Zitrone als Frischekick in der Winterküche

06.11.2019
Zitronen sind eine wahre Wunderzutat - auch in der kühlen Jahreszeit. Zitrusfrüchte aus Europa haben dann Hochsaison. Liebhaber würzen Risotto, Pasta oder Geschmortes damit.
Zitronen verpassen dem Essen nicht nur eine besondere Würze, sondern auch einen Schuss Leichtigkeit. Foto: Robert Günther/dpa-tmn
Zitronen verpassen dem Essen nicht nur eine besondere Würze, sondern auch einen Schuss Leichtigkeit. Foto: Robert Günther/dpa-tmn

Tegna/München (dpa/tmn) - Wo immer Zitronen beim Essen im Spiel sind, kommt Leichtigkeit auf. Ihre frische Säure bringt Pep in Gerichte, verstärkt subtil die Aromen von Fisch, Fleisch, Gemüse und Soßen. Gerade in der kühleren Jahreszeit macht schon der Duft gute Laune.

«Die Zitrone hat etwas, was man mit dem Süden verbindet», sagt Kochbuchautorin Erica Bänziger aus Tegna im schweizerischen Tessin. Im Herbst und Winter reisen die Früchte nicht durch die halbe Welt, sondern kommen vor allem aus Spanien und Italien.

«Zitronen geben dem Essen nicht nur eine besondere Würze, sondern sie machen es auch leichter, besser verdaulich und runden es ab», sagt Sterne- und Fernsehkoch Ali Güngörmüs. Es kommt aber auf die Dosierung an, das Essen sollte nicht übersäuert werden. Deshalb reibt der deutsch-türkische Koch in seinem Münchner Restaurant Pageou vor allem Zitronenschale über Fisch- oder Fleischgerichte.

Zitronen-Thymian-Püree perfekt zu Lachs

Auch Gerichte der kühleren Jahreszeit profitieren von der Zitronensäure. Das Zitronen-Thymian-Püree des Sternekochs schmeckt perfekt zu Lachs und Winter-Kabeljau. Dafür drückt er weichgekochte Kartoffeln durch die Presse, gibt Butter dazu, würzt mit Salz und frisch geriebener Muskatnuss und rührt heiße Milch, reichlich Zitronenabrieb, fein gehackten Thymian und Schlagsahne unter.

Erica Bänziger umwickelt zum Beispiel Lammfleischwürfel mit Speck und spießt sie mit Zitronenstücken, frischem Lorbeer oder Salbei auf. «Die gegarten Zitronen kann man mit der Schale mitessen», erklärt die Autorin. Ein Klassiker ist für sie geschmortes Kaninchen mit Zitrone.

Jochen Kempf vom italienischen Restaurant Osteria da Francesco in Hamburg hat bei seinen deutschen Gästen Vorbehalte beobachtet. Zitrone im Dessert komme gut an. «Bei der pikanten Variante wird es schon schwieriger. Viele wissen nicht, dass man die Zitrone mit Schale und Innenleben essen kann», sagt er. In der italienischen Küche sei es üblich, Salate damit zu marinieren. Oder etwa Zitronenmayonnaise zu gegrilltem Fisch zu essen.

Hauptsaison für europäische Zitronen

Zitronen sind zwar immer zu haben. Aber auch sie haben je nach Herkunftsland Saison und werden nach Sorten gehandelt. Im September oder Oktober gehe es mit der Hauptsaison für europäische Zitronen los, sagt Thomas Heeren von der Fruchtagentur Altes Land im niedersächsischen Jork. Hauptlieferanten seien Spanien und Italien, gefolgt von der Türkei. Ende Juni bis Anfang Juli ist der Großteil der europäischen Zitronen dann durch. Danach kommt Überseeware aus Argentinien und Südafrika auf den Markt.

Köche wie Ali Güngörmüs oder Jochen Kempf schwören vor allem auf Süditaliens Amalfi-Zitronen. «Ich finde sie für das italienische Zitronen-Carpaccio sensationell, weil bei der Amalfi-Zitrone das weiße Fleisch etwas dicker und sie nicht so sauer ist», erklärt der Hamburger Küchenchef.

Dazu schneidet er die Zitronenscheiben so dünn wie möglich, mariniert sie mit weißem Traubenessig, Olivenöl sowie Meersalz und lässt sie eine halbe Stunde ziehen. Das passt perfekt zu roh mariniertem Lachs oder gegrilltem Fisch wie Dorade oder Calamaretti.

Die Kochbuchautorin Ursula Ferrigno lernte schon während ihrer Kindheit an der Amalfiküste, dass Zitronen in der Küche eine zentrale Rolle spielen. In ihrem Kochbuch «Lemons & Limes» gibt sie für ein Pastagericht Zitronensaft und -abrieb über Calamari-Ringe, die sie mit Rosmarin, Knoblauch und Chilis in Olivenöl angebraten hat. Das Ganze vermischt mit Spaghettini sowie gerösteten Brotbröseln und serviert es mit Zitronenspalten.

Bundeszentrum für Ernährung zu Zitronen

Webseite Erica Bänziger

Webseite Restaurant Pageau

Webseite Osteria da Francesco

Bundeszentrum für Ernährung zu Imazalil


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Frische durch Zitrusfrüchte: Felix Wessler serviert in seinem Restaurant ein Schwarzwurzel-Mandarinen-Ragout mit Zander und Kartoffelstampf. Foto: Felix Wessler/Inselloft Norderney/dpa-tmn Winterküche mit Orange & Co Pur oder im Dessert sind Orangen und Co ein gesunder Genuss. Zitrusfrüchte geben aber auch der herzhaften Küche einen Aromaschub und verwandeln Salate und klassische Gemüse- und Fleischgerichte in raffinierte Kreationen.
In ein paar Wochen geht die Erdbeerernte in Deutschland los. Foto: Ralf Hirschberger Erdbeeren und andere Früchte Bald ist wieder Erdbeerzeit. Derzeit kann man die Früchte zwar schon kaufen, aber noch sind sie nicht so aromatisch. Obst aus einem Beutel mag schmecken, ist aber kein Ersatz für frisches Obst. Kleine, schwere Zitrusfrüchte haben am meisten Saft.
Die Winterbowle lässt sich variieren: Rechts die Mischung aus Wodka, Zimt, Sternanis und Schwarzem Tee, links zusätzlich mit Champagner aufgegossen. Foto: Franziska Gabbert Köstliche Bowle für die Winterparty vorbereiten Hochprozentiges, guter Wein, Gewürze und saisonale Früchte - Bowle ist auch im Winter ein Höhepunkt der Party. Sie ist lecker und gesellig - und gelingt mit wenigen Tipps und Tricks.
Sanddorn ist pur vom Geschmack her sehr gewöhnungsbedürftig. Die Beeren lassen sich aber zum Beispiel zu Saft oder Marmelade verarbeiten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Was Sanddorn so gesund macht Die rohen Beeren sind den meisten zu sauer, dabei sind sie wahre Nährstoff- und Vitaminbomben. Auch verarbeitet zu Saft, Konfitüre und Co. ist Sanddorn noch eine Bereicherung für den Speiseplan. Aber was macht ihn eigentlich so gesund?