Bundesamt beklagt Nickel-Belastung im Spielzeug

28.11.2017
Nickel ist ein Metall, das bei empfindlichen Menschen zu Allergien führen kann. Kurz vor Weihnachten schlagen Verbraucherschützer deshalb Alarm: Sie warnen vor hohen Nickel-Werten im Kinderspielzeug.
Metallspielzeug in Deutschland enthält noch immer zu häufig Nickel. Das hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit herausgefunden. Foto: Ole Spata/dpa
Metallspielzeug in Deutschland enthält noch immer zu häufig Nickel. Das hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit herausgefunden. Foto: Ole Spata/dpa

Berlin (dpa) - Beim Umgang mit Metallspielzeug kommen Kinder zu häufig mit Nickel in Kontakt. Der zulässige Grenzwert für den potenziell allergieauslösenden Stoff wurde im vorigen Jahr bei rund 21 Prozent der untersuchten Stichproben überschritten.

Bei einem einzelnen Metallbaukasten habe der Nickelanteil sogar um gut das 200-fache über dem Grenzwert gelegen. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor.

Nickel kann allergische Reaktionen auslösen und bei empfindlichen Menschen zu Juckreiz, Hautrötungen und Ausschlag führen. Davon sind nach Angaben des Bundesamts etwa zehn Prozent aller Kinder betroffen. «Die Hersteller von Metallspielzeug müssen endlich wirksame Maßnahmen zur Reduzierung des Nickel-Gehalts in ihren Produkten ergreifen», mahnte der zuständige BVL-Abteilungsleiter Gerd Fricke.

Entscheidend ist nach Behördenangaben nicht die im Spielzeug enthaltene Gesamtkonzentration, sondern die Nickel-Menge, die beim Spielen freigesetzt wird - etwa durch die Berührung mit feuchten Händen. Die aktuellen Werte seien jedoch «eindeutig zu hoch», beklagte Fricke. Die Hersteller und Importeure hätten ihre Pflichten in den vergangenen Jahren nicht erfüllt. Bereits 2012 hatte das Bundesamt bei der Überprüfung von Spielzeug einen ähnlich hohen Anteil von Grenzwert-Überschreitungen ermittelt.

Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) verweist darauf, dass sich die Nickel-Grenzwerte auf Gegenstände beziehen, bei denen es einen lang andauernden Hautkontakt gebe. «Spielzeug ist aber kein Ohrstecker und keine Brille», sagte DVSI-Geschäftsführer Ulrich Brobeil der Deutschen Presse-Agentur. Wenn Nickel etwa in der Achse eines Modellautos vorhanden sei, gebe es in der Regel allenfalls einen kurzen Hautkontakt. Trotzdem würden einige Hersteller inzwischen komplett auf Nickel verzichten. «Spielzeugsicherheit hat oberste Priorität.»

Nickelallergie äußert sich nicht immer sofort

Rötungen, Hautausschlag und Juckreiz können Anzeichen für eine Nickelallergie sein. Oft treten diese Symptome an Hautstellen auf, die viel mit dem Metall in Kontakt kommen - etwa am Ohrläppchen durch Ohrringe oder an der Hand durch die Berührung von Metallgegenständen wie Spielzeug.

Zum Teil sieht man die Reaktionen erst mehrere Stunden oder sogar Tage später. Darauf macht der Berufsverband Deutscher Dermatologen aufmerksam.

Treten solche Symptome bei Kindern auf, sollten Eltern mit einem Allergietest beim Arzt abklären lassen, ob eine Unverträglichkeit vorliegt. Denn Nickel kann nicht nur in Schmuck vorkommen, sondern beispielsweise auch in Spielsachen aus Metall, Uhren, Brillen, Reißverschlüssen oder Jeansknöpfen.

Liegt eine Kontaktallergie vor, treten die Ekzeme meist immer wieder auf, wenn die Haut mit dem Material in Kontakt kommt. Dann hilft in der Regel nur, die Gegenstände zu meiden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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