Klappt nur in kleinen Schritten: Hund allein zu Haus

01.05.2020
Als Rudeltiere sind Hunde nicht gerne allein. An den meisten geht dieses Los allerdings nicht vorbei. Um das Tier daran zu gewöhnen, ist ein langsames und behutsames Training nötig.
Steffi Krauß ist Hundetrainerin in Fürstenfeldbruck. Foto: Lea Lechmeier/Martin Rütter DOGS/dpa-tmn
Steffi Krauß ist Hundetrainerin in Fürstenfeldbruck. Foto: Lea Lechmeier/Martin Rütter DOGS/dpa-tmn

Bonn (dpa/tmn) - Für die zwölfjährige Hündin Ella bricht immer wieder eine Welt zusammen. Sie gehörte einem älteren Ehepaar, nie war sie alleine. Im fortgeschrittenen Alter muss sie das nun lernen; ihr Herrchen ist gestorben. Zwar ist Frauchen noch da, doch sie muss auch mal einkaufen oder zum Arzt.

Ella bleibt allein zu Hause. Eine Tragödie für den Hund und Stress für die Besitzerin. Wenn es irgendwie geht, schleicht diese sich aus dem Haus, während der Hund schläft - und hofft, er werde nicht vor ihrer Wiederkehr aufwachen.

«Alleinsein liegt einfach nicht in der Natur eines Hundes», sagt die Hundetrainerin Kristina Ziemer-Falke aus Großenkneten. Sie sind Rudeltiere und auf einen Partner angewiesen. Wer einen Hund haben möchte, aber den ganzen Tag außer Haus ist, muss eine anderweitige Unterbringung organisieren - zum Beispiel bei Hundesittern.

Jeder Hund sollte das Alleinsein lernen

An den meisten Hunden geht das Los des vorübergehenden Singledaseins nicht vorbei. Doch auch Tiere, denen eine Rundumbetreuung geboten werden kann, sollten das Alleinsein lernen - schließlich können sich die Lebensumstände irgendwann ändern.

Die gute Nachricht: Ein gut erzogener Hund übersteht das stundenweise Alleinbleiben ohne Probleme, sagt Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund. Allerdings sollte er sich vorher ausgetobt sowie Blase und Darm entleert haben. «Wesentlich länger als vier Stunden sollten es beim erwachsenen Hund nur in Ausnahmefällen werden, die Maximaldauer liegt bei sechs Stunden», sagt Umlauf.

Die Expertin rät zu Videoaufnahmen, um - am besten gemeinsam mit einem Hundetrainer - vom Verhalten des Tieres, wenn es alleine zu Hause ist, auf den Gemütszustand zu schließen. Dabei geht es auch um die Frage, ob das Tier Angst hat oder es sich deshalb aufregt, weil es nun seinen Menschen nicht mehr kontrollieren kann. Hunde, die regelmäßig zu lange allein gelassen werden, können Möbel oder andere Gegenstände zerstören; sie bellen oder machen in die Wohnung.

Völlige Erschöpfung nach ruhelosem Alleinsein

Laut der Hundetrainerin Steffi Krauß aus Fürstenfeldbruck gibt es aber auch Hunde, die stumm leiden. Ein durch das Alleinsein verstörter Hund kann seinem Menschen nach dessen Heimkehr auf Schritt und Tritt folgen. Sobald er sich sicher ist, dass Herrchen oder Frauchen bleibt, fällt er in einen tiefen Schlaf. Denn er ist nach den Stunden des ruhelosen Alleinseins völlig erschöpft.

Damit es nicht so weit kommt, sollte bereits bei Welpen mit dem Training angefangen werden. Die Hundebabys dürfen aber noch nicht wirklich alleine gelassen werden. Trainiert wird, indem der Mensch den Raum verlässt, die Tür schließt - und sofort wieder aufmacht. Der Welpe sollte beim Abschied und beim Zurückkommen nicht beachtet werden, erläutert Krauß. Schließlich soll der Jungspund nicht lernen, dass es etwas Besonderes wäre, wenn Herrchen oder Frauchen geht.

Am Anfang nur für Sekunden allein

Wichtig ist, die Zeitspanne anfangs so kurz zu halten, dass der Hund gar nicht dazu kommt, sich Sorgen zu machen - es geht also nur um Sekunden. Die Dauer sollte nur langsam erhöht werden. In dieser Zeit sollte immer jemand da sein, um als Betreuung einzuspringen.

Das Training eines erwachsenen Hundes, der schon schlechte Erfahrungen alleine gemacht hat, läuft oft in noch kleineren Schritten ab. Wie bei den Welpen werden auch hier anfangs die Türen in der Wohnung mehrfach täglich für sehr kurze Zeit geschlossen, so dass sich der Hund alleine in einem Raum befindet. Nur langsam wird die Zeitspanne auf wenige Minuten verlängert.

Und weil der Hund schon gelernt hat, dass er gleich alleine gelassen wird, wenn sein Mensch zum Beispiel den Schlüsselbund nimmt oder sich seine Jacke anzieht, sollte man diese Schlüsselreize entkräften. Das funktioniert mit auf den ersten Blick ungewöhnlichen Training: «Man kann die Handtasche mit zur Toilette nehmen, die guten Schuhe beim Fernsehen anziehen und den Schlüsselbund mit zum Wäsche aufhängen nehmen», nennt Krauß Beispiele.

© dpa-infocom, dpa:200430-99-892088/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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