Pachten statt kaufen - Auf die Grundstücks-Lage kommt es an

09.05.2016
Es muss nicht immer der Kleingarten sein. Wer selbst keinen Garten hat, kann auch ein größeres Wochenendgrundstück pachten, auch für viele Jahre. Details zur Nutzung und mögliche Zusatzkosten sollten aber genau festgelegt sein.
Entspannt im eigenen Garten sitzen, das wollen viele. Doch man muss ein Wochenendgrundstück nicht gleich kaufen. Pachten ist oft günstiger. Foto: Patrick Pleul
Entspannt im eigenen Garten sitzen, das wollen viele. Doch man muss ein Wochenendgrundstück nicht gleich kaufen. Pachten ist oft günstiger. Foto: Patrick Pleul

Berlin (dpa/tmn) - Eine Wohnung in der Stadt hat viele Vorteile. Kurze Wege, gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel - nur der Garten kann schon einmal fehlen. Eine Möglichkeit, sich zu behelfen, ist ein Wochenendgrundstück. Den Vertrag sollten sich künftige Pächter aber genau durchlesen.

Zunächst sollte im Pachtvertrag Inventarliste enthalten sein. «Im Vertrag sollte eine möglichst genaue Beschreibung dessen stehen, was ich pachte, also eine Auflistung mit allem, was zum Pachtgrundstück gehört», erklärt Thomas Hannemann von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Vertraglich geklärt werden sollte auch die Nutzung des Grundstücks. «Darf es bebaut werden? Darf ein bestehendes Gebäude verändert werden? Ist der Pächter womöglich zur Instandhaltung eines bestehenden Gebäudes verpflichtet?», formuliert Roger Gapp vom Verband Haus- und Wohneigentum entscheidende Fragen.

Natürlich sollte auch die Bezahlung geregelt sein. Dazu gehören die Höhe des Pachtzinses, die Regelung, wann das Geld zu bezahlen ist - etwa quartalsweise oder jährlich - und ob es direkt an den Eigentümer oder an einen im Vertrag festgelegten Verwalter gezahlt werden soll.

Auch die Frage der Nebenkosten sollte möglichst detailliert geklärt sein, ergänzt Hannemann: «Gehören die Nebenkosten zur Pacht dazu und wenn, welche fallen an? Werden sie in einer Pauschale erhoben oder berechnet sie der Verpächter anhand der Quadratmeterzahl des Grundstücks?» Grundsteuer, Versicherungen, Abwasser, Strom, Heizung oder Warmwasser könnten auch bei einem Wochenendgrundstück anfallen.

Außerdem sollten Verpächter und Pächter vertraglich festhalten, «wie die Sachen geregelt werden, die mit dem Grundstück zu tun haben», sagt Holger Becker vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer. Darunter falle möglicherweise der Winterdienst, falls das Grundstück an eine Straße grenze und Gehwege daran entlangführen. «Wenn man weiter weg wohnt, wird man einen Dienst damit beauftragen müssen», meint Becker.

Die Kosten müsse der Pächter einplanen, wenn er für den Winterdienst zuständig sei. Eventuell lohne es sich, dafür die Pacht herunterzuhandeln. Auch sollte geregelt sein, wer für die Verkehrssicherungspflicht zuständig sei, etwa, wer Bäume auf dem Grundstück zu pflegen habe, damit keine Äste auf eine angrenzende Straße fallen und Menschen gefährden können.

Nicht zu vergessen ist auch die Laufzeit. Der Spielraum ist groß, es gibt sowohl Einjahres- als auch Zehnjahresverträge, ebenso wie unbefristete. Hier können sich die Interessen von Verpächtern und Pächtern natürlich unterscheiden. «Ein Verpächter ist möglicherweise an einer kurzen Laufzeit interessiert, weil er dann die Pacht häufiger erhöhen kann», meint Gapp. «Wenn die Laufzeit nicht vertraglich festgelegt wird, kann er jährlich gekündigt werden», gibt Becker zu bedenken. Pächtern rät er in der Regel zu langen Laufzeiten. «Im Normalfall würde ich es unter zehn Jahren nicht machen.» Viele Pächter investierten schließlich in das Grundstück.

Auch das Ende des Pachtvertrages sollte detailliert erklärt sein. Verpächter und Pächter sollten sich darauf festlegen, in welchem Zustand das Objekt zurückgegeben werden muss. Hannemann empfiehlt, zu Beginn des Pachtvertrages ein Protokoll über den Zustand des Grundstückes anzufertigen. Das kann Streit am Ende vorbeugen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Neubautgebiete in Berlin, wie hier am Gleisdreieck-Park, sind für potenzielle Käufer interessant: Beim Kauf einer Immobilie ist meist die Lage wichtiger als die Wertsteigerung. Foto: Andrea Warnecke Wertsteigerung ist nicht alles beim Immobilienkauf Der Immobilienmarkt boomt. Angesichts hoher Preise soll oft das Argument künftiger Wertsteigerung Verbraucher zum Kauf einer Immobilie bewegen. Doch Vorsicht: Solche Prognosen bilden eine relativ unsichere Basis für eine Kaufentscheidung.
Vor einer Versteigerung, gibt es meist mehrere Besichtigungstermine. Interessenten sollten sich hier einen Eindruck von der Immobilie verschaffen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Zum ersten, zum zweiten - Immobilienkauf per Auktion Zum ersten, zum zweiten, 250.000 Euro für Nummer 10 - und schon hat die Wohnung einen neuen Eigentümer. Im engen Markt sind Immobilienauktionen eine Möglichkeit, abseits der üblichen Pfade ein gutes Objekt zu ergattern. Was es dabei zu beachten gibt.
Crowdfunding-Plattformen bringen private Anleger, den Schwarm, zusammen, um damit eine Immobilien zu finanzieren. Foto: Andrea Warnecke Immobilien im Schwarm finanzieren – Crowdinvesting Rund 1000 Euro investieren, vom Immobilienboom profitieren und kräftig Zinsen kassieren. Das klingt gut. Crowdfunding-Plattformen im Internet machen es möglich. Das Geschäft ist für Anleger aber nicht risikolos.
Auf der Suche nach der passenden Immobilie kommt es nicht allein auf die Lage an. Auch Kriterien wie Infrastruktur, Lebensqualität und Arbeit spielen eine Rolle. Foto: Wolfram Steinberg/dpa/dpa-tmn Lila-Lage: Auf der Suche nach dem passenden Zuhause Lage, Lage und nochmals Lage. So hieß lange Zeit das wichtigste Kriterium bei der Auswahl einer Immobilie. Profis ziehen manchmal ein Scoringmodell heran, das den allgemeinen Begriff Lage stärker differenziert. Wie gute Lage dabei aussieht? Lila.