Mutter und Kind müssen bei Abstammungsgutachten mitwirken

21.07.2020
Will ein Mann seine Vaterschaft nachweisen, muss die Abstammung des Kindes geklärt werden. Auch Mutter und Kind haben ihren Teil dazu beizutragen.
Nur per Gerichtsbeschluss lassen sich manche familienrechtlichen Fragen klären - etwa die nach Vaterschaft und Abstammung. Foto: Arne Dedert/dpa/dpa-tmn
Nur per Gerichtsbeschluss lassen sich manche familienrechtlichen Fragen klären - etwa die nach Vaterschaft und Abstammung. Foto: Arne Dedert/dpa/dpa-tmn

Frankfurt (dpa/tmn) - Laut Gesetz haben nur leibliche Väter ein Umgangs- und Auskunftsrecht. Steht der leibliche Vater nicht in der Geburtsurkunde, muss er seine Vaterschaft nachweisen.

Um dies zu klären, müssen auch Mutter und Kind an einer Abstammungsuntersuchung mitwirken. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt entschieden (Az.: 6 WF 115/18), wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins mitteilt.

In dem Fall ist die Mutter verheiratet und hat aus dieser Ehe drei Kinder. In der Zeit, als das jüngste Kind gezeugt wurde, hatte sie sowohl mit ihrem Ehemann als auch mit einem anderen Mann eine sexuelle Beziehung.

Mutter stellte Umgang nach einer Weile ein

Nach der Trennung von ihrem Mann hatte der außereheliche Partner Umgang mit dem Kind. Diesen Umgang stellte die Mutter jedoch ein, als sie wieder zu ihrem Ehemann zurückkehrte.

Ihr ehemaliger Partner ist somit nicht rechtlicher Vater, könnte aber der leibliche Vater sein. Er beantragte ein Gutachten zur Abstammung. Die Eltern wehrten sich mit dem Argument, dass Mutter und Kind berechtigt seien, die Mitwirkung an der Begutachtung zu verweigern.

Nur der biologische Vater hat Rechte

Das sah das Gericht jedoch anders und gab dem Vater Recht. Das Gesetz gebe dem leiblichen, aber nicht rechtlichen Vater ein Umgangs- und Auskunftsrecht. Diese Rechte gebe es nur dann, wenn er auch tatsächlich der biologische Vater sei. Mutter und Kind müssten daher einen Abstrich der Mundschleimhaut akzeptieren. Andere müssten sogar eine Blutprobe dulden.

Eine Mitwirkung von Mutter und Kind seien hier zumutbar. Der Vater habe ein ernsthaftes Interesse an dem Gutachten. Außerdem habe er bereits über einen längeren Zeitraum Kontakt zu dem Kind gehabt. Diesen habe die Mutter eingestellt, nicht er.

Dem Gericht kam es nicht auf die Frage an, ob der Umgang dem Kindeswohl dient. Diese Frage könne zurückgestellt und stattdessen zunächst die Einholung des Abstammungsgutachtens angeordnet werden.

© dpa-infocom, dpa:200721-99-871131/2

Urteil des OLG Frankfurt


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Der jüngste Beschluss des Bundesgerichtshofs macht es noch einmal klar: Frauen, die miteinander verheiratet sind, werden nicht automatisch gemeinsame Eltern. Foto: Uli Deck Verheiratete Frauen können kein gemeinsames Kind bekommen Mittlerweile gibt es die «Ehe für alle». Beim Thema Kind haben verheiratete homosexuelle Frauen aber immer noch große Hürden zu überwinden, wie ein Beschluss des Bundesgerichtshofs verdeutlicht.
Eine Deutsche hat sich in der Ukraine eine Leihmutter gesucht und will sich hierzulande als Mutter registrieren lassen. Der BGH erkennt die Mutterschaft jedoch nicht an. Foto: Jens Kalaene BGH: Ukrainische Leihmutter ist offizielle Mutter Ein deutsches Ehepaar wünscht sich ein Kind. Eine ukrainische Leihmutter bringt es zur Welt. Welche Frau ist offiziell die Mutter?
Bei Vaterschaftstests gibt es eine sogenannte Mitwirkungspflicht. Verweigert sich jemand trotzdem, sind auch Umwege möglich - über die Großeltern etwa. Foto: Uli Deck/dpa/dpa-tmn Vaterschaft auch über Großeltern feststellbar Vaterschaftsfeststellungen sollen die Herkunft eines Kindes klären. Kann dies nicht über den Vater geschehen, ist eine solche Feststellung auch über die Großeltern möglich.
Ist das Kind womöglich von einem früheren Liebhaber? Das kann oft nur ein Vaterschaftstest beantworten. Foto: Uli Deck/dpa Ehemaliger Liebhaber hat Recht auf Vaterschaftstest Liebhaber oder Ehemann? Manchmal kann nur ein Gentest ermitteln, wer der biologische Vater eines Kindes ist. Auch wenn die Mutter verheiratet ist, kann sie den Nachweis nicht immer verwehren. Das zeigt ein Urteil aus Oldenburg.