Abenteuer-Urlaub auf dem Autodach

07.08.2020
Seit Corona die Reisegewohnheiten der Deutschen dramatisch verändert hat, entdecken Autofahrer das Dachzelt als Urlaubsquartier. Längst nicht so komfortabel wie ein Wohnmobil, dafür deutlich billiger
Das Zelt beim Land Rover Defender wird per Kurbel aus einer auf der Reling montierten Transportkiste geleiert. Foto: A.M.Perkovic/Land Rover/dpa-tmn
Das Zelt beim Land Rover Defender wird per Kurbel aus einer auf der Reling montierten Transportkiste geleiert. Foto: A.M.Perkovic/Land Rover/dpa-tmn

Monschau/Wülfrath (dpa/tmn) - Der Trabi hat's einst vorgemacht. Ein Zelt auf dem Dach als Zubehör machte ihn quasi zum Wohnmobil über Nacht. «Pension Sachsenruh» war der liebevolle Kosename für ein Dachzelt, mit dem die DDR-Bürger oft und intensiv auf Reisen gingen.

Heute erfreut sich das Camping auf dem Autodach wachsender Beliebtheit, sagt Dag Rogge. Mit seiner Agentur APS organisiert er weltweite Abenteuertouren auf vier Rädern. Und seit Corona die Reisepläne der Deutschen ordentlich durcheinandergewirbelt hat, erst recht, sagt Rogge: Zum Boom für Outdoor-Aktivitäten kommt jetzt noch der Run aufs Camping.

Günstigere Alternative zum Caravan und Wohnmobil

Ein Dachzelt kann dabei eine echte Alternative zu Wohnwagen oder Wohnmobil sein. Erstens kostet es nur ein Bruchteil, zweitens kann es mit nahezu jedem Fahrzeugtypen kombiniert werden. Und drittens ist es nach dem Urlaub schnell wieder demontiert und in der Garage verschwunden.

Das Angebot ist groß, ebenso die Preisspanne. Und neben unterschiedlichen Arten der Montage mit aufblasbaren Stützen, Schnappmechanismen oder Gestänge zum Kurbeln gibt es zahlreiche verschiedene Formate, sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigen-Vereinigung KÜS. Montiert werden sie alle wie ein Dachgepäckträger oder eine Skibox in den entsprechenden Aufnahmepunkten des Wagens.

Wo bekomme ich ein passendes Dachzelt her?

Wer dabei ganz sicher gehen will, dass Zelt und Auto zusammenpassen, kann ein Dachzelt nicht nur beim Outdoor-Ausrüster bestellen, sondern auch beim Autohändler. Vor allem für ihre Geländewagen bieten viele Hersteller entsprechendes Zubehör an.

So hat Mitsubishi laut Pressesprecher Jörg Machalitzky für den Pick-up L200 ein Dachzelt vorgestellt, das für rund 3500 Euro zwei Etagen bietet: Nachdem die Stützschläuche mit einer Pumpe binnen weniger Minuten aufgeblasen sind, spannt sich laut Hersteller über das Dach der Schlafbereich und auf der Pritsche entsteht eine Art Wohnzimmer.

Wer den neuen Land Rover Defender bestellt, kann nicht nur ab Werk eine in der Flanke integrierte Klappleiter ordern, mit der er dem Geländewagen aufs Dach steigen kann. Die Briten bieten laut Pressesprecher Michael Küster für knapp 4000 Euro zudem ein geräumiges Zelt an. Das wird per Kurbel aus einer auf der Reling montierten Transportkiste geleiert. Und selbst im Zubehörprogramm für den Mini Countryman wird man fündig.

Auch mit Dachzelt gelten bestimmte Regeln

Für Autocamper mit Dachzelt gelten im Grunde die gleichen Regeln wie für Wohnmobile und Wohnwagen: Man darf es nicht uneingeschränkt nutzen und einfach überall damit stehen bleiben. Campen, so schreibt es der ADAC, ist in Deutschland nur auf Campingplätzen erlaubt. Doch «zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit» dürfe man überall dort Parken, wo es die Verkehrsregeln erlauben - und dann auch die Schlafmöglichkeiten im oder auf dem Wagen nutzen.

Große Installationen ums Fahrzeug herum, Kochstellen oder Campingliegen sind aber tabu. «Oder man fragt einfach einen Bauern und stellt sich auf Privatgrund», rät Rogge: «Wer nett «Bitte» sagt und seine Hinterlassenschaften wieder mitnimmt, findet so in der Regel schnell einen Stellplatz.»

Wie viel kann das Autodach tragen?

Daneben ist beim Dachzelt die Dachlast des Fahrzeugs zu beachten. Von Werten, die üblicherweise weit unter 100 Kilo lägen, dürfe man sich allerdings nicht abschrecken lassen, so Rogge. Es gelte, zwischen der dynamischen und der statischen Dachlast zu unterscheiden. Beim Fahren ist sie viel geringer, weil das hohe Gewicht so weit oben den Schwerpunkt und damit die Straßenlage des Autos beeinflusst.

Im Stand dagegen geht es darum, wie viel Gewicht die Karosserie ohne Schaden tragen kann. «Und das reicht in der Regel locker für das Zelt und zwei Schläfer. Erst recht bei Geländewagen, die eigens dafür häufig ein verstärktes Dach haben», sagt Rogge.

© dpa-infocom, dpa:200806-99-65771/5


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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