Steigen jetzt auch die Hypothekenzinsen?

16.06.2021
Die Corona-Pandemie scheint gebannt, die Konjunktur zieht wieder an. Die Folge: Die Preise steigen. Für Immobilienkäufer kann eine anhaltende Inflation zu einem Problem werden.
Wer eine Immobilie finanzieren will, muss sich allmählich auf steigende Zinsen einstellen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Wer eine Immobilie finanzieren will, muss sich allmählich auf steigende Zinsen einstellen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Die Zeichen stehen auf Konjunkturerholung. Über ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie scheint zumindest die größte Krise überwunden. Bemerkbar macht sich das unter anderem an steigenden Preisen. Die Europäische Zentralbank ist von der Inflation aber noch nicht beunruhigt und hält an ihrer Geldpolitik fest.

Immobilienkäufer sollten die Preissteigerung allerdings im Blick behalten. Der Grund: Sollte das ein langfristiger Trend werden, würde das die Bauzinsen in die Höhe treiben, vermutet Max Herbst von der unabhängigen FMH-Finanzberatung. «Vor einem schnellen Anstieg müssen Sie aber keine Angst haben», sagt er im Interview mit dem dpa-Themendienst.

Welche Folgen hat die Inflation auf die Hypothekenzinsen?

Max Herbst: Hypothekenzinsen sind vereinfacht gesagt verknüpft mit den Bundesanleihen. Steigen die Preise, sind Bundesanleihen wegen ihrer niedrigen Verzinsung bei Investoren weniger gefragt. Denn viele sind nicht mehr bereit, Minuszinsen in Kauf zu nehmen. Das sorgt wiederum bei Immobilienkrediten für steigende Zinsen.

Die Hypothekenzinsen hatten im März 2020 ihren Tiefpunkt erreicht: Damals zahlte man für ein Darlehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren im Schnitt 0,62 Prozent Zinsen. Heute sind es schon 0,93 Prozent Zinsen - also fast 50 Prozent mehr. Vermutlich werden die Zinsen demnächst über 1,0 Prozent steigen.

Was sollten Käufer beachten, die ihre Finanzierung planen?

Herbst: Sie müssen sich grundsätzlich auf leicht steigende Zinsen einstellen. Für Banken und Sparkassen ist das eine ideale Zeit. Wenn die Zinsen leicht steigen, können Sie Interessenten immer sagen: Schließen Sie lieber jetzt ab, die Zinsen steigen bald. So lassen sich Kunden immer wieder unter Druck setzen. Das ist aber keine gute Voraussetzung.

Besser ist es, auf gute Bedingungen der Finanzierung zu achten, die zu den eigenen Bedürfnissen passen, als jeder Stelle hinter dem Komma nachzulaufen. Das kann zwar über die Laufzeit einen Unterschied ausmachen. Die Vertragsbedingungen sind aber im Zweifel wichtiger.

Und wenn die Zinsbindung ausläuft besser ein Forward-Darlehen suchen?

Herbst: Diesen Rat gebe ich eigentlich schon seit langem. Aber jetzt gilt er natürlich umso mehr. Mit einem Forward-Darlehen sichern Sie sich die aktuellen Zinskondition für die Zukunft, müssen dafür aber einen Aufschlag zahlen, der je nach Vorlauf zwischen 0,07 Prozent oder 0,66 Prozent bei 60 Monaten Vorlaufzeit liegt. Das kann sich aber lohnen, denn das Zinsniveau insgesamt wird langfristig in jedem Fall steigen.

© dpa-infocom, dpa:210614-99-987096/3

FMH


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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