Die gesündere Alternative zu Weizen?

01.04.2020
Einkorn und Emmer statt Weizen und Roggen: Seit einiger Zeit gibt es überall Brote oder Müsli-Zutaten aus Urgetreide zu kaufen. Denn die alten Körner gelten als gesund. Was Fachleute dazu sagen.
Als Urgetreide gelten alle Sorten, die schon vor Hunderten und Tausenden von Jahren angebaut wurden. Dazu zählt zum Beispiel das Einkorn. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn
Als Urgetreide gelten alle Sorten, die schon vor Hunderten und Tausenden von Jahren angebaut wurden. Dazu zählt zum Beispiel das Einkorn. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn

Bonn/Mainz (dpa/tmn) - Sie sollen besonders natürlich, bekömmlich und gesund sein. Produkte aus Urgetreide sind angesagt. Wie bewerten Ernährungswissenschaftler und Ärzte diesen Trend?

«Im Vergleich etwa zu Weizen sind Produkte aus Urgetreide deutlich nahrhafter», sagt Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung in Bonn. «Herausragend ist ihr Gehalt an Mineralstoffen, vor allem an Zink.» Der Eiweißgehalt sei ebenfalls deutlich höher als der von Weizen, was Urgetreide für Veganer und Vegetarier besonders interessant mache.

Kamut, Emmer und Einkorn: Von Weizen verdrängt

Als Urgetreide gelten Getreidesorten, die schon vor Tausenden Jahren angebaut wurden. Je nach Definition zählen Emmer, Einkorn und Kamut dazu. Manchmal werden auch Hirse, Dinkel und Ur-Roggen in dieser Aufzählung genannt. Geschützt ist der Begriff nicht.

Gemeinsam haben diese Sorten, dass sie früher weit verbreitet waren, dann aber von anderem Getreide - vor allem Weizen und Roggen - verdrängt wurden. Bei diesen sind die Erträge nämlich deutlich höher. Sie sind damit besser fürs Geschäft der Produzenten.

Experte: Höheres Allergierisiko bei modernem Getreide

Vor allem im Vergleich zu modernem Weizen gilt Urgetreide als bekömmlicher. «Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass Weizen als Ursache für atypische Allergien auf Platz eins liegt», erklärt Prof. Detlef Schuppan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Das kann sich etwa durch Blähungen, Übelkeit oder Bauchkrämpfe äußern.

Das Problem: Oft bemerken Patienten gar nicht, dass ihre Symptome mit dem Verzehr von Weizen zusammenhängen, da diese Reaktionen nicht unmittelbar eintreten. «Wenn man als Patient selbst das Gefühl hat, eine bestimmte Getreidesorte nicht zu vertragen, kann man einmal ausprobieren, Gluten oder moderne Weizenprodukte wegzulassen», rät der Mediziner.

Mit Urgetreide backen? Gar nicht so einfach

Wer selbst einmal Urgetreide ausprobieren möchte, kann das in verschiedener Form tun: «Urgetreide kommt zumeist als ganzes Korn, Schrot oder Flocken zum Einsatz», erklärt Ernährungswissenschaftlerin Manuela Marin aus Berlin.

Beim Backen mit den alten Sorten kann man allerdings kein Rezept für Weizenmehl verwenden und dieses einfach durch Emmer oder Kammut ersetzen: «Backtechnisch wird Urgetreide oft anderen Getreidesorten zugemischt», sagt Marin.

Nicht so ertragreich wie Roggen und Co.

Obwohl viele Bioläden und inzwischen auch klassische Supermärkte Produkte aus Urgetreide im Sortiment haben: Weizen und Roggen werden durch die alten Körner nicht so schnell zu ersetzen sein. Sie sind zwar laut Harald Seitz genügsamer beim Standort und der Versorgung mit Nährstoffen und müssten auch weniger gedüngt werden. Daran, dass sie im Vergleich weniger Ertrag bringen, hat sich aber über die Jahrtausende nichts geändert.

Und da Brötchen, Kuchen und andere Teigwaren stets gefragt sind, setzen Hersteller weiterhin eher auf die klassischen Getreide. Einfach, um den großen Bedarf zu decken.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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