Müssen Kinder alles aufessen?

20.03.2020
Wenn das Kind das Essen nicht mag, stresst das Eltern und am Ende die ganze Familie. Versuchen Sie es doch mal mit einem Nudelfreitag, schlägt eine Expertin vor.
Diesen Kindern scheint es zu schmecken. Foto: Sina Schuldt/dpa
Diesen Kindern scheint es zu schmecken. Foto: Sina Schuldt/dpa

Fürth (dpa/tmn) - Klar wurmt es Eltern, wenn ihre Kochkünste von den lieben Kleinen so gar nicht gewürdigt werden. Erst recht, wenn die Racker den Teller schmollend wegschieben. Auch wenn die Versuchung noch so groß ist: Jetzt bloß nicht den verzweifelten Uroma-Spruch «Wenn du nicht aufisst, scheint morgen keine Sonne» auftischen.

Schließlich hat sich schon Generationen von Kindern nicht erschlossen, was leere Teller mit dem Wetter zu tun haben sollen. Und überhaupt: Müssen Kinder heutzutage noch aufessen?

Die Frage beantwortet Dana Mundt von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) mit einem klaren «Nein». Es sei nicht schlimm, wenn das Kind mal nur Kartoffeln isst - oder auch mal gar nichts. In der Regel reguliere der Körper das ganz gut von allein.

Statt gekränkt zu sein, kommt es für die Sozialpädagogin vielmehr darauf an, dass Eltern den Kindern ein gesundes Essverhalten vorleben. Dazu gehöre auch, dass niemand gezwungen wird, über seinen Sättigungspunkt hinaus zu essen. Mäkelt das Kind sehr oft am Essen rum, sollten Eltern nach Möglichkeiten versuchen, Freude am Genuss zu vermitteln. «Vielleicht mit Lieblingsessenstagen wie dem Nudelfreitag», schlägt Mundt vor.

Hilfreich kann es auch sein, das Kind beim Einkaufen und Kochen mit einzubeziehen: «Was wollen wir mal Neues ausprobieren?» Will das Kind dann eine Mahlzeit extra nur für sich, könnte der Deal sein: «Okay, dann kostet aber jeder mal vom anderen», sagt Mundt. So könne man Verschmähtes mit Abwechslung ruhig immer wieder ins Spiel bringen. Eine weitere Idee sei Gemüse aus der Saftpresse. «Das kommt meist gut an. Oder man drapiert es zum Gemüsekrokodil», so Mundt.

Die Erziehungsexpertin warnt davor, Kinder zu zwingen, kaltes und nicht mehr ansehnliches Essen in sich hineinzustopfen: «Das will man selbst ja auch nicht mehr.» Es bringe auch nichts, Essen mit ernährungsunabhängigen Tätigkeiten zu verknüpfen und zu sagen: «Wenn du nicht aufisst, darfst du auch den Sandmann nicht gucken.» Denn das Sandmännchen habe nun wirklich nichts mit dem Essen zu tun.

bke-Elternberatung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Kinder benötigen ausreichend Zeit zum Essen. Foto: Tobias Hase/Illustration Wie Kinder lernen, sich bei Tisch zu benehmen Wenn Kinder bei Tisch den Zappelphillipp oder den Wüterich geben, fühlen sich viele Eltern genervt. Wie reagieren Erziehungsberechtigte richtig?
Wenn Großeltern ihre Enkel betreuen, dürfen auch mal andere Regeln gelten. Foto: Jens Schierenbeck Regeln dürfen bei Großeltern anders sein Für viele Großeltern ist es eine große Freude, Zeit mit den Enkeln zu verbringen. Nicht immer geht diese aber ohne Konflikte um. Oma und Opa dürfen hier ruhig gelassen sein.
Der Traum vieler Kinder: So viel Eis essen, bis der Bauch weh tut. Foto: Julian Stratenschulte/Symbolbild Dürfen Kinder bei Freunden alles essen? Einen Berg Süßigkeiten und jede Menge Eiscreme: Wenn Kinder bei Freunden eingeladen sind, dürfen sie oft vieles essen, was zu Hause nicht erlaubt ist. Sollten Eltern das zulassen?
Kinder müssen lernen, ihrem Sättigungsgefühl zu trauen. Großeltern sollten sie daher nicht zum Aufessen zwingen. Foto: Jens Kalaene Großeltern sollten Kinder nicht zum Aufessen zwingen Das Kind ist satt, der Teller aber noch nicht leer. Großeltern bitten die Kleinen dann oft, den Rest aufzuessen. Doch das behindert ihren Lernprozess.