Überschrittene Richtgeschwindigkeit: Geschädigter haftet mit

30.08.2019
Die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen ist zwar kein verpflichtendes Tempolimit, dennoch kann es sich lohnen, sich daran zu halten. Das zeigt ein Fall, der vor dem Oberlandesgericht Celle verhandelt wurde.
Auf der Autobahn gilt eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Wer schneller fährt, kann bei einem dadurch mitverursachten Unfall mithaften. Foto: Sebastian Gollnow
Auf der Autobahn gilt eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Wer schneller fährt, kann bei einem dadurch mitverursachten Unfall mithaften. Foto: Sebastian Gollnow

Celle (dpa/tmn) - Auf der Autobahn gilt eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Wer schneller fährt, kann bei einem dadurch mitverursachten Unfall mithaften. Das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle (Az.: 14 U 153/18),auf das der ADAC hinweist.

Auf einer dreispurigen Autobahn fuhr ein Autofahrer mit circa 110 km/h auf der Mittelspur. Unvermittelt und ohne zu blinken setzte er dazu an, auf den linken Streifen zu fahren. Vor ihm fuhr ein extrem langsamer Lkw, dem er ausweichen wollte.

Er bemerkte aber noch das Auto, das sich auf der linken Spur mit etwa 150 km/h von hinten näherte. So machte er nur einen halben Spurwechsel und ließ eine Lücke. Der schnellere Hintermann wich so weit nach links aus, dass er mit der Leitplanke zusammenstieß.

Den Schaden wollte der Hintermann voll vom Spurwechsler ersetzt bekommen. Dessen Versicherung jedoch weigerte sich und argumentierte wie folgt: Zum einen sei er zu schnell gefahren, zum anderen hätte er den Unfall vermeiden können, da der Spurwechsel bewusst nicht vollendet worden sei, um eine Vorbeifahrt zu ermöglichen. Außerdem sei der Spurwechsler zu diesem Manöver gezwungen worden, da er ansonsten mit dem Lkw zusammengestoßen wäre.

Das Gericht entschied auf ein Haftungsteilung von 80 Prozent zu Lasten des Spurwechslers. Grundsätzlich sei von dessen Alleinhaftung auszugehen. Doch es sei zu berücksichtigen, dass der Geschädigte sich nicht als Idealfahrer verhalten habe und schneller als die Richtgeschwindigkeit fuhr. Der Unfall war somit nicht unabwendbar, der Hintermann musste zu 20 Prozent haften.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das Wetter als Tempomacher: Behindert beispielsweise Nebel die Sicht unter 50 Meter, müssen Autofahrer mit Nebelschlussleuchte aber nicht schneller als 50 km/fahren. Foto: Tobias Hase Raserei bis Schneckentempo: Wissenswertes zu Tempoverstößen Tempolimits zeigen an, wo wie schnell gefahren werden darf. Was ist aber eine Richtgeschwindigkeit und muss das Tempolimit immer angezeigt werden? Und können Autofahrer auch zu langsam unterwegs sein?
Das Überschreiten der Richtgeschwindigkeit kostet zwar kein Bußgeld. Im Falle eines Unfall sind jedoch haftungsrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Was bedeutet eigentlich Richtgeschwindigkeit? Auf Straßen ohne Tempolimit wird häufig eine Richtgeschwindigkeit ausgewiesen. Das klingt wie eine Empfehlung. Doch Vorsicht: Bei einem Unfall kann eine Überschreitung schwere Folgen haben.
Ist ein Unfallbeteiligter im Winter mit mehr als der empfohlenen Richtgeschwindigkeit unterwegs, kann er zur Mithaftung gezwungen werden - auch wenn er den Crash nicht verursacht hat. Foto: David-Wolfgang Ebener Schneller als Richtgeschwindigkeit auf glatter Straße Kommt es im Winter zu einem Unfall, haftet nicht immer nur der Unfallverursacher. Entscheidend ist auch, wie schnell die anderen Beteiligten unterwegs waren.
Seit 60 Jahren gibt es das Tempo 50 in Ortschaften. Foto: Sebastian Gollnow/dpa 60 Jahre Tempo 50 Emotionale Diskussionen über Tempolimits haben in Deutschland Tradition. Vor sechs Jahrzehnten war es ein Kraftakt, Tempo 50 in Ortschaften durchzusetzen. Heute geht es um Tempo 30.