So zauberhaft ist die Blütenküche

26.06.2019
Rosen, Gänseblümchen, Veilchen: Die einen lieben ihr Aroma, andere stehen auf den Duft, den Blüten auf den Teller zaubern. Und sie sind etwas fürs Auge. Von manchen sollte man aber die Finger lassen.
Seit Anfang der 2000er Jahre züchten Tuuli und Matti Kotaja im finnischen Vampula Rosen für ihr Rosenblütengelee. Es hat einen frisch-herben, blumigen Geschmack. Foto: Robert Günther
Seit Anfang der 2000er Jahre züchten Tuuli und Matti Kotaja im finnischen Vampula Rosen für ihr Rosenblütengelee. Es hat einen frisch-herben, blumigen Geschmack. Foto: Robert Günther

Vampula (dpa/tmn) - Für Tuuli und Matti Kotaja ist Ferienzeit Erntezeit. So wie andere Erdbeeren oder Kirschen pflücken, sammeln sie ihre «Rosa rugosa» ein. Genaugenommen die Rosenblätter der Rugosa. Samtweiche, satte pinkfarbene Rosenblätter.

Aneinandergereiht würden die Pflanzen hier in Finnland, auf der nördlichsten Rosenfarm der Welt, eine rund 20 Kilometer lange Reihe ergeben. All diese Pflanzen durchforstet das Farmerpärchen nach den schönsten und kräftigsten Rosenblüten für ihre Konfitüre.

Betriebsgeheimnis

«Nach dem Pflücken werden die Blätter gewaschen und tiefgefroren», erklären die Kotajas. Im Eisschrank warten die Blütenblätter dann auf den Winter, wo sie zu neuem Leben erweckt werden. «Die Blätter werden in kleine Stückchen geschnitten und zusammen mit einigen Spritzern Zitrone, Pektin und Johannisbeeren gekocht», erklärt Tuuli. Ohne Konservierungsstoffe, betont sie. Der Rest: Betriebsgeheimnis.

«Wenn die Konfitüre etwas herber ist, kommt das Rosenaroma mehr zur Geltung», sagt Tuuli. Sie empfiehlt die Rosen-Konfitüre vor allem als Begleiter für Käse, speziell Ziegen-Käse, Roquefort, Brie oder Halloumi. Auch zu Ente, Austern oder Pannacotta passe sie perfekt.

Wer seine Rosen im Garten nicht gerade mit der chemischen Keule beackert, könne gesunde Rosenblätter ruhig in Sekt, Wasser oder im Salat verwenden, ermuntert Matti Kotaja alle Gartenbesitzer. Auch an Marmelade könne man sich wagen und rumexperimentieren.

Zugluft ist Gift

Doch nicht nur Rosenblätter eignen sich für die Blütenküche. «Von Hornveilchen über Kornblumen, Lavendel, Basilikumblüten bis zu Malven sind sehr viele Blüten essbar», sagt Christian Herb, Bio-Gärtner im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau in Kempten im Allgäu. Herb rät, Blüten wie etwa die der Hornveilchen erst kurz vorm Servieren zu pflücken. «Zugluft ist Gift für die zarten Blüten.» Besser sei es daher, sie nur im Kühlschrank etwas warten zu lassen.

Gäste ließen sich beeindrucken, wenn man zur Begrüßung kandierte Veilchenblüten anbietet, sagt Herb. «Ein optischer Hingucker sind auch Eiswürfel mit Blüten. Immer ein paar frische farbige Blütenblätter in den Eiswürfelbereiter streuen und mit dem Wasser einfrieren.»

Die Finger lassen sollten Hobbyköche allerdings von Finger- und Eisenhut sowie Rittersporn. «Die sind giftig», warnt der Gärtner.

Keine Berührungsängste

Für Ursel Bühring bringen Blüten erst so richtig Farbe in die Küche. Warum so viele Leute Berührungsängste mit essbaren Blumen haben, kann die Gründerin der Freiburger Heilpflanzenschule gar nicht verstehen. «Brokkoli und Blumenkohl sind doch auch nur Blüten. Viele Menschen wissen das nur nicht», sagt Bühring, die ein Sachbuch zum Thema Blütenküche geschrieben hat.

Eine ihrer Lieblingsblumen zum Anbeißen sind Gänseblümchen. «Was an denen so toll ist? Sie sind gesund und Alleskönner», so Bühring. Sie steckten etwa in Hustentees. «Dabei wird die schleimlösende Wirkung genutzt», erklärt die Expertin. Sie nutze die kompletten Pflänzchen auch mal wie Feldsalat. Sie seien stabil genug und machen sich durch ihren nussigen Geschmack auch in einer Marinade hervorragend.

Tolle Effekte

In einer Frühlingssuppe wiederum könne man mit Gänseblümchenknospen für einen wahren Wow-Moment sorgen. «Wenn alle schon am Tisch sitzen, reichlich Knospen in die Suppe streuen. Nach zwei bis drei Minuten platzen sie schlagartig auf. Und alle machen Ahhhh.»

Tolle Effekte verspricht auch die Ringelblume. «Weil ihre Blütenblätter alles Mögliche gelb färben kann, wird sie auch als flirrendes Gold bezeichnet», so Bühring. Zum Färben von Reis gebe man die Blättchen die letzten fünf Minuten einfach hinzu. Dann wird der Reis zartgelb. Je mehr Blätter, umso dunkler das Ergebnis.

Für Butter sollten die Ringelblumen-Blättchen im Mörser gemahlen werden. Dann wird das Pulver mit der Butter vermischt. Bühring warnt allerdings: «Nur die Blütenblätter der Ringelblume abzupfen - niemals die Blütenkörbchen. Manche Leute können allergisch darauf reagieren.»

Website von Finnish Plant (Rosen-Konfitüre)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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