Trotz Corona: Wie ein Sportverein Senioren in Bewegung hält

05.03.2021
In Zeiten von Corona verlagern sich viele Sportangebote auf Online-Kurse. Doch wie erreicht man Menschen, die mit Livestreams und Co. wenig anfangen können? Ein Sportverein im Norden hat sich etwas Besonderes ausgedacht.
Übungsleiterin Babette Rackwitz-Hilke (l) von der TSV Reinbek macht Gymnastikübungen mit Tüchern vor, die Marianne Pinkus am Fenster wiederholt. Foto: Frank Molter/dpa
Übungsleiterin Babette Rackwitz-Hilke (l) von der TSV Reinbek macht Gymnastikübungen mit Tüchern vor, die Marianne Pinkus am Fenster wiederholt. Foto: Frank Molter/dpa

Reinbek (dpa) - Wenn die Sportler wegen der Corona-Pandemie nicht zum Verein kommen dürfen, kommt der Verein zu ihnen: Die TSV Reinbek im südlichen Schleswig-Holstein bietet den Bewohnern einer nahe gelegenen Seniorenwohnanlage zweimal wöchentlich Fenstergymnastik an.

«Das Angebot ist aus Corona erwachsen. Es ist für alle die, die wir mit Livestreams und Videos nicht erreichen, wie zum Beispiel Menschen in einem Altersheim», sagt der sportliche Leiter der TSV Reinbek, Uwe Schneider. So sei die Idee entstanden, extra für diese Menschen etwas zu machen.

Training vor geöffneten Fenstern

«Da wir nicht mehr zu den Menschen ins Haus kommen dürfen, haben wir uns überlegt, die Gymnastik am Fenster zu machen», sagt Übungsleiterin Babette Rackwitz-Hilke. Sie steht vor der Seniorenwohnanlage. An den geöffneten Fenstern warten einige Seniorinnen auf ihr Training, zwei alte Damen sitzen draußen auf ihren Rollatoren. Aus einer kleinen Bluetooth-Box spielt Rackwitz-Hilke an diesem Tag Musik für Senioren-Fitness ab.

«Als uns der TSV die Fenster-Gymnastik angeboten hat, war ich sofort dabei», sagt Teilnehmerin Marianne Pinkus. «Das machen wir dienstags und donnerstags, und das ist wirklich eine super Sache.» Beim Training schwenkt sie wie die anderen bunte Tücher, kreist mit den Armen und Fußgelenken oder macht Dehnübungen.

Gymnastikstunde inzwischen wichtiger Termin

Am Anfang war die Resonanz bei den Senioren nicht so groß, wie Rackwitz-Hilke sagt. «Weil man nicht genau wusste, was soll das jetzt, warum ist da jetzt draußen plötzlich Musik. Aber nachdem sie uns als Übungsleiterinnen erkannt haben, ist das ein wichtiger Termin geworden.»

Denn anders als zu Beginn der Pandemie, als die Stimmung noch gut war, sei sie mit den Kontaktbeschränkungen gekippt und auch depressiv geworden, sagt Rackwitz-Hilke. «Das war das Signal für uns, da müssen wir unbedingt hin und was machen. Sport und Bewegung bewirkt ja auch etwas im Körper, Glückshormone werden freigesetzt. Und das ist unser Ziel: Spaß haben und sich wieder sehen.»

© dpa-infocom, dpa:210305-99-700109/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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