Wie werde ich Sporttherapeut/in?

31.07.2017
Ob Bandscheibenvorfall, Herzfehler oder Depression: Wer nach einer Krankheit oder einer Operation Bewegung braucht, landet häufig bei einem Sporttherapeuten. Deren Beruf ist abwechslungsreich, Karrierewege gibt es reichlich - Geld dagegen eher wenig.
Ein Weg von vielen: Freya Füllgraebe bildet sich per Masterstudiengang zur Sporttherapeutin fort, es gibt aber auch studienbegleitende Zusatzqualifikationen oder Weiterbildungsangebote mit dem gleichen Ziel. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn
Ein Weg von vielen: Freya Füllgraebe bildet sich per Masterstudiengang zur Sporttherapeutin fort, es gibt aber auch studienbegleitende Zusatzqualifikationen oder Weiterbildungsangebote mit dem gleichen Ziel. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn

Köln (dpa/tmn) - Freya Füllgraebe bringt Menschen wieder in Bewegung. Die 25-Jährige absolviert den Masterstudiengang «Rehabilitation, Prävention und Gesundheitsmanagement» an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. Künftig will sie als Sporttherapeutin arbeiten.

Im Hörsaal erwirbt sie dafür die theoretischen Grundlagen, zum Studium gehören aber auch Praktika. Füllgraebe unterstützt ihre Klienten mit sportlichen Übungen dabei, ihre körperlichen Beeinträchtigungen zu überwinden. «Es gibt einem selbst ein gutes Gefühl, anderen zu helfen», sagt sie.

«Sporttherapie kommt im Gesundheitssport, in der Prävention und in der Rehabilitation zum Einsatz», erklärt Ulrike Spitz vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Sporttherapeuten arbeiten oft mit Gruppen und spezialisieren sich auf bestimmte Fachrichtungen. Im Bereich Orthopädie helfen sie Patienten etwa nach einem Bandscheibenvorfall, wieder aktiv zu werden. Jeder Patient ist dabei anders, also müssen auf seine körperliche Verfassung ausgerichtete Trainingspläne zusammengestellt werden.

Leidet der Patient etwa an Bluthochdruck, muss sich das auch im Programm und der Zahl der Übungsstunden niederschlagen. Zeigt ein bestimmtes Training keine Wirkung, dann ist es Aufgabe des Sporttherapeuten, neue Übungen zusammenzustellen. «Das erfolgt oft am Schreibtisch», sagt Füllgraebe. Ihr gefällt der Wechsel zwischen Büroarbeit und «auf der Fläche stehen», wie sie das Anleiten von Patienten nennt.

In den Beruf führen viele Wege - der Studiengang Sporttherapie an der DSHS in Köln ist nur einer davon. Sporttherapie wird auch als Zusatzqualifikation parallel zu oder nach einem sport- oder bewegungswissenschaftlichen Studium angeboten. «Auch Physiotherapeuten mit einer abgeschlossenen Ausbildung können sich zum Sporttherapeuten weiterbilden», sagt Prof. Lutz Vogt von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Künftige Sporttherapeuten müssen spezielle Qualifikationskurse besuchen. «Die Kurse finden zum Teil am Wochenende statt, zum Teil dauern sie mehrere Wochen», sagt Lutz Vogt. Für die Kursgebühren müssen die Teilnehmer selbst aufkommen. Sie liegen zwischen 150 Euro und 400 Euro.

Zur Weiterbildung gehört außerdem ein sechsmonatiges Praktikum an einer ambulanten oder stationären Einrichtung im Gesundheitsbereich. «Das Praktikum kann verkürzt werden, falls schon während des Studiums Praxiserfahrungen gesammelt wurden», sagt Vogt. Danach folgt die Prüfung beim Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie(DVGS). Ist sie bestanden, erteilt der Verband Sporttherapeuten eine Lizenz in einem bestimmten Schwerpunktbereich. Spätestens zwei Jahre danach ist ein Auffrischungskurs im jeweiligen Fachgebiet Pflicht.

Die Bezahlung von Sporttherapeuten ist eher bescheiden, selbst mit einem Hochschulabschluss. Nach Angaben des Portals Gehalt.de, die zum Dienstleister PersonalMarkt gehört, haben Sporttherapeuten ein Jahresgehalt von etwas mehr als 30 000 Euro im Jahr. Auch für Freya Füllgraebe ist die Bezahlung eher ein Nachteil des Berufs. Zudem müssten Sporttherapeuten oft bis in den Abend arbeiten – und häufig auch am Wochenende.

Sporttherapeuten stehen nach Studium oder Weiterbildung viele Türen offen. Arbeiten können sie in Kurkliniken und Krankenhäusern, in Therapiezentren und Fitness-Studios, in Rehabilitationszentren und in Konzernen mit betrieblicher Gesundheitsvorsorge. Die Jobaussichten dabei sind unabhängig vom Karriereweg gut: Denn Menschen werden immer älter, gleichzeitig nimmt die Zahl chronischer Erkrankungen zu.

Informationen des Deutschen Verbands für Gesundheitssport und Sporttherapie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ständiger Spagat: In ihrer Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen muss Lina-Sophie Raabe fachliches und menschliches verbinden. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn Wie werde ich Kauffrau/mann im Gesundheitswesen? Sie jonglieren mit Zahlen und Worten, schreiben Rechnungen und beraten Patienten: Kaufleute im Gesundheitswesen sind echte Allrounder. Doch der Spagat zwischen Bürokratie und Mitgefühl kann zur Herausforderung werden.
Ein Leben ohne Sport kann sich Gonzalo nicht vorstellen. Nun hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Foto: Frank Rumpenhorst Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau? Yoga, Zumba oder Aerobic: Wer Fitnessstudios mag, ist in diesem Beruf richtig. Sport- und Fitnesskaufleute kümmern sich dort um alles Organisatorische. Die Ausbildung ist eine Verbindung aus Sport und kaufmännischen Inhalten.
Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bleibt gefragt. Foto: Oliver Berg Ausbildungsreport: Gleiche Lehrberufe bleiben beliebt In Deutschland gibt es mehr als 350 Ausbildungsberufe, doch ein Großteil der Bewerber konzentriert sich auf eine enge Auswahl. Da bleibt manche Berufsperle mit guten Perspektiven unentdeckt.
Retter am Airport: Lukas Schad ist Azubi zum Notfallsanitäter am Flughafen Frankfurt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa Wie werde ich Notfallsanitäter/in? Notfallsanitäter sind ständig unterwegs, um anderen zu helfen. Der Alltag ist knallhart. Der Job kann ein gutes Gefühl geben, er fordert aber auch Körper und Psyche - manchmal bis an die Belastungsgrenze.