Krankenkasse kann Pflegedienst ablehnen

21.10.2019
Bei der häuslichen Krankenpflege haben Patienten keine ganz freie Wahl. Die Krankenkasse kann einen Pflegedienst zum Beispiel ablehnen, weil er zu teuer ist - und damit sogar einen Wechsel erzwingen.
Bei der Auswahl eines Pflegedienstes können Patienten Wünsche äußern - diese müssen aber angemessen sein. Foto: Stefan Sauer/zb/dpa
Bei der Auswahl eines Pflegedienstes können Patienten Wünsche äußern - diese müssen aber angemessen sein. Foto: Stefan Sauer/zb/dpa

Münster (dpa/tmn) - Bei der Auswahl ihres Pflegedienstes haben Pflegebedürftige zwar ein Wunschrecht. Der Wunsch muss jedoch angemessen sein. Das kann im Ernstfall bedeuten, dass Patienten gegen ihren Willen den Dienst wechseln müssen. Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht hin.

Die Experten berufen sich auf ein Urteil des Sozialgerichts Münster (Az.: S 17 KR 1206/19 ER). Klägerin in dem Fall war ein pflegebedürftiges Mädchen beziehungsweise dessen Eltern.

Seit einem Ertrinkungsunfall ist das Mädchen auf Intensivpflege angewiesen, dafür hatte die Familie einen Vertrag mit einem Pflegedienst geschlossen. Dieser Dienst kündigte den Vertrag jedoch und erklärte, die Patientin nur zu einem höheren Stundensatz weiter betreuen zu wollen - gefordert wurden nun 51,30 statt 45 Euro.

Interessen von Patient und Krankenkasse abwägen

Der neue Stundensatz war der Krankenkasse des Mädchens jedoch zu teuer. Sie schlug stattdessen zwei andere, günstigere Pflegedienste vor. Das Mädchen lehnte den Wechsel ab, der Streit ging vor Gericht.

Das Urteil: Patienten haben unter Umständen wie diesen keinen Anspruch darauf, ihren Pflegedienst zu behalten. Der Wechsel bringe zwar einen Wechsel der Pflegepersonen mit sich. Das sei aber auch bei Urlaub oder Krankheit der Pflegedienst-Mitarbeiter der Fall, Leib und Leben der Patientin seien dadurch nicht gefährdet, befand das Gericht.

Grundsätzlich müsse man in solchen Fällen zwischen den Interessen der Patienten und denen der Krankenkasse beziehungsweise der Versichertengemeinschaft abwägen, so das Gericht. Mehrkosten seien dabei ein Gesichtspunkt.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Neben dem Beruf der Kinderkrankenpfleger/in gibt es nun auch Pflegefachkräfte mit pädiatrischer Vertiefung. Kritiker sehen große Qualitätsunterschiede. Foto: Ole Spata/dpa Ist der Beruf der Kinderkrankenschwester ein Auslaufmodell? Die Kinderärzte in Deutschland diagnostizieren den «schleichenden Tod der Kinderkrankenschwester». Die Schuld sehen sie beim neuen Pflegeberufegesetz, das dem beliebigen Einsatz von Pflegepersonal Tür und Tor öffne.
Laut einer Studie sind im Jahr 2035 vier Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Vorausgesagt wird auch ein größerer Mangel an Fachkräften. Foto: Oliver Berg Vier Millionen Pflegebedürftige bis 2035 Altenpfleger sind heute schon oft überlastet - doch die Pflegezahlen gehen künftig weiter steil nach oben. Auch digitale Technik soll laut Experten daher verstärkt zum Einsatz kommen.
Krankenhäuser sollen auf den Intensivstationen künftig eine Mindestzahl von Pflegern beschäftigen. Foto: Patrick Seeger Kliniken müssen bald Untergrenzen bei Pflegern einhalten Der akute Personalmangel in der Pflege trifft auch die Kliniken. In vielen Stationen sind Mitarbeiter am Limit oder darüber hinaus. Die Regierung zieht nun Untergrenzen ein - das reicht längst nicht allen.
Schreibtisch gegen Hängematte eintauschen? Wer ein Sabbatical plant, muss vorab einiges beachten und organisieren. Foto: Stefanie Päffgen Ein Sabbatical durchsetzen und klug planen Mal rauskommen aus dem Job und ganz was anderes machen - von einem Sabbatjahr träumen viele Arbeitnehmer. Den Chef davon zu überzeugen ist nur der erste Schritt. Danach muss gründlich kalkuliert werden. Wichtig: Versicherungen nicht vergessen.