Citybike ab 670 Euro zu haben, kostet das günstigste Erwachsenen-Rad bei BMW schon ab 995 Euro. Bei Mercedes geht es bei 1200 Euro los, Porsche-Räder gibt es ab 2650 Euro. Und wer statt eines Kleinwagens lieber ein Fahrrad der Daimler-Tochter AMG in der Garage stehen haben will, ist mit 9990 Euro dabei. So viel kostet das Mountainbike, das die Tuning-Firma in Zusammenarbeit mit der Fahrrad-Marke Rotwild aktuell auf dem Markt hat. Dieses Luxus-Fahrrad ist auf 100 Exemplare limitiert.

Doch nicht nur AMG kooperiert mit einem Fahrrad-Hersteller bei der Konstruktion seiner Bikes. Das handhaben die genannten Autobauer alle in dieser Form. Schaltung, Reifen und andere Komponenten stammen von etablierten Firmen wie Shimano, Continental oder Schwalbe.

Für Autofirmen ist Image entscheidend. Ihre Produkte sollen für Qualität stehen. «Sie werden darum keinen völligen Mist herstellen», sagt Heiko Truppel vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Den größten Teil des Know-hows und der Technologie holen sich viele Autobauer ohnehin von etablierten Fahrradbauern und Komponenten-Herstellern, sagt er.

Viel Rad-Auswahl bieten die Automarken nicht. VW hat etwa drei verschiedene Räder: ein Mountain-, ein City- und ein Trekking-Bike. BMW bietet sein Cruise-Bike in vier Varianten, darunter ist auch ein E-Bike. Mercedes hat drei Räder im Portfolio, Porsche ebenfalls. Die Räder gibt es in der Regel noch in verschiedenen Rahmengrößen und bei VW zum Teil als Damen- oder Herrenrad. Kaufen kann man die Bikes vor allem in den Online-Shops der Firmen sowie deren Niederlassungen.

Eine echte Fahrrad-Tradition haben deutsche Hersteller nicht vorzuweisen. Opel ist da die Ausnahme. Die Rüsselsheimer begannen ihren Betrieb Ende des 19. Jahrhunderts mit der Fahrrad-Herstellung und avancierten in den 20er-Jahren nach eigenen Angaben zum größten Fahrradbauer der Welt. Alle sieben Sekunden soll damals bei höchster Auslastung ein Fahrrad vom Band gegangen sein. Eigene Fahrräder baut Opel aber längst nicht mehr: 1937 endete die Produktion.

Wenn es um Autohersteller mit Fahrrad-Tradition geht, landet man unweigerlich bei Peugeot. Die Franzosen haben ein großes Angebot, das von Rennrädern, Mountainbikes über Stadtvelos bis zu E-Bikes reicht. Wie Opel hatte auch Peugeot schon im 19. Jahrhundert Fahrräder produziert. Zehnmal gewannen Peugeot-Fahrer die Tour de France.

Doch warum bauen Automarken wie VW oder Mercedes Fahrräder, obwohl sie darin eigentlich keinerlei Tradition haben? Die Antworten darauf sind unterschiedlich. Porsche nennt die Aspekte Lifestyle und Umwelt. BMW will neben Fahrrad- und Sportbegeisterten die eigenen Autokunden mit seinen Bikes ansprechen. Bei Mercedes klingt das ähnlich. Dort sieht man Fahrräder außerdem als Vervollständigung des Gesamtsortiments, vom Auto angefangen bis zum Fahrradträger.

VW wolle mit seiner Lifestyle-Kollektion seine Kunden emotionalisieren und an die Marke binden. «Der begeisterte VW-Kunde soll die Möglichkeit haben, auch ein passendes Rad zu kaufen», heißt es auf Anfrage aus Wolfsburg.

Die Räder sollen also das Mobilitätsangebot der Autobauer komplettieren. «Sie wollen sich ein Stück weit als Mobilitätsmarke darstellen», sagt Fahrrad-Fachmann Truppel. Aus der Entwicklung von E-Bike-Motoren könnten sich dabei Synergien für den Autobau ergeben, glaubt er: «Für die Elektromotor-Entwicklung bei Fahrzeugen können die Erkenntnisse aus dem E-Bike-Bereich durchaus interessant sein.»

Die Produktpalette der Autohersteller bleibt nicht auf Räder beschränkt: In den Shops finden sich mitunter Radkleidung, Helme, Trinkflaschen, Schlösser und Werkzeug. Auch für Kinder gibt es eigene Fahrräder, Laufräder oder Dreiräder. Mercedes und BMW bieten separat Stützräder an. Und schon ist man vom Zweirad zurück beim Vierrad.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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