Im Team mit Kind und Arzt über Impfung entscheiden

28.05.2021
Schule, Sport, Freunde treffen: Impfungen nähren die Hoffnung auf mehr Normalität. Auch ältere Kinder und Jugendliche sollen bald einen Piks bekommen dürfen. Doch wer bestimmt das am Ende?
Hält ein Arzt sie für reif genug, können sich Kinder auch gegen den Willen ihrer Eltern für eine Impfung entscheiden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn
Hält ein Arzt sie für reif genug, können sich Kinder auch gegen den Willen ihrer Eltern für eine Impfung entscheiden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn

Viersen/Berlin (dpa/tmn) - Ob Kinder oder Jugendliche gegen Covid-19 geimpft werden entscheiden sie im Idealfall gemeinsam mit ihren Eltern und Ärzten. Das sagt der Berliner Kinderarzt Jakob Maske. Doch was, wenn es Streit gibt und das Kind die Impfung nicht möchte - oder umgekehrt die Eltern dagegen sind?

Juristisch gesehen ist bei medizinischen Maßnahmen die Einwilligungsfähigkeit des Kindes zu beachten. «Im Kern also die Frage, ob es die Vor- und Nachteile einer medizinischen Entscheidung abwägen kann», sagt Ingo Spitczok von Brisinski, Fachbereichsarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der LVR-Klinik Viersen. «Man geht davon aus, dass dies in der Regel ab einem Alter von 14 Jahren gegeben ist.»

Am Ende entscheiden Ärztin oder Arzt

Mit der Tatsache, dass man ab 14 Jahren strafmündig sei, biete der Gesetzgeber schon eine grobe Orientierung, sagt auch Kinderarzt Maske. «Doch am Ende müssen die Ärzte das verantworten. Wenn ein 15-Jähriger nicht den Eindruck macht, dass er die Entscheidung gut abwägen kann, muss man eben doch die Eltern fragen.»

Ingo Spitczok von Brisinski rät Eltern: «Man sollte das Kind hören zu dem Thema, aber sich selbst auch eine Meinung gebildet haben und versuchen, das Kind zu überzeugen. Etwa, wenn es nicht für die Impfung ist.» Wenn das an sich einwilligungsfähige Kind dann weiterhin widerspreche und die Impfung nicht wolle, könne man den Eltern aber nicht raten, es dazu zu zwingen.

Wenn das Kind selbst bestimmt

Und was ist, wenn es die Eltern nicht wollen, das Kind aber schon? Dann müssen Ärztin oder Arzt im Zweifel entscheiden, ob es einwillungsfähig ist. Falls die Antwort Ja lautet, kann das Kind dann eben sagen: Ich möchte die Impfung, auch wenn die Eltern dagegen sind. «Das ist aber absolut nicht der Idealfall und tatsächlich eine Rarität», sagt Kinderarzt Maske.

Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollen sich ab Anfang Juni gegen Covid-19 impfen lassen können. Mit Blick auf Nutzen und Risiko der Impfung ist die Abwägung bei ihnen aber sehr individuell. Eine generelle Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es für Kinder und Jugendliche jedenfalls nicht.

© dpa-infocom, dpa:210528-99-780372/2

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Verfasser: dpa-infocom GmbH

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