Jeder Achte will die großen Städte verlassen

19.07.2021
Hohe Mieten, wenig Platz und die Erfahrung der Corona-Pandemie: Vielen Menschen haben die Nase voll vom Leben in den großen Städten und wollen sie verlassen, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts zeigt. Wie stark der Druck ist, variiert dabei von Stadt zu Stadt deutlich.
Ab aufs Land oder in die Kleinstadt: Mehr als jeder achte Bewohner einer Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner will diese laut einer Befragung binnen maximal eines Jahres verlassen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Ab aufs Land oder in die Kleinstadt: Mehr als jeder achte Bewohner einer Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner will diese laut einer Befragung binnen maximal eines Jahres verlassen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

München (dpa) - Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie könnten viele Menschen aus den großen deutschen Städten treiben. Mehr als jeder achte Bewohner (12,9 Prozent) der Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner will diese laut einer Befragung des Münchner Ifo-Instituts und des Immobilienportals Immowelt binnen maximal eines Jahres verlassen.

Fast die Hälfte davon nennt Corona dabei als wichtigen Grund für die Entscheidung, aufs Land oder in einer kleinere Stadt ziehen zu wollen. Natürlich wisse man nicht, wie viele Menschen dies wirklich in die Tat umsetzten, doch Pläne binnen sechs oder zwölf Monaten die Stadt zu verlassen, könne man durchaus als relativ konkret sehen, sagt Studienautor Mathias Dolls. Alle knapp 13 Prozent würden aber sicherlich nicht die Großstädte verlassen.

Städte sind kein Sehnsuchtsort

Auffällig sei zudem, dass bei den Menschen außerhalb der großen Städte kein besonders hoher Wunsch vorhanden ist, in diese zu ziehen. Sie seien kein Sehnsuchtsort, sagt Dolls. Dennoch werde es natürlich auch weiterhin Menschen geben, die in die großen Städte ziehen. Ob es am Ende mehr Zuzug oder mehr Wegzug geben werde, könne im Moment noch niemand sagen.

Konkret sagten 5,3 Prozent der befragten Bewohner der großen Großstädte innerhalb von sechs Monaten die Stadt verlassen zu wollen, weitere 7,6 Prozent wollen das binnen zwölf Monaten tun. Umzüge in andere große Großstädte zählten dabei nicht mit.

Ziel der großstadtmüden Bewohner waren meistens kleinere Großstädte oder die Speckgürtel. Besonders Familien mit Kindern und Menschen in der Familiengründungsphase strebten in den suburbanen Raum und in kleinere Großstädte, hieß es vom Ifo. Dolls mahnt daher, dass die Anbindung der Speckgürtel und die dortige Bildungsinfrastruktur an Bedeutung gewinnen werden.

Umzug für viele auch mittelfristig eine Option

Der Trend könnte jedenfalls weitergehen: Jenseits der schnellen Umzugspläne tragen sich noch viele weitere Bewohner der großen Städte mit Wegzugsgedanken. 18,5 Prozent wollen in den kommenden zwei oder fünf Jahren weg. Weitere 24,4 Prozent sagen, ein solcher Umzug käme für sie grundsätzlich infrage. Nicht einmal die Hälfte - 44,2 Prozent - lehnt es ab, die großen Städte zu verlassen. Zum Vergleich: Im ländlichen Raum lehnten mehr als zwei Drittel einen Wegzug an. Für die Umfrage wurden im Mai 2021 rund 18.000 Personen befragt.

Wie viele Menschen die großen Städte verlassen wollen, variiert von Ort zu Ort stark. Besonders häufig ist dies in Hannover der Fall, wo 16,5 Prozent der Befragten sagten, binnen eines Jahres wegziehen zu wollen. Dahinter folgen Frankfurt mit 16,2, Dortmund mit 14,2 sowie Berlin und Stuttgart mit je 14,1 Prozent.

Relativ nah am Durchschnitt liegen Düsseldorf mit 13,7, Köln mit 13,5, München mit 12,5 und Nürnberg mit 12 Prozent. Im Hamburg mit 11,4 und Bremen mit 11,1 Prozent ist der Wegzugswunsch eher unterdurchschnittlich ausgeprägt. Am seltensten wollen die Bewohner von Leipzig mit 10,5, Dresden mit 9,5 und Essen mit 7,6 Prozent ihre Stadt verlassen.

© dpa-infocom, dpa:210719-99-437778/2

Studie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das Coronavirus hat auch gute Seiten: Wer eine Wohnung oder ein Haus kaufen will, kann sich derzeit über sehr billige Kredite freuen. Foto: Markus Scholz/dpa Erleichterung für Immobilienkäufer Wer eine Wohnung oder ein Haus kaufen will, kann sich derzeit über sehr billige Kredite freuen. Am Kapitalmarkt ist das Zinsniveau stark gefallen. Viel spricht dafür, dass es vorerst günstig bleibt.
Angesichts der Unsicherheit über die Folgen der Pandemie erwarten Immobilienexperten eine Stagnation der Immobilienpreise oder leichte Rückgänge. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa Corona-Krise könnte Wende am Immobilienmarkt bringen Die Corona-Krise trifft auch den Wohnungsmarkt: Besichtigungen finden nicht mehr statt, Käufer dürften sich aus Sorge um ihre Jobs und Einkommen zurückhalten. Sind kräftig steigende Mieten und Kaufpreise Geschichte?
Selbst die Corona-Krise hat den Immobilienboom in Deutschland bisher nicht zum Erliegen gebracht. Foto: Lothar Ferstl/dpa Mieten und Kaufpreise steigen trotz Corona-Krise Seit Jahren schon steigen die Mieten und Immobilienpreise in Deutschland. Endet nun mit der Corona-Krise der Boom? Neue Daten geben wenig Hoffnung für Mieter und Wohnungskäufer.
Trotz Corona-Krise lässt der Preisanstieg bei Immobilien nicht nach. Foto: Arne Dedert/dpa Immobilien verteuern sich trotz Corona-Krise kräftig Endet mit Corona der lange Preisanstieg bei Häusern und Wohnungen in Deutschland? Das haben manche Menschen gehofft, die eine Immobilie suchen. Doch neue Zahlen zeigen, dass der Boom ungebrochen ist.