Radon ist nicht nur in Mittelgebirgen ein Risiko

10.05.2021
Radon entsteht im Boden durch den Zerfall von Uran. Gelangt das radioaktive Edelgas in hoher Konzentration in die Raumluft, kann dies gesundheitliche Folgen haben. Welche Gebiete sind betroffen?
Eine erste, einfache Maßnahme: Ausreichendes Lüften kann helfen, die Radonbelastung zu vermindern. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Eine erste, einfache Maßnahme: Ausreichendes Lüften kann helfen, die Radonbelastung zu vermindern. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Radon kann man nicht sehen, riechen oder schmecken. Doch dringt das radioaktive Edelgas aus dem Erdreich in Gebäude und dann in die Raumluft ein, kann das gesundheitliche Folgen für die Bewohner haben - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen kann Radon haben?

Bernd Hoffmann vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erklärt: Gefährlich wird es, wenn das Radon in die Innenraumluft von Gebäuden gerät. Dort zerfällt es in radioaktive Folgeprodukte, die in die Lunge eindringen. Das Einatmen von Radon zählt neben dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken. Auch die Weltgesundheitsorganisation stuft Radon als krebserregend ein.

Ob und wann die Krankheit ausbricht, sei wesentlich von der Belastung mit dem Gas und von der Dauer abhängig. Man rechnet mit einer Expositionsdauer von 20 bis 30 Jahren.

Wie entsteht Radon genau und wo kommt es vor?

«Radon gilt weithin als regionales Problem für Bewohner in Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald oder dem Erzgebirge», so Hoffmann. «In der Tat kommt es dort, geologisch bedingt, sehr häufig vor.»

Denn Radon kommt aus dem Boden - es entsteht durch den Zerfall von Uran, das in Böden und Gestein von Natur aus enthalten ist. Dieser Vorgang vollzieht sich in vielen Regionen in Deutschland. So können auch Regionen wie Berlin oder Norddeutschland betroffen sein, wie eine Karte auf der BfS-Internetseite zeigt.

Das Edelgas sucht sich seinen Weg durch alle möglichen Risse, Ritzen, offene Fugen, gestampfte Lehmböden und Durchlässe. Marc Ellinger vom Verband Privater Bauherren (VPB) erklärt: Solche Eintrittsstellen entstehen etwa an den mit Erde angefüllten Außenwänden oder in Naturkellerböden. Auch in neuen Gebäuden mit dichten Kellern kommt Radon vor. «Man sieht es einem Keller von außen nicht an, ob eine Radonbelastung vorliegt oder nicht», so Hoffmann.

Sollte man vor einem Hauskauf eine Radonmessung veranlassen?

Auch wenn Gebiete bisher nicht mit hohen Belastungen ausgefallen sind, rät Marc Ellinger dazu. «Ein Grundstück kann stark von Radon belastet sein, eines, das ein paar Metern entfernt liegt, aber nicht.» Entscheidend für die Belastung ist die Durchlässigkeit des Bodens. Sie könne in der unmittelbaren Nachbarschaft stark variieren.

Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist es auch möglich, Radon selbst zu messen. Das notwendige Equipment, also passive Radon-Detektoren, erhalten Verbraucher von Messlaboren, die das Bundesamt für Strahlenschutz anerkennt. Laut BfS kostet eine Messung - Gerät und Auswertung - je nach Labor zwischen 30 und 50 Euro.

Eine dieser Dosen kommt in den Keller. Eine weitere Dose platzieret man im Schlafzimmer. Um einen Jahresmittelwert zu erhalten, sollte man die Messung mindestens zwölf Monate lang durchführen.

Bei welchen Messwerten besteht Handlungsbedarf?

«Der Referenzwert beträgt 300 Becquerel pro Kubikmeter Innenraumluft», sagt Hoffmann. «Aber das ist eben nur ein Referenzwert. Ab Werten von 100 bis 200 sollte man schon überlegen, wie man Abhilfe schaffen kann.»

Im neuen deutschen Strahlenschutzgesetzgibt es verbindliche Regelungen zum Schutz vor Radon in Wohnräumen sowie an Arbeitsplätzen. «Daraus ergeben sich auch Verpflichtungen für Arbeitgeber und Bauherren», erklärt Hoffmann. Arbeitgeber müssen in sogenannten Radonvorsorgegebieten die Belastung messen, über das Ergebnis informieren - und natürlich Gegenmaßnahmen treffen.

Bei privaten Neubauten besteht die Pflicht, durch bauliche Maßnahmen zu verhindern, dass Radon in das Gebäude eindringen kann. In bereits bestehenden Privatgebäuden können Eigentümer freiwillig Maßnahmen ergreifen, um die Radon-Konzentration zu senken.

Wie lässt sich die Radonbelastung reduzieren?

Die erste und einfachste Schutzmaßnahme ist Lüften. «Bei regelmäßigem Luftwechsel mit der Außenluft können die Radonkonzentrationen in Räumen nicht allzu sehr ansteigen», meint Marc Ellinger. Auch Lüftungsanlagen könnten Abhilfe schaffen.

Außerdem empfiehlt Ellinger die Abtrennung des Treppenhauses vom Wohnbereich durch radondicht erstellte Wände und mit dicht schließenden Türen zum Wohnbereich.

Für den Neubau gilt: «Wer einen ordentlichen wasserdichten Stahlbetonkeller bauen lässt, bekommt im Regelfall auch einen nahezu radondichten Keller», so Marc Ellinger.

© dpa-infocom, dpa:210507-99-510964/2

BfS: Karte zu betroffenen Gebieten in Deutschland

BfS: Messlabore

Strahlenschutzgesetz zu Radon

BfS: Was ist Radon?

BfS: Wie wirkt es sich auf die Gesundheit aus?

BfS: Radon messen

BfS: Vorsorgegebiete

BfS: Vorschriften für Gebäude und Arbeitgeber

WHO: Radon und Gesundheit


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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