Wie lüftet man den Keller im Winter?

20.01.2020
Was im Wohnzimmer und der Küche üblich ist, macht man im Keller kaum: Regelmäßig stoßlüften. Dabei droht Schimmelbildung, wenn man zu wenig oder gar dauerhaft in Kippstellung lüftet.
Im Sommer lüften Keller-Bewohner am besten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Die warme Luft kann sonst zu Kondensation an den kalten Wänden führen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Im Sommer lüften Keller-Bewohner am besten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Die warme Luft kann sonst zu Kondensation an den kalten Wänden führen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

München (dpa/tmn) - Viele Keller müffeln. Das liegt auch daran, dass sie falsch gelüftet werden. Wobei einfach nur die Fenster aufzureißen, auch nicht die Lösung ist: Denn frische Luft von draußen kann je nach Umstand die Bildung von Schimmel beschleunigen. Wie macht man es nun richtig?

Das Problem: «Weil die Kellerräume vom kühlen Erdreich umgeben sind, ist die Innenoberflächentemperatur der Außenwände niedriger als bei den anderen Räumen», erklärt Alexander Lyssoudis von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Das hat zur Folge, dass der Keller im Winter und im Sommer völlig unterschiedlich gelüftet werden sollte.

Eigentlich am einfachsten hat man es im Winter: Wenn dann die Außenluft kalt und trocken ist, können Keller unproblematisch gelüftet werden. «Die feuchte Kellerluft wird bei offenen Fenstern gegen die kalte Winterluft ausgetauscht», erläutert Lars Beckmannshagen vom Hamburger Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt (ZEBAU).

Zu langes Lüften fördert Schimmelbildung

«Man sollte allerdings nicht zu lange lüften, sonst kühlen die Bauteile aus», ergänzt der Experte. Denn das wiederum kann auch ein Problem werden: An denn dann kalten Wänden kondensiert die feuchte Luft. Der Wasserfilm ist ein optimaler Nährboden für Schimmel.

Im Sommer sollte man die Fenster nicht dann öffnen, wann es einem selbst am ehesten passt. «Dann ist die Außenluft warm und feucht. Wenn sie dann im Keller auf die kalten Oberflächen der Wände trifft, bildet sich Kondensat und es kann zu Schimmelbildung kommen», erklärt Robert Kussauer vom Bundesverband Schimmelpilzsanierung. Das heißt: Je öfter so gelüftet wird, desto größer ist die Gefahr.

Deshalb rät er für die warme Jahreszeit: Nicht tagsüber, sondern nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden lüften, wenn es draußen kühler ist. Den restlichen Tag über bleiben alle Fenster besser geschlossen. Diese Sommerkondensation verstärkt sich noch, wenn feuchte Wäsche im Keller trocknet. «Im Sommer ist das keine gute Idee, man würde sich damit nur noch zusätzliche Feuchtigkeit in den Keller holen», sagt Beckmannshagen. Besser ist es, die Wäsche im Freien aufzuhängen, wo sie bei Sonne und Wind schnell trocknet.

Im Winter dagegen ist das Wäschetrocknen drinnen durchaus möglich, weil die Feuchtigkeit leichter durch geöffnete Fenster entweicht und von der kalten Außenluft aufgenommen werden kann. Das heißt sogar: Der Raum muss immer gut durchlüftet werden.

Fenster auf, Heizung aus

Während des Lüftens sollte die Heizung vollkommen abgestellt sein, sonst erreicht sie schnell den maximalen Durchlauf, weil sie ständig gegen die einströmende kalte Luft anheizt. Die Folge: Die Heizkosten steigen. «Nach dem Lüften sollte die Heizung wieder auf die vorher herrschende Temperatur eingestellt werden», ergänzt Kussauer. Sonst droht auch hier das gleiche Problem: «Sind die Umfassungswände zu kalt, steigt das Risiko einer Kondensatbildung auf den Wänden.»

Es macht einen Unterschied, ob die Kellerräume bewohnt oder unbewohnt sind. Keller, die nur als Lagerräume genutzt werden, sind meist kühler als bewohnte Räume, weil sie in der Regel nicht gedämmt und beheizt sind. Hier ist die Gefahr groß, dass an Sommertagen beim Lüften warme Außenluft einströmt und auf den Wänden wieder abkühlt.

Dann setzt sich die Feuchtigkeit an den Wänden und besonders in den unteren Ecken ab. Hier ist regelmäßiges Lüften angesagt, im Sommer bei Nacht und im Winter bei kühleren Außentemperaturen, rät Kussauer.

Bewohnten Kellerräume sind in der Regel gedämmt und werden auf etwa 20 Grad beheizt, während im umgebenden Erdreich lediglich zwölf Grad herrschen. Aber: «Bei unzureichender oder nicht fachgerechter Dämmung kann Raumluft auf den kühleren Bauteilen kondensieren», erklärt Kussauer. Werden ältere Kellerräume zu Wohnraum umfunktioniert, sollten sich die Besitzer daher Rat von einem Experten holen, der sich mit Bauphysik auskennt und die notwendigen Maßnahmen berechnet.

BfS: Empfehlungen gegen hohe Radon-Konzentration

BfS: Gefährdungspotenzial für Häuser

BfS: Schätzung der Radonkonzentration im Boden

BfS: Radon-Konzentration in Wohnungen

BfS: Radon-Messungen

Keller lüften: Warum Radon ein Problem ist

Mancherorts ist das Lüften des Kellers nicht nur wegen Schimmelgefahr wichtig: Das radioaktive Gas Radon kann sich im Untergeschoss anreichern. Es gilt als Gesundheitsrisiko, denn laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist Radon nach Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Radon entsteht im Erdreich und kann von dort über Risse, Fugen oder Rohrdurchführungen in Innenräume gelangen. Das ist vor allem möglich in Bereichen des Hauses, die Bodenkontakt haben - wie eben dem Keller. Radon ist nicht zu sehen, zu riechen oder zu schmecken.

Der Rat des Bundesamts für Strahlenschutz: Regelmäßig lüften und zwar so, dass bereits nach wenigen Minuten die gesamte Innenraumluft ausgetauscht ist. Das gelingt mit Querlüften. Indem man gegenüber liegende Fenster gleichzeitig öffnet, entsteht Durchzug. Ein Tipp für den beim Lüften oft vergessenen Keller: Die Erinnerungsfunktion des Smartphones nutzen.

Da Lüften allerdings nicht immer ausreicht, sollte man die Radon-Konzentration im Gebäude messen. Gegebenenfalls müssen undichte Stellen in Keller und Erdgeschoss abgedichtet werden.

Radon ist nicht überall ein Problem: Die Konzentration im Boden ist regional sehr unterschiedlich. Sie ist laut BfS tendenziell höher zwischen Mittel- und Süddeutschland und im hohen Norden, genauer gesagt in den meisten Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in Gegenden mit Gesteinsmoränen der letzten Eiszeit.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Schimmel kann selbst entfernt werden, solange der Befall nur oberflächlich und nicht größer als 0,5 Quadratmeter ist. Foto: Daniel Reinhardt Beim Frühjahrsputz im Keller auf Schimmel achten Wer Schimmel etwa hinter einem Schrank entdeckt, kann ihn selbst entfernen - bei einer kleinen befallenen Fläche. Im Frühjahr sollten Hausbesitzer auch im Keller nach solchen Schäden suchen.
Schimmel im Haus kann die Gesundheit der Bewohner gefährden. Vorsorge ist nötig. Foto: Andrea Warnecke Dunkle Seite des Winters: Schimmel im Haus vorbeugen An Zimmerecken oder in den Fensternischen fallen sie als Erstes auf: Im Winter gedeihen Schimmelpilze besonders gut im Haus. Wie beugen Bewohner richtig vor?
Zwischen 40 und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit sind gute Werte. Manche Experten raten aber, stets auch unter 50 zu bleiben. Foto: Andrea Warnecke Luftfeuchtigkeit mit Hygrometer prüfen Gerade im Winter entwickeln sich in vielen Gebäuden schwarze Schimmelflecken am Fenstersims oder in der Zimmerecke. Das liegt an zu hoher Luftfeuchtigkeit. Die kann man aber gut überwachen. Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung hat jetzt Hygrometer getestet.
Ein Schimmelfleck neben der Balkontür kann durch falsches Lüften oder Risse in der Außenwand entstehen - oft streiten Mieter und Vermieter, wer für den Schaden verantwortlich ist und wer die Kosten für die Beseitigung übernehmen muss. Foto: Daniel Reinhardt Schimmel in der Wohnung - ein Grund für eine Mietminderung Schimmelbefall in der Wohnung führt oft zu Konflikten. Mieter und Vermieter weisen sich gegenseitig die Schuld zu: Wer ist den Schaden verantwortlich? Wer muss folglich haften? Die Ursachen für den Schimmel kann meist nur ein Sachverständiger finden.