Dreifachimpfstoff wirkt kaum gegen verbreiteten Grippevirus

16.01.2018
Eine Immunisierung soll vor einer Krankheit schützen. Einer der diesjährigen Grippe-Impfstoffe scheint diesen Schutz aber nicht wie erhofft zu bieten.
In der Regel übernehmen Krankenkassen die Kosten für den Dreifachimpfstoff. Für die Übernahme des teureren Präparats muss eine Begründung des Arztes vorliegen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
In der Regel übernehmen Krankenkassen die Kosten für den Dreifachimpfstoff. Für die Übernahme des teureren Präparats muss eine Begründung des Arztes vorliegen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Berlin (dpa) - Viele Menschen, die sich gegen die Grippe haben impfen lassen, sind in diesem Jahr vielleicht trotzdem nicht optimal geschützt. Warum ist das so? Und was kann man jetzt tun? Die wichtigsten Antworten.

Was genau ist das Problem?

Die Impfung mit dem gängigen Dreifachimpfstoff wirkt nach einer ersten Einschätzung von Experten in dieser Saison nur bedingt. Denn mehr als die Hälfte der bisher nachgewiesenen Influenza-Fälle wurde durch Influenza-B-Viren der sogenannten Yamagata-Linie verursacht. Diese Viren werden aber durch den gängigen Dreifachimpfstoff nicht abgedeckt, wie Marieke Degen aus der Pressestelle des Robert Koch-Instituts (RKI) erklärt. Zuvor hatte die «Neue Osnabrücker Zeitung» über das Thema berichtet.

Ist denn auch ein besserer Impfstoff verfügbar?

Ja. Seit einigen Jahren gibt es einen Vierfachimpfstoff, der aber teurer ist und bislang wesentlich seltener verabreicht wird. Dieser deckt mehr Viren ab - auch den Influenza-B-Virus der Yamagata-Linie. Seit kurzem empfiehlt die Ständige Impfkommission am RKI diesen Vierfachimpfstoff. Die Entscheidung ist laut RKI aber noch so jung, dass noch nicht klar ist, ob die Krankenkassen die Kosten für diese Impfung übernehmen. Das müsse im Moment jeder Versicherte mit seiner Kasse klären.

War eine Impfung mit dem Dreifachimpfstoff dann umsonst?

Nein. «Die Impfung schützt ja immer noch vor allem gegen die A-Viren, die in dieser Saison noch verstärkt auftauchen können», sagt Marieke Degen. Und sie ergänzt: «Die Yamagata-Linie, die im jetzigen Dreifach-Impfstoff fehlt, war allerdings im Dreifachimpfstoff der Saison 2015/16 enthalten.» Wer sich regelmäßig jedes Jahr gegen die Grippe habe impfen lassen, sei möglicherweise auch noch zu einem gewissen Teil geschützt.

Kann ich mich jetzt noch nachimpfen lassen?

Bei Menschen, die sich noch nicht gegen die Grippe haben impfen lassen, macht das Immunisieren mit dem Vierfachimpfstoff laut RKI jetzt noch Sinn. Wer bereits einen Dreifachimpfstoff erhalten hat, sollte sich aber nicht generell noch einmal nachimpfen lassen, wie Degen erklärt. Eine Nachimpfung komme aber eventuell bei Hochrisikopatienten in Frage, die an mehreren Grunderkrankungen leiden. «Aber das muss der Arzt individuell entscheiden.»

Wie gut können Grippeimpfungen überhaupt schützen?

Der Schutzwirkung ist grundsätzlich nicht so hoch wie bei anderen Impfungen. «Eine Grippeimpfung hat bei älteren Menschen eine Wirksamkeit von etwa 40 bis 60 Prozent. Es gibt aber auch Jahre, in denen die Schutzwirkung noch geringer ausfällt, weil die Zusammensetzung des Impfstoffs nicht gut zu den zirkulierenden Viren passt», sagte Degen. Eine Impfung gegen Grippe wird vor allem für Menschen ab 60 Jahren, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, chronisch Kranke wie Diabetiker, Schwangere und medizinisches Personal empfohlen.

Warum ist es so schwer, einen wirksamen Grippe-Impfstoff anzubieten?

Das problematische an Grippeviren ist, dass sie extrem wandelbar sind. Von Saison zu Saison unterscheidet sich, welches Virus am häufigsten vorkommt. Die Viren selbst können sich auch immer wieder verändern. Laut Degen beobachten Grippeexperten weltweit aber sehr genau, welche Viren gerade unterwegs sind und ziehen Rückschlüsse für die Zusammensetzung des Impfstoffs für die kommende Saison. Selbst wenn die Wirksamkeit der Influenzaimpfung am Ende nicht optimal sei, könne sie viele Erkrankungsfälle verhindern, betont Degen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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