Kinderwunsch trotz Krebs: Diese Möglichkeit haben Betroffene

06.12.2017
Wer jung ist und an Krebs erkrankt, für den bricht meistens eine Welt zusammen. Neben der erschreckenden Diagnose kommt für viele aber noch ein weiteres Problem hinzu: Wie geht man mit dem Thema Kinderwunsch um?
Zum Beispiel mittels einer Befruchtung von Eizellen im Labor können Frauen auch noch schwanger werden, wenn ihre Fruchtbarkeit durch eine Krebstherapie beeinträchtigt wurde. Voraussetzung ist allerdings, dass schon vor der Therapie entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Zum Beispiel mittels einer Befruchtung von Eizellen im Labor können Frauen auch noch schwanger werden, wenn ihre Fruchtbarkeit durch eine Krebstherapie beeinträchtigt wurde. Voraussetzung ist allerdings, dass schon vor der Therapie entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

München/Tübingen (dpa/tmn) - Die Diagnose Krebs bedeutet heute in vielen Fällen kein Todesurteil mehr. Deshalb kommt für junge Patienten neben der Angst um die eigene Gesundheit noch eine Frage hinzu: Möchte ich irgendwann Kinder haben?

Auch wenn das in dem Moment zweitrangig erscheint, sollte man das Thema nicht abtun. Schon die Möglichkeit, später doch noch schwanger werden zu können, wirke sich positiv auf die Heilungschancen aus, erklärt Prof. Sara Brucker, Expertin der Deutschen Krebshilfe und ärztliche Direktorin des Forschungsinstituts für Frauengesundheit am Uniklinikum Tübingen. Deshalb ist es wichtig, schon bei der Diagnose über das Thema zu sprechen.

Hauptproblem sind die Kosten - meist müssen Betroffene fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen selbst bezahlen. Die Möglichkeiten und Kosten im Überblick.

Eizellen oder Spermien einfrieren

Während früher nur befruchtete Eizellen eingefroren werden konnten, ist das heute auch mit unbefruchteten Eizellen möglich. Allerdings braucht man reife Eizellen. Dafür bedarf es einer hormonellen Stimulation, die etwa zehn bis zwölf Tage dauert - Zeit, die nicht jede Betroffene hat. Nach der Behandlung werden die Eizellen entnommen, eingefroren und gelagert. Die Stimulation und Entnahme kostet laut Prof. Christian Thaler, Experte des Berufsverbandes der Frauenärzte, bis zu 2500 Euro, ungefähr 1500 Euro fallen für Medikamente an, und das Einfrieren und Lagern kostet jährlich 400 bis 800 Euro.

Bei Männern bedarf es keiner hormonellen Vorbehandlung, erklärt Prof. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Stiftung junge Erwachsene mit Krebs. Das Sperma wird gewonnen, eingefroren und gelagert. Die Kosten liegen bei einmalig etwa 500 Euro für das Einfrieren und bei rund 300 Euro jährlich für die Lagerung.

Eierstock- oder Hodengewebe einfrieren

In einem minimalinvasiven Eingriff wird Eierstockgewebe entnommen, eingefroren, gelagert und nach der Krebsbehandlung wieder in den Bauchraum eingesetzt. Dadurch sollen Frauen wieder ihren normalen Zyklus haben und auch ein Kind bekommen können. Obwohl dieses Verfahren unter anderem in Tübingen erfolgreich angewandt wurde, gilt es als noch experimentell. Laut Thaler liegen die Kosten bei mehreren tausend Euro.

Bei Männern kommt es vor, dass durch die Erkrankung nicht genügend Spermien vorhanden sind. Dann kann auch Gewebe aus dem Hoden entnommen und eingefroren werden, erklärt Freund. Darin sind Spermien enthalten, die dann später für eine künstliche Befruchtung verwendet werden können.

Eierstöcke «deaktivieren»

Hierbei handelt es sich um eine Hormonbehandlung, die die Eierstöcke in eine Art Winterschlaf versetzt. Die Idee ist, dass sie dadurch während einer Chemotherapie weniger massiv angegriffen werden, erklärt Thaler. Die Kosten liegen monatlich bei etwa 180 Euro.

Eierstöcke verlegen

Wenn der Tumor sich im Bereich des Beckens befindet und bestrahlt werden muss, ist es möglich, die Eierstöcke im Bauchraum an eine Stelle zu verlegen, wo sie den Strahlen weniger ausgesetzt sind. Das Verfahren kann ihre Funktion allerdings beeinträchtigen. Findet die Verlegung im Rahmen eines notwendigen Eingriffs wegen der Krebserkrankung statt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Regel.

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Verfasser: dpa-infocom GmbH

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