Heizkosten steigen trotz milden Winters

13.01.2020
Zwei kalte Monate haben in einem eigentlich eher warmen Jahr 2019 den Heizbedarf in Deutschland leicht nach oben getrieben und damit auch die Kosten. Doch wie sieht es im langfristigen Vergleich aus?
2019 mussten die Verbraucher zwei (Verivox) bis drei (Check24) Prozent mehr Heizenergie aufwenden als im Jahr zuvor. Foto: Jan Woitas/zb/dpa
2019 mussten die Verbraucher zwei (Verivox) bis drei (Check24) Prozent mehr Heizenergie aufwenden als im Jahr zuvor. Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Heidelberg (dpa) - Trotz des vergleichsweise milden Jahres 2019 müssen die meisten Verbraucher für ihre Heizkosten tiefer in die Tasche greifen. Das ergaben Analysen der Internet-Vergleichsportale Verivox und Check24, die unabhängig voneinander Energiepreis- und Wetterdaten für das vergangene Jahr ausgewertet haben.

Demnach war 2019 zwar nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, und auch die Wintermonate waren fast durchgängig sehr mild. Jedoch war der Januar regional schneereich und kalt und der Mai deutlich kühler als im Vorjahr.

Unter dem Strich mussten die Verbraucher deshalb zwei (Verivox) bis drei (Check24) Prozent mehr Heizenergie aufwenden als im Jahr zuvor. Die Vergleichsportale verwenden bei ihren Auswertungen zum Teil unterschiedliche Basisdaten und kommen deshalb zu leicht abweichenden Ergebnissen.

Gaspreise haben besonders zugelegt

Bei den Preisen hat sich vor allem Gas verteuert. Im Durchschnitt des Jahres und der verschiedenen Regionen stiegen die Gaspreise um 7,6 Prozent. Zusammen mit den Einflüssen des Wetters ergeben sich damit für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Energieverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Mehrkosten von mehr als acht Prozent. Verivox kommt für Gaskunden auf Gesamtkosten von 1125 Euro im Jahr, Check24 auf 1222 Euro.

Der Brennstoff für die Ölheizung war dagegen kaum teurer als im Vorjahr. Verivox kommt auf eine Kostensteigerung von 2,5 Prozent, Check24 auf 1,7 Prozent. Demnach muss der Musterhaushalt bei Verivox durchschnittliche Kosten von 1249 Euro tragen, bei Check24 sind es 1309 Euro. Das Heizen mit Öl ist nur noch wenig teurer als mit Gas. Beim Heizöl ist wegen der schwankenden Preise der Zeitpunkt des Einkaufs entscheidend für die Gesamtkosten.

Höhere Heizkosten in früheren Jahren

Die Heizkosten liegen trotz der Mehrbelastung im vergangenen Jahr immer noch unter ihrem langjährigen Mittel, weil in früheren Jahren sowohl die Temperaturen niedriger als auch die Preise höher waren. So mussten die Verbraucher im kalten und teuren Jahr 2013 noch 1553 Euro für das Heizen mit Gas und 1915 Euro für Heizöl ausgeben. «Ob sich dieser Trend so fortsetzt, bleibt abzuwarten», sagte der Verivox-Energieexperte Valerian Vogel.

Spätestens von 2021 an kommen mit dem Klimapaket der Bundesregierung zusätzliche Kosten auf die Verbraucher zu. Bei einem CO2-Preis von 25 Euro je Tonne werden die Haushalte mit einem Energieverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bei einer Gasheizung mit 119 Euro zusätzlich zur Kasse gebeten, bei einer Ölheizung mit 158 Euro. «Weil für Heizöl höhere Emissionen veranschlagt werden als für Gas, kommen auf Verbraucher mit Ölheizung höhere zusätzliche Kosten zu», sagte Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei Check24.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ein wesentlicher Teil der Heizkosten muss verbrauchsabhängig abgerechnet werden, je nach Mietvertrag mindestens 50 und höchstens 70 Prozent. Foto: Andrea Warnecke Heizkostenabrechnung auf Fehler prüfen Über die Heizkosten ärgern sich viele: Oftmals erwartet man geringere Kosten als tatsächlich in der Abrechnung stehen, denn der Winter war ja eigentlich mild. In der Tat kommen Fehler in der Abrechnung der Betriebskosten nicht selten vor.
Die deutschen Privathaushalte haben im Jahr 2018 nach Berechnungen des DIW rund zwei Prozent mehr Heizenergie verbraucht als im Vorjahr. Foto: Hauke-Christian Dittrich Warum die Kosten für eine warme Wohnung steigen Seit einigen Jahren steigt der Energieverbrauch für die warme Wohnung. Auf die Heizkostenabrechnungen ist das bisher nicht durchgeschlagen. Das könnte sich einer Studie zufolge jetzt ändern.
Wer sein Haus künftig mit Scheitholz heizen möchte, findet auf Geräten im Handel ab April ein Label zur Orientierung. Foto: Hilke Segbers/dpa-tmn Neues Label für Heizungen - Was Käufer wissen müssen Wieder wird ein neues Energieeffizienzlabel zur Pflicht. Nach den Öl- und Gasheizungen müssen vom April an neue Geräte für feste Brennstoffe wie Holz damit gekennzeichnet werden. Was bringt das den Verbrauchern?
Viele Haushalte erhalten Betriebskosten-Rückzahlung. Foto: Jens Büttner Heizkosten 2014 niedriger - Frühzeitige Abrechnung fordern Die Betriebskostenrechnung im Briefkasten hat ihren Schrecken vorerst verloren: Milde Winter und relativ niedrige Energiepreise senken die Heizkosten. Wer das Papier nicht automatisch bekommt, sollte nachhaken.